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Interessantes
Klíè
(Kleis)
Der
Berg Klíè (Kleis, 760 m) ist ein etwa 1,5 km westlich von Svor und
3,5 km nördlich von Nový Bor sich majestätisch über die umgebende Landschaft erhebender
Berg. Er ist eine der schönsten und auch bekanntesten Dominanten der Lausitzer
Berge, dessen schon aus der Ferne sichtbare kegelförmige Gestalt besonders im
Blick vom Osten oder Westen uns fesselt, während er aus dem Süden oder Norden
mehr rundlich aussieht und ausserdem seine Gestalt insbesondere an der südwestlichen
Seite von der riesigen Felswand gestört wird. Diese Wand ist über 300 m lang
und stellenweise bis 60 m hoch. Im Winter bilden sich an ihr riesige Eisgardinen,
Eiszapfen und Eis-Vorhänge. Auf dem steilen Hange unter dieser Felswand befindet
sich ein ausgedehntes Schuttfeld, kleinere Schuttfelder sind auch am Nordhang
des Berges.
Auf Karten erscheint der Berg zuerst 1720 unter dem Namen Kleis, der Name Klíè
wird erst im Wanderführer aus dem Jahre 1928 angeführt. Dieser Name wird vom
urslawischen Ausdruck "kljuè" abgeleitet, mit dem gewöhlich quellendes
Wasser bezeichnet wurde. Unterhalb des Sattels an der Westseite des Berges sind
wirklich ausgiebige Quellen, die heute zur Versorgung der Wasserleitung von
Nový Bor eingefasst sind. Der Überfall einer dieser Quellen befindet sich im
Wald unter dem Schuttfeld eingefasst als Kamzièí studánka (Gämsenbrunnen).
Nach den hiesigen Quellen bekam auch der benachbarte Pramenný vrch (Bornberg)
seinen Namen.
In älteren Nachrichten steht, dass im 18. Jahrhundert der ganze Berg mit
Wald, der um die Mitte des Jahrhunderts ausbrannte, bestockt war; später wuchs
hier ein Fichten-Tannenwald. Noch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts
waren die Abhänge bis fast zum Gipfel von Wald bewachsen, aber etwa 100 Jahre
später litten sie stark unter dem Einfluss der Luftverunreinigung, sodass man
heute am Nordhang unter dem Gipfel keinen Fichtenwald, sondern nur Gras mit
vereinzelten Eschen und Birken sieht. Der Untergang des Waldes in den höchsten
Partien des Berges gipfelte am 26. April 1992 in einem Waldbrand, der hauptsächlich
die nördlichen und nordwestlichen Abhänge betroffen hatte; glücklicherweise
wurde dabei der gesetzlich geschützte thermophile Eichenwald nicht allzu stark
betroffen.
Als Naturschutzgebiet wurde der Klíè 1967 ausgewiesen. Auf
den südliche felsigen Abhängen hat sich ein lichter Bestand von Roteichen mit
Esche, Bergahorn, Ulme und Hasel, der einer der höchstgelegenen wärmeliebenden
Eichenwälder in Böhmen ist, erhalten. 1995 wurde auf dem sonnenbestrahlten südlichen
bis südöstlichen Hange sogar der Wildapfelbaum (Malus silvestris) festgestellt,
dessen nächste bekannte Standorte erst aus dem Böhmischen Mittelgebirge bekannt
sind.
Im erhalten gebliebenen Rest des krautreichen Buchenwaldes blüht im Frühling
das Maiglöckchen, der Waldmeister, das Ausdauernde Bingelkraut, die Weisse Zahnwurz
und die Zwiebel-Zahnwurz, im Juli erblüht die Türkenbund-Lilie, die Gemeine
Akelei oder der Schnittlauch. Auf dem nördlichen und östlichen Seite des Berges
findet man den Gemeinen Seidelbast, auf den Felsen und beschatteten Schutthalden
wächst die Weisse Schwalbenwurz, an unzugänglichen Felswänden die Alpen-Aster
und der Rostrote Wimperfarn - alles seltene und gefährdete Eiszeitrelikte, die
sich hier nach dem Rückzug der letzten Vereisung im älteren Quartär erhalten
haben. Auf dem Klíè kommt auch der der Bärlapp Tannen-Teufelskralle vor und
auf den Schutthalden und Felsen unter dem Gipfel wächst eine ganze Reihe interessanter
Moose, unter ihnen das sehenswürdige Lebermoos Gymnomitrion concinnatum.
Die Steinschutthalden des Klíè (Kleis) bilden ein geeignetes Milieu für viele
Käfer und Spinnen, unter denen man hier auch kälteliebende montane Arten, die
sonst bei uns nur aus dem Riesengebirge oder der Hohen Tatra bekannt sind, finden
kann. Von den grösseren Tieren kann man, wenn man Glück hat, in den Felsen Gämsen
sehen, die in den Lausitzer Bergen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesetzt
worden sind. Auch kommen hier eine ganze Reihe bedeutender und geschützter Vogelarten
vor, wie z. B. das Auerhuhn, Fliegenschnäpper, der Zeisig oder der Gimpel.
Noch in der Mitte des 20. Jh. nistete am Klíè auch der Wanderfalke, seitdem
hat er sich eine lange Zeit hier nicht mehr sehen lassen; erst 2007 hat er hier
wieder genistet.
Auf den Klíè bezogen sich schon vor langen Zeiten viele Volkssagen.
Einige von ihnen sprachen von einer Burg auf seinem Gipfel, deren Überreste
angeblich noch am Ende des 18. Jahrhunderts zu sehen gewesen sein sollten.
In Geschichtsquellen findet man aber keine einzige Erwähnung einer Burg auf
dem Klíè und auch eingehende Untersuchungen des felsigen Gipfel konnten keine
Spuren von Bauwerken oder Herrichtungen, die auf ihre Existenz hinweisen könnten,
nachweisen. Wenn man hier in der Vergangenheit irgendwelche Reste gefunden hat,
konnte es sich vielleicht um Spuren eines Wachtpostens handeln, von dem durch
Feuerzeichen Gefahren ins Hinterland gemeldet worden sind.
Später wurden auf dem Gipfel des Klíè einige Schutzhütten gebaut, die aber
meistens keinen langen Bestand hatten. Die erste Schutzhütte baute bereits 1850
der Oberförster Seeland aus Svor (Röhrsdorf), und zwar zugleich mit einem grossen
Kreuz aus Eichenholz, das hier bis 1886 stand. Die Schutzhütte ging viel früher
ein, da bereits 1872 der Holzhauer Anton Glücklich an ihrer Statt eine neue
Schutzhütte, in der er den Sommer über Erfrischungen verkaufte, aufbaute. Als
dann die Mitglieder der Haidaer Abteilung des Gebirgsvereins am Nord- und Osthange
den bis heute noch benützten Serpentinenweg zum Gipfel herrichteten, öffnete
hier Konrad Weber aus Svor (Röhrsdorf) einen Bierausschank, der hier zwei Jahre
aushielt. Die letzte Schutzhütte auf dem Klíè (Kleis) erbaute die Abteilung
des Gebirgsvereins für das nördlichsten Böhmen in Cvikov (Zwickau) im Jahr 1910.
Diese schöne Fachwerkbaude stand auf dem höchsten Punkte des Felsengipfels und
war an Sonntagen für Besucher geöffnet. Ihre Inneneinrichtung wurde aber mehrmals
vandalisch vernichtet und die Reparaturen erforderten grosse Auslagen. Trotzdem
gelang es dem Gebirgsverein, sie bis 1938 in Betrieb zu erhalten; dann musste
sie auf Befehl der militärischen Stellen abgerissen werden. Nach dem Anschluss
des Sudetenlandes an das Reich einigten sich zwar die Abteilungen des Gebirgsvereins
in Nový Bor (Haida), Svor (Röhrsdorf) und Cvikov (Zwickau) auf dem Bau einer
neuen Hütte, aber durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde der Bau vereitelt
und der Berg ist bis heute ohne Unterschlupf.
Der kahle felsige Gipfel des Klíè bietet eine weite Rundsicht, die oft als die
schönste im ganzen Lausitzer Gebirge bezeichnet wird. Fast die ganze Nordhälfte
der Landschaft um den Klíè (Kleis) nehmen die bewaldeten Berge des Lausitzer
Gebirges ein mit den Dominanten des Studenec (Kaltenberg),
des Malý und Velký
Buk (Kleiner und Grosser Buchberg), des Jedlová (Tannenberg), Pìnkavèí vrch
(Finkenkoppe), Luž (Lausche), Hvozd (Hochwald) und Jezevèí vrch (Limberg). Am
Horizont hinter ihnen erstreckt sich die Böhmisch-Sächsische Schweiz mit dem
charakteristischen Rùžovský vrch (Rosenberg) und den weiter entfernten Tafelbergen
in Deutschland, im Norden erheben sich die langgestreckten Berge des Schluckenauer
Niederlandes und im Osten kann man bei klarem Wetter das Jizerské hory (Isergebirge),
die Krkonoše (Riesengebirge) und vor ihnen den Ještìdský høbet (Jeschkenkamm),
der sich über den Kozákov bis nach Jièín fortzieht, sehen. Unmittelbar unter
dem Klíè liegt Svor (Röhrsdorf) und ein wenig weiter nach Osten unter dem Zelený
vrch (Grünberg) das Städtchen Cvikov (Zwickau). Im Süden und Südosten erstreckt
sich die gewellte Landschaft um Èeská Lípa (Böhmisch-Leipa), aus der der Ortel
(Urteilberg) und die Berge um den Slavíèek (Slawitschken) bei Sloup (Bürgstein)
hervorragen, etwas weiter entfernt sieht man den Tlustec (Tolzberg), Ralsko
(Roll) und in südlicher Richtung ragt am Horizont das Zwillingspaar des Velký
Bezdìz und Malý Bezdìz (Bösig und Neuberg) herauf. Unter dem Südfuss des Klíè
liegt Nový Bor (Haida), hinter ihm die bewaldeten Kuppen des Skalický vrch (Langenauer
Berg), Chotovický vrch (Kottowitzer Berg) und
Lipovec (Limberg, Zigeunerbergel), links hinter ihnen sieht man den Špièák bei
Èeská Lípa (Leipaer Spitzberg) und am Horizont kann man die zahlreichen Berge
um Doksy (Hirschberg) und in der Kokoøiner Gegend mit dem weniger auffallenden
Vrátenská hora (Wratner Berg) und dem dominierenden Vlhoš (Wilhost),
hinter dem in der Ferne der Øíp (Georgsberg) aufsteigt, unterscheiden. Weiter
rechts steigt der langgestreckte Kamm des Kozel (Kosel) und im Südwesten der
näher liegende Kamm des Èeská skála (Tscheschkenstein) auf, der über den Kluèky
(Klutschken) bis hinter Polevsko (Blottendorf) sich fortsetzt. Den südwestlichen
Horizont füllen die Berge des Èeské støedohoøí (Böhmisches Mittelgebirge) mit
dem markanten Sedlo (Geltschberg) bei Úštìk (Auscha), dem spitzigen Kegel des
Milešovka (Donnersberg, Milleschauer) und dem Fernsehturm auf dem Buková hora
(Zinkenstein), im Westen kann man den Dìèínský Snìžník (Hoher Schneeberg) und
einen Teil des Erzgebirgskammes sehen.
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