Lausitzer Gebirge
Cesky Deutsch English Francais

Grundinformationen über das Lausitzer Gebirge

 

... Das Lausitzer Gebirge habe ich vielleicht am liebsten. Zuerst war ich misstrauisch, sogar ironisch. Was sind das denn für Berge, wenn sie mit ihrer Höhe nicht einmal das Niveau der Böhmisch-mährischen Höhen erreichen? Bald begriff ich aber, dass es trotzdem wirkliche Berge, nur in einem etwas verkleinerten Massstabe sind. Ihre Gipfel ragen grossartig über die umgebende Landschaft, die Hänge der höchsten Berge sind mit Steinschutthalden bedeckt, aus den Wäldern steigen an vielen Stellen Felsengruppen, die einzelnen Kämme und ihre Gabelungen werden durch tiefe Tale getrennt. Und das alles ist in schöne, vielerorts noch die ursprünglichen Buchenbestände enthaltenden Wälder gebettet. Ich kenne keinen schöneren Ort als das Lausitzer Gebirge im Herbst.

(M. Sovadina, Jizerské a Lužické hory 6/97)

 

Lausitzer Gebirge.

Das Lausitzer Gebirge ist ein nicht besonders ausgedehntes Bergland in Nordböhmen (siehe Karte) an der deutsch-tschechischen Grenze zwischen Dìèín (Tetschen) und Liberec (Reichenberg). Der kleinere Teil dieses Berglandes auf deutschem Gebiete heisst das Zittauer Gebirge.

Geologie

An der Lausitzer Störung bei Horní Sedlo (Pass) aufgerichtete Sandsteine. Geologisch besteht das Lausitzer Gebirge zum grössten Teil aus Sandsteinen der oberen Kreide, die im Tertiär an vielen Stellen von glühendem Magma, das als Basalt- und Phonolitgestein erstarrte, durchbrochen worden sind. Da diese Eruptivgesteine widerstandsfähiger sind als die umgebenden Sandsteine, wurden jene durch die nachfolgende Erosion herauspräpariert, sodass das charakteristische, aus langgestreckten Rücken und aus ihnen herausragenden Kegelbergen und Kuppen bestehende Relief des Lausitzer Gebirges entstand. Am Nordrande des Gebirges grenzen die Kreidesandsteine tektonisch an die granitoiden Gesteine des Lausitzer Massives entlang der sogenannten Lausitzer Störung, an der die älteren Granite Der Stollen Johannes des Evangelisten in Jiøetín pod Jedlovou (St. Georgental). über die jüngeren Sandsteine geschoben worden sind. In der Umgebung von Doubice (Daubitz) wurden dabei kleinere Schollen von Jurakalksteinen zur Oberfläche emporgehoben. Im Quartär überwiegte die Erosion, die an den Hängen der vulkanischen Berge oft ausgedehnte Schuttfelder entstehen liess. Bei Jítrava (Pankratz) am Ostende des Gebirges haben sich Schottermassen erhalten können, die aus der Stirnmoräne des vom Norden bis hierher reichenden Festlandgletschers ausgewaschen und abgesetzt worden sind. In früheren Zeiten wurden an manchen Orten in kleinem Ausmasse arme Eisenerze und an einigen Stellen um Jiøetín (St. Georgental) wenig mächtige Gänge von silberhaltigen Kupfer-, Blei- und Zinksulfiden abgebaut.

Berge und Gewässer

Luž (Lausche, 793 m), der höchste Gipfel des Lausitzer Gebirges. Trotzdem das Lausitzer Gebirge nicht besonders hoch ist, bildet es doch eine wichtige klimatische Grenze, die das nördliche Flachland vom Inneren des Böhmischen Gebietes abgrenzt. Der höchste Gipfel ist der Luž-Berg (Lausche) mit 793 m ü.M. direkt an der Staatsgrenze mit Deutschland, weitere bedeutende Gipfel sind z.B. der Jedlová-Berg (Tannenberg, 774 m), der Klíè (Kleiss, 760 m), Hvozd (Hochwald, 750 m) und Studenec (Kaltenberg, 736 m). Wegen der reichlichen Niederschläge ist das Lausitzer Gebirge wasserreich. Es entspringen hier das Flüsschen Kamenice (Kamnitzbach), sein grösster Zufluss, der Bach Chøibská Kamenice (Kreibitzbach) und einige Zuflüsse des Plouènice- (Polzen-)Flusses, wie z.B. der Sporkabach, die Svitavka (Zwitte) und Heømanický potok (Hermsdorfer Bach). Die Nordabhänge werden vom Lužnièka-Bache (Lausur) entwässert. Am Kamm entlang zieht sich die wichtige europäische Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee.

Wälder

Wälder auf den Abhängen des Studenec (Kaltenberg) und der umgebenden Berge. Mehr als die Hälfte der Fläche des Lausitzer Gebirges ist mit Wald bedeckt. Bis zur intensiven Kolonisation im 13. und 14. Jahrhundert bestand im Lausitzer Gebirge ein undurchdringlicher Grenzwald mit überwiegender Buche, die oft von der Tanne begleitet war. Zur Zeit des Aufschwunges der Glashütten sind die ursprünglichen Wälder fast vollständig abgeholzt worden und wurden erst allmählich durch Fichten- oder Kiefer-Monokulturen ersetzt. Die letzten Reste der Buchenwälder haben sich in isolierten Inseln auf abgelegene Stellen und auf den Berggipfeln erhalten. Heute sehen wir hier neben Fichten und Kiefern auch Rotbuchen, Berg-Ahorne und Spitz-Ahorne, Gemeine Eschen, manchmal auch Linden oder Ulmen und an manchen Stellen sogar Trauben-Eichen und Roteichen, an den Bächen auch Erlen.
In den 80er Jahren sind die Wälder, besonders in den Gipfelpartien, durch industrielle Exhalationen grossflächig beschädigt worden. Trotzdem die Luftverunreinigung in den letzten Jahren gesunken ist, sind die Wälder in höheren Lagen immer noch gefährdet und können nur mit Schwierigkeit den Insektenschädlingen und ungünstigen Witterungsverhältnissen Widerstand leisten. Ihr schlechter Zustand ist hauptsächlich auf den Bergen der Umgebung von Jedlová (Tannenberg) deutlich sichtbar.

Pflanzenwelt

Stattliches Knabenkraut unterhalb des Himmertsberges. Im Lausitzer Gebirge wachsen einige sehr typische Pflanzenarten, darunter einige, die zu den bei uns gefährdeten Arten gehören. Für den Botaniker sind vor allem die krautreichen Buchenwälder interessant, in deren Unterwuchs das Christophskraut, die Zwiebel-Zahnwurz und Weisse Zahnwurz, der Waldmeister, das Ausdauernde Bingelkraut, die Türkenbundlilie oder die Mondviole vorkommen. Ziemlich oft kann man auch dem Gemeinen Seidelbast begegnen. Im Frühling sieht man auf manchen Wiesen die Hohe Schlüsselblume, feuchte Wiesen besiedelt die Frühlings-Knotenblume, der Kleine und der Echte Baldrian, der Fieberklee, das Sumpf-Läusekraut, die Flatter-Binse und Blühender Fingerhut. verschiedene Seggenarten. An einigen Stellen haben sich die sogenannten Orchideen-Wiesen mit dem Breitblättrigen und Fuchsschen Knabenkraut, in selteneren Fällen begleitet vom Grossen Zweiblatt, der Weissen Waldhyazinthe, dem Stattlichen Knabenkraut und der Sumpf-Stendelwurz, erhalten. Auf den Waldschneisen kommt häufig der auffällige Rote Fingerhut vor, der sich vom Westen hierher ausbreitet. Interessant ist auch das Vorkommen einiger eiszeitlicher Relikte, der Alpen-Aster und des Rostroten Wimpernfarns; der letztere wurde allerdings in den letzten Jahren nicht mehr bestätigt. Vereinzelt kommt auch der Sumpf-Porst und der Rundblättrige Sonnentau vor.

Tierwelt

In der Tierwelt des Lausitzer Gebirges überwiegen allgemein verbeitete Arten. Es leben hier Rudel von Hirschen und Rehen, oft kommt Schwarzwild und stellenweise auch Muffelwild vor. Eine Besonderheit stellen die Gemsen dar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus den Alpen in der Umgebung von Dittersbach ausgesetzt worden sind. Von hier haben sie das Lausitzer Gebirge besiedelt und haben sich hier gut akklimatisert. Die Gebirgsfauna ist mit Rücksicht auf die relativ geringe Höhenlage der Berge verhältnismässig arm. Zu ihren Vertretern gehören der Kernbeisser, der Sperlingskauz, der Feuersalamander, die Eidechse und die Alpenspitzmaus. In den Bächen leben Forellen, Krebse, Molche und verschiedene Froscharten. Von der Raubvögeln kann man den Mäusebussard oder den Rauhfussbussard erblicken, seltener nistet hier auch der Uhu. In den letzten Jahren haben sich auch Kolkraben und Rallen ausgebreitet, auch der Schwarzstorch wurde festgestellt. Von den selteneren Schmetterlingsarten kann man oft den Schwalbenschwanz, den Grossen Eisvogel oder den Grossen Schillerfalter beobachten. In alten Bergwerken überwintern verschiedene Fledermausarten.

Naturschutz

Blühender Bestand der Mondviole bei Líska (Hasel). Seit 1976 ist das Lausitzer Gebirge ein Landschaftsschutzgebiet und die wertvollsten Plätze werden ausserdem in zwölf kleinflächigen Naturschutzgebieten geschützt. Die natürlichen Waldvergesellschaftungen sind im Schutzgebiet Jezevèí vrch (Limberg), Studený vrch (Kaltenberg) und Klíè (Kleis) geschützt, wertvoll ist auch das Naturschutzgebiet Vápenka (Kalkofen) in den Jurakalken bei Doubice (Daubitz). Die erst vor kurzem ausgerufenen Naturschutzgebiete Marschnerova louka (Marschnerwiese) und Louka u Brodských (Wiese bei Brodských) sind charakteristisch durch das häufige Vorkommen von einigen Orchideenarten, es kommen hier aber auch andere gefährdete Pflanzen vor. Geschützt ist auch das ungewöhnlich ausgedehnte Vorkommen der Mondviole im Unterwuchs des Waldes bei Líska (Hasel) und das reichliche Krokus-Vorkommen in Kytlice (Kittlitz). Interessante Pflanzen kann man auch am Pustý zámek (Wüstes Schloss) oder dem Zlatý vrch (Goldberg), die aber hauptsächlich als schöne Beispiele der Säulenabsonderung von Eruptivgesteinen bekannt sind, Die älteste Eibe in Krompach (Krombach). finden. Geologisch interessant sind auch aus Sandsteinen bestehenden Bílé kameny (Weisse Steine) oder die Ledová jeskynì (Eishöhle) auf dem Suchý vrch (Dürrberg). Dicht ausserhalb des Landschaftsschutzgebietes befinden sich weitere vier Naturschutzgebiete: die Vogelreservate Svìtlík (Lichtenberger Teich) und Velký rybník (Bernsdorfer Teich) bei Rybništì (Teichstatt) und die geologisch interessanten Naturdenkmäler Panská skála (Herrenhausberg) und Dutý kámen (Hohlstein). Auf dem Gebiete des Lausitzer Gebirges sind auch einige denkwürdige Bäume, von denen die Eiben von Krompach (Krombach) die bekanntesten sind. Zur Belehrung dienen einige Naturlehrpfade. Der eine von ihnen führt an der morphologisch ausgeprägten Linie der Lausitzer Störung bei Jítrava (Pankratz), der zweite zeigt die Renaturierung des von Menschen geschädigten Moores bei Brazilka, während der dritte im Milíøka-Tale (Kohlhau) auf die Geschichte des hiesigen Bergbaues ausgerichtet ist. Ein kleiner Schul-Lehrpfad wurde auch unter dem Lemberk (Lämberg) bei Jablonné v Podještìdí (Deutsch-Gabel) eingerichtet.

Sehenswürdigkeiten

Umgebindehaus bei Antonínovo Údolí (Antoniental). Ein charakteristisches Element des Lausitzer Gebirges ist das vielgestaltige volkstümliche Haus. Ursprünglich ist hier das Umgebindehaus mit kleinen geteilten Fenstern und Giebeldach; Fachwerk wird nur im Obergeschoss verwendet. Die Giebel sind meist mit verschiedenfarbigen Schiefern ausgelegt. Im Gebirge haben sich einige Burgruinen erhalten; die bekannteste ist der Tolštejn (Tollenstein). In die Ruine des Kamenický hrad (Kamnitz) wurde ein Aussichtsturm hineingebaut, von den Burgen Milštejn (Mühlstein), Fredewald und Starý Falkenburk (Alt Falkenburg) sind nur armselige Mauerreste übrig geblieben. Interessant sind auch manche Felsbildungen: die Bílé kameny (Elephantensteine), Pustý zámek (Wüstes Schloss), der Zlatý vrch (Goldberg), Dutý kámen (Hohlstein) und der Felsen des Panská skála-Hügels (Herrenhausberg), bekannt unter dem Namen "Varhany" (Steinorgel) oder die Ledová jeskynì (Eishöhle) bei Nadìje (Hoffnung). Von vielen Gipfeln gibt es wunderbare Fernsichten, besonders vom Klíè (Kleis), Luž (Lausche), Hvozd (Hochwald) oder Jedlová (Tannenberg). Interessante Monumente findet man auch in den Städtchen am Fusse des Gebirges, z.B. in Jablonné v Podještìdí (Deutsch-Gabel mit der barocken Kirche des hl. Laurentius und der hl. Zdislava von Lucas Hildebrand), unweit davon das Schloss Lemberk (Lämberg), auch Èeská Kamenice (Böhmisch-Kamnitz). Sehenswert ist auch die Bergstadt Jiøetín pod Jedlovou (St. Georgental) mit dem Køížová hora (Kreuzberg) oder das Städtchen Chøibská (Kreibitz) mit der ältesten noch in Betrieb stehenden Glashütte Europas.

Touristisches

Aussichtsturm mit Gaststätte auf dem Gipfel des Jedlová -Berges (Tannenberg). Um die Zugänglichmachung des Lausitzer Gebirges haben sich schon vor mehr als hundert Jahren die hiesigen Gebirgsvereine verdient gemacht, deren Mitglieder eine grosse Anzahl von Wanderwegen und Aussichtspunkten im Gebirge aufgebaut und hergerichtet haben, aber daneben auch einige Aussichtstürme und Berggaststätten errichtet und betrieben haben. Nach 1945 ist leider der Grossteil dieser Objekte ausgebrannt oder wegen ungenügender Pflege eingestürzt. Erst in den letzten Jahren beginnt sich die Lage zu bessern und dank des wachsenden Interesses der hiesigen Einwohner und Besucher wird aus dem Lausitzer Gebirge wieder eine malerische Landschaft. In den Städtchen und Dörfern am Fusse des Gebirges mehren sich gut hergerichtete Häuschen, an den Wegrändern erscheinen wieder die unlängst zerstörten Kapellen und Kreuze. Im Jahre 1993 wurde der steinerne Aussichtsturm auf dem Jedlová (Tannenberg) wiederhergestellt und eröffnet; zwei Jahre später auch das anliegende Berggasthaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1998 wurde auch der Aussichtsturm in der Ruine des Kamenický hrad (Burg Kamnitz) erneuert. Fast genau fünf Minuten vor zwölf Uhr ist es gelungen, den einzigartigen eisernen Aussichtsturm auf dem Studenec (Kaltenberg) vor dem Abriss zu retten. Trotz alledem blieb das Lausitzer Gebirge bis heute in einem hohen Grade unberührt erhalten und bietet deswegen Wanderern, Touristen und Skisportlern viele Erholungsmöglichkeiten.

 
Kleine Bildergalerie der Sehenswürdigkeiten des Lausitzer Gebirges
Tolštejn
Tolštejn
Tollenstein
Kamenický hrad
Kamenický hrad
Burg Kamnitz
Milštejn
Milštejn
Mühlstein
Bílé kameny
Bílé kameny
Weisse Steine
Pustý zámek
Pustý zámek
Wüstes Schloss
Zlatý vrch
Zlatý vrch
Goldberg
Dutý kámen
Dutý kámen
Hohlstein
Panská skála
Panská skála
Herrenhausfelsen
Ledová jeskynì
Ledová jeskynì
Eishöhle
Jablonné v Podještìdí
Jablonné v Podj.
Deutsch Gabel
Lemberk
Lemberk
Lämberg
Èeská Kamenice
Èeská Kamenice
Böhmisch Kamnitz
Køížová hora
Køížová hora
Kreuzberg
Chøibská
Chøibská
Kreibitz
Studenec
Studenec
Kaltenberg
Nadìje
Nadìje
Hoffnung
Klíè
Klíè
Kleis
Studenec
Studenec
Kaltenberg

Weitere Bilder finde Sie auf der Seite Interessantes oder in der Galerie.

 


Die Seiten über das Lausitzer Gebirge befinden sich auf: http://www.luzicke-hory.cz/lausgeb.html
Copyright (c) Jiøí Kühn, 1997-2017.     Übersetzung: Petr Kühn