Lausitzer Gebirge
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Städte und Gemeinden

Chøibská
(Kreibitz)

Der Stadtplatz mit der St. Georgs-Kirche im Hintergrund. Dieses an den Füssen des Lausitzer Gebirges im verbreiteten Abschnitt des Kreibitzbach-Tales liegende Städtchen ist eine viel besuchte Sommerfrische. Die ursprünglich slawische Siedlung entstand an einem Handelsweg aus Böhmen in die Lausitz. Im 11. Jahrhundert soll hier ein Teil der Sorben vor dem Zorne des deutschen Kaisers ihre Zuflucht gesucht und die Siedlung Krywicz gegründet haben. Der heutige Name stammt von dem tschechischen Geschichtsschreiber Palacký, der ihn aus dem bergigen (chøib = kleiner Hügel) Charakter der hiesigen Landschaft ableitete. Die älteste Erwähnung von Chøibská stammt aus dem Jahre 1383, in dem es seine ersten Privilegien von den Michalovicen (Michelsbergern) bekam, zur Stadt erhoben wurde es 1570. Die Stadt hatte peinliche Rechtsprechung, die Urteile wurden auf dem nahen Berge Spravedlnost (=Gerechtigkeit; Irigtberg) ausgeführt. In der Nähe dieses Berges bestand früher eine kleine Burg Chøibský hrádek, angeblich Sitz des Gerichtsvogtes.

Chøibská war nie Sitz eines Feudaladels, aber ein Zentrum des Handels und Gewerbes und blieb deshalb eine offene Stadt ohne Mauern und Tore. Zur Verteidigung hatte die Stadt ein Privilegium, eine Bogenschützenzunft zu unterhalten und seit dem Jahre 1596 besass sie einen Schützenverein. Im Jahre 1661 wurde hier die Zunft der Glasveredler (Maler, Graveure und Schleifer) gegründet. Die erste Glashütte aber entstand in Horní Chøibská (Oberkreibitz) bereits am Anfange des 15. Jahrhunderts. Der älteste bekannte Glasmachermeister war Veit aus der Familie der Friedrichs, in deren Besitz diese Glashütte bis in die Hälfte des 18. Jahrhunderts blieb; dann wurde sie von der Familie Kittel gekauft. Später kam sie an verschiedene weitere Besitzer und war dadurch fast ununterbrochen bis in die Gegenwart im Betrieb. Durch die offenen Fenster kann man von draussen die Arbeit der Glasbläser am Glasherd beobachten.
Die Stadt hatte sehr unter allen bedeutenderen Kriegen gelitten. Im Dreissigjährigen Kriege (1633) zog Wallenstein mit seiner Armee durch die Stadt, in den Jahren 1639 und 1648 wurde sie von den Schweden eingenommen, 1757 und 1778 fanden in der Umgebung österreichisch-preussische Kämpfe statt. Im Jahre 1866 lag hier eine preussische Armee bei ihrem Einmarsch nach Böhmen. Im Zweiten Weltkrieg war hier ein kleines Kriegsgefangenenlager. Gegen Ende des Krieges zog ein Todestransport aus dem KZ Schwarzheide durch die Stadt (Gedenktafel auf dem Friedhof). Die Stadt wurde öfter von Überschwemmungen heimgesucht, insbesondere 1705, und deswegen wurde 1912 - 1926 oberhalb der Stadt ein Staudamm gebaut, der heute als ein Vorratsbecken für Trinkwasser dient.

Das ehemalige Rathaus und Geburtshaus Th. Haenkes auf dem Stadtplatz. St. Georgs-Kirche.

Inneres der St. Georgs-Kirche. Die urprünglich gotische Kirche zu St. Georg wurde um 1596 vollständig umgebaut, im Jahre 1670 adaptiert und im Jahre 1901 regotisiert. Sie ist eine dreischiffige Hallenkirche mit einem dreiseitigen Chor. Die Innenausstattung ist zum Teil Barock, (die Kanzel 1670, die Statuen aus dem 18. Jahrhundert und ein marmornes Taufbecken) und Rokoko (die Statue der Immaculata und eines hl. Bischofs). Der im Jahre 1649 erhöhte Turm wurde im 19. Jahrhundert umgebaut und hat heute drei Stockwerke mit einem Zwiebeldach und zwei Glocken aus den Jahren 1460 und 1598 (mit tschechischen Inschriften). In die Mauern des Turmes, der Kirche und die Umfriedungsmauer sind Grabsteine eingesetzt, von denen einige schon aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammen. Am Eingang in den ehemaligen Friedhof befinden sich zwei Teile eines ehemaligen vierteiligen Umganges mit barocken Eckkapellen aus 1761 und eine pseudogotische Kapelle aus dem Jahre 1875. In der Umfriedungsmauer befindet sich auch der Grabstein des 1820 gestorbenen Glasmachers Anton Kittel. Hinter der Kirche stehen Barock-Statuen des hl. Johann Nepomuk und der Jungfrau Maria aus der Hälfte des 18. Jahrhunderts, die ursprünglich auf einer Brücke über den Bach standen, die bei der Verbreiterung der Strasse abgerissen wurde. Das Haus der Pfarre (Nr. 9) hat über dem Steinportal das Kinsky-Wappen und die Jahreszahl 1726. Nördlich vom Stadtplatz steht eine aus dem Jahre 1722 stammende Barock-Kapelle. Am Marktplatz befindet sich ein achteckiger Brunnen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und das neugotische Gebäude des ehemaligen Rathauses aus dem Jahre 1866. Unweit des Rathauses steht das Geburtshaus Thaddäus Haenkes mit einer im Jahre 1961 ergänzten Gedenktafel mit dem Marmorrelief aus dem Jahre 1885. Im Sommer 2002 wurde in diesem Hause ein Stadtmuseum eingerichtet. In der Stadt haben sich viele Fachwerkhäuser und Faktorenhäuser erhalten, die Fachwerk mit anderen Bautechniken kombinieren und die oft auf klassiziste Art verschalt sind und mit Schiefertafeln ausgelegte Giebel haben. Am Bahnhof, der in den Wäldern nördlich der Stadt liegt, ist die frühere Sommerfrische und Luftkurort Malý Semerink (Klein Semmering). Die zum Teil im schweizerischen Stil 1870 - 1875 erbauten Gebäude werden jetzt als Erholungsheim der Tschechischen Staatsbahnen genutzt.

Chøibská ist der Geburtsort des hervorragenden Wissenschaftlers, Arztes, Botanikers, Geologen und Forschungsreisenden Thaddäus Haenke (1761 - 1817), des Entdeckers der Victoria regia. Ein Teil seiner botanischen Sammlungen aus Südamerika befindet sich in Prager Nationalmuseum. In Chøibská hielt sich eine Zeit auch der junge Ch.W.Gluck auf, dessen Vater Forstbeamter auf der Domäne Èeská Kamenice der Grafen Kinsky war.

Gedenktafel Thaddäus Haenkes. Die Statue des hl. Johann v. Nepomuk auf dem Stadtplatz.

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