Lausitzer Gebirge
Cesky Deutsch English Francais

Städte und Gemeinden

Kytlice - Falknov
(Kittlitz - Falkenau)

Dolní Falknov (Nieder Falkenau), Ortsmitte mit dem F.X.M. Zippe-Denkmal. Dieser Erholungsort mit Glashüttentradition, der am Oberlauf des Flüsschens Kamenice (Kamnitzbach) liegt, entstand duch Vereinigung von drei älteren Gemeinden. Sein Gemeindebezirk war ursprünglich durch das Flüsschen in zwei Teile geteilt, von denen der nördliche zur Herrschaft Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz) und der südliche zur Herrschaft Sloup (Bürgstein) gehörte.

Dolní Falknov (Nieder Falkenau) entstand am Böhmisch-Kamnitzer Ufer des Baches, wo früher nur ein herrschaftliches Hegerhaus bestand. Im Jahre 1668 baute hier Hans Grohmann ein Wirtshaus, um das sich später weitere Häuser scharten. Das Wirtshaus wurde dann zum Sitz des Dorfrichters und war später im Besitze einiger anderer Inhaber. Schon vor 1843 gehörte das Haus der Familie Zippe, die hier bis 1945 wohnte, und der der hervorragende böhmische Mineraloge und Geolog Franz Xaver Zippe entstammte. Das Wirtshaus blieb auch nach 1945 im Betrieb, infolge der Vernachlässigung der Wartungsarbeiten wurde es aber bald baufällig und ist 1963 abgerissen worden. Dabei verschwand auch die Zippe-Gedenktafel, die auf dem Hause am 18. Januar 1891 anlässlich des Jubileums des berümten Landsmannes enthüllt worden war. Erst in der Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde unweit von hier ein neues Zippe-Denkmal enthüllt.

Am anderen Ufer des Flüsschens stand Falknov (Falkenau), das angeblich kurz nach 1471 an der Stelle des in den Husitenkriegen eingegangenen Dorfes Neuhausen gegründet wurde. Bereits im Jahre 1443 wird von hier eine Glashütte erwähnt, aber mit Sicherheit ist die Existenz von Falkenau erst im 16. Jahrhundert belegt. In dieser Zeit wurde das Dorf von Glasmachern aus Sachsen kolonisiert und im Jahre 1530 baute hier der Glashüttenmeister Paul Schürer aus Aschberg eine Glashütte. Seine Familie breitete sich im Böhmen schnell aus und ein Zweig von ihr, zu der die Falkenauer Schürer gehörten, wurde 1592 von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben und mit dem Prädikat "von Waldheim" belehnt.
Zur Glashütte gehörte ein grosses Grundeigentum, auf dem der Hof der Hüttenmeisters mit Getreidemühle, Brettsäge und Bierbrauerei gegründet wurde. Das Holz zum Betriebe der Hütte wurde in den umgebenden Wäldern gewonnen, die aber allmählich verschwanden; der dann wachsende Holzpreis führte zu einem Absinken der Glasproduktion. Im Jahre 1731 verkaufte Leopold Valentin Schürer deshalb die Hütte an die Familie Kittel. Auch ihr gelang es nicht, das zum Betriebe nötige Holz zu sichern und Johann Josef Kittel stellte daher im Jahre 1750 den Betrieb der Hütte ein. Die ausgedehnten, zur Glashütte gehörenden Grundstücke vermietete Kittel zum Bau neuer Wohnhäuser.

Kirche des hl. Anton von Padua. Im Jahre 1758 entstand daher inmitten des alten Falkenau eine neue Gemeinde, die nach dem ursprünglichen Besitzer der Grundstücke Kittelwitz und später Kittlitz (Kytlice) benannt wurde. Ihren Grundstock bildete eine Gruppe von etwa 20 älteren, auf den Gründen des Hüttmeistergutes gebauten Häusern von Falkenau. Die Kittlitzer Neubauten, die sich von hier weiter nach Süden ausbreiteten, hiessen Neudorf; diese Bezeichnung wurde oft als Namen der ganzen Gemeinde benützt. Ein wesentlicher Teil der neuen Gemeinde entstand auch entlang des neuen Weges, auf dem die Bewohner zur Kirche nach Ober Preschkau gingen; da hier auch die Kittlitzer Leichen zur Kirche getragen wurden, wurde der Weg auch Leichenweg genannt.

Infolge des schnellen Wachstum des Ortes entstand in Kittlitz der Bedarf an einer eigenen Kirche, deren Bau im Jahre 1776 beschlossen wurde. Einen grossen Teil der Geldmittel zum Bau widmete der aus Falkenau gebürtige Anton Bernard Gürtler, einen Teil der fehlenden Summe beglichen die Herren von Kinsky und der Rest wurde durch Geldsammlungen gewonnen. Den Baugrund widmete Johan Josef Kittel und am 7. September 1777 wurde der Grundstein gelegt. Da der Bau aber durch den preussischen Kriege aufgehalten wurde, wurde die Kirche erst am 10. Oktober 1782 eingeweiht.
Die barocke einschiffige Kirche mit einem prismatischen Turme wurde vom Architekten Johann Wenzel Kosch aus Dìèín (Tetschen) gebaut. Die Inneneinrichtung aus dem Jahre 1782 stammt von Fr. Langhof aus Dìèín, das Taufbecken stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Bischof Gürtler widmete der Kirche einige Kunstwerke aus Italien. Dabei handelt es sich um eine Statue der Madonna aus carrarischem Marmor vom Bildhauer F. Querola aus Neapel, ein Bild der hl. Maria Magdalena von C. Cignani und einige andere Werke italienischer Herkunft, deren Autoren nicht sicher bekannt sind. Auf dem Hochaltar befindet sich ein Bild des hl. Anton von Padua, das nach einem Original von Corregio vom Falkenauer Maler Anton Weiss gemalt wurde, von dem auch das Relief des Heiligen Grabes stammt. Die Rokoko-Seitenaltäre sind dem hl. Johann Nepomuk und der Vorstellung der Jungfrau Maria im Tempel gewidmet.
Auf dem Friedhofe stehen an der Kirchenwand fünf Grabsteine der Familie Kittel, darunter ein barocker aus dem Jahre 1788 mit einem plastischen Bilde des Gründers der Gemeinde, Johann Josef Kittel (1723-1788). Auch befindet sich hier das steinerne Epitaph des Bischofs Gürtlers von Anton Max aus dem Jahre 1791, ein Grabstein der Ros. Egermann vom Anfange des 19. Jahrhunderts und das Epitaph der Familie des Unternehmers Janke.

Alte Grabsteine an der Kirchenwand. Grab der Familie Horníèek.

Statue Skt. Johann von Nepomuk auf der Wiese unterhalb der Kirche. Im Dorfe befindet sich eine Reihe von Holzhäusern mit Umgebinde, Fachwerk oder Zimmerwerk im Obergeschoss und mit Mansardendächern, steinernen Türstöcken, Balkongängen und mit Schiefer belegten oder anders geschmückten Giebeln. Die wertvollsten von ihnen stehen unter Denkmalsschutz. Es gibt hier auchj Überreste von historischen Werken der Technik – Teichdämme, Mühlgräben, Mühleneinrichtungen und viele in den Sandstein gehauene Keller.
Auf der Wiese vor der Kirche steht eine Statue des hl. Johann Nepomuk aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, es haben sich hier auch zwei Kreuze erhalten, die die Grenzen des neuen Dorfes bezeichneten. An der Schule steht ein Denkmal der Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus dem Jahre 1926.
Am Ostende des Dorfes liegt ein malerischer Teich im Walde, der bereits 1907 zu einem Badeteich ausgebaut woden ist, im Walde hinter dem Hause No. 1 in Nieder Falkenau wurde 1931 ein Waldtheater eingerichtet. Auf dem Abhange des Støíbrný vrch (Silberberg) wird eine kleine Skilift betrieben.

Am Südrande des Dorfes an beiden Seiten der Strasse nach Polevsko (Blottendorf) befindet sich ein unter Naturschutz stehendes Vorkommen des Krokus, der hier nach Archivquellen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts angepflanzt worden ist.

In Kittlitz geboren ist Anton Bernard Gürtler (1726-1791), Doktor der Theologie, Beichtvater der Salesianerinnen und der Königin Marie Carolina von Sizilien, der in Neapel zum Bischof von Siena berufen wurde und als päpstlicher Nuntius auch an der Krönung Leopolds II. im Jahre 1790 in Prag teilnahm. Anton Weiss (1801-1851) war ein erfolgreicher Lithograf und Blumenmaler, dessen Arbeiten hauptsächlich in Holland, Belgien und Deutschland, aber auch in Frankreich und England Verbreitung fanden. Der berühmteste Falkenauer Landsmann ist Franz Xaver Zippe (1791-1863), einer der bedeutendsten böhmischen Naturwissenschaftler und Begründer der wissenschaftlichen Mineralogie und Geologie in Böhmen, der sich in ausserordentlichem Masse an der Gründung des Nationalmuseums in Prag beteiligt hatte. Im Jahre 1847 wurde er zu einem der ersten Mitglieder der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, wurde 1849 mit der Leitung der neugegründeten montanistischen Hochschule in Pøibram betraut und zu ihren ersten Direktor bestellt. Seit 1850 wirkte er als Professor der Mineralogie an der Wiener Universität. Sein Name ist zum Andenken auf dem Gebäude des Nationalmuseums verewigt.

Weitere Informationen

 


Die Seiten über das Lausitzer Gebirge befinden sich auf: http://www.luzicke-hory.cz/lausgeb.html
Copyright (c) Jiøí Kühn, 1997-2016.     Übersetzung: Petr Kühn