Lausitzer Gebirge
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Lemberk
(Lämberg)

Ansicht des Schlosses vom Eingangstor aus gesehen. Das Schloss Lemberk steht auf einem steilen, früher Krutina genannten Felsvorsprung, der aus einer flachen Anhöhe zwischen Lvová (Lämberg) und Markvartice (Markersdorf) etwa 2 km nordöstlich von Jablonné v Podještìdí hinausläuft.

Die Burg Lemberk wurde wahrscheinlich in den 40er Jahren des 13. Jahrhunderts als Grenzschutzburg gegründet, die die wichtige Handelsstrasse aus Böhmen nach Zittau bewachen sollte. Ihr Gründer war Havel (Gallus) aus dem Geschlecht der Markvartici (Markwartinger), der zu den führenden Persönlichkeiten auf dem Königshof Václav I. (Wenzel) und Pøemysl Otokar II. gehörte. Als Besitzer von Lemberg wird er zum ersten Male auf der Urkunde des Königs Václav I. vom Jahre 1241, die aber als Fälschung bezeichnet wird, genannt. sodass erst die Urkunde aus dem Jahre 1249 die glaubwürdige Bestätigung des Bestandes der Burg Lemberg ist. Der ursprüngliche Name der Burg "Löwenberg" ist abgeleitet von der Löwin im alten Familienwappen der Markwartinger.

Auf einem Feldzug des Königs Václav I. nach Mähren lernte Havel seine zukünftige Gemahlin Zdislava kennen, deren Vater der bedeutende mährische Adelige Pøibyslav von Køižanov, Herr auf Burg Veveøí und Brno (Brünn) war. Ihre Mutter, Sibylla, eine der Hofdamen der Königin Kunhuta (Kunigunde), hatte das Kloster in Žïár nad Sázavou gegründet. Nach ihrer Heirat mit Havel übersiedelte Zdislava auf die Burg Lemberk und beteiligte sich mit ihm am Aufbau der Stadt Jablonné (Gabel), an der Gründung der dortigen Kirche und der Dominikanerklöster in Jablonné und Turnov (Turnau). Zdislava äusserte ein für die damalige Zeit ungewöhliches soziales Gefühl und wurde berühmt durch ihre unermüdliche Opferwilligkeit in der Unterstützung Armer und Kranken. Mit Geldmitteln und eigener Arbeit unterstützte sie das Klosterspital und das Armenhaus in Jablonné und machte sich auch verdient durch die Gründung eines Spitals bei der Johanniter-Kommende in Böhmisch Aicha. Zdislava hatte vier Kinder: die Söhne Havel, Jaroslav, Zdislav und die Tochter Margarete. Sie starb im Alter von 30-35 Jahren kurz vor 1252, wahrscheinlich an Tuberkulose. Ihre Gruft befindet sich im Dom des hl. Laurentius und der hl. Zdislava in Jablonné v Podještìdí (Deutsch-Gabel). Ihre Werke der Nächstenliebe und wunderbare Heilungen wurden später zu Legenden und überdauerten im Gedächtnis der Menschen bis in die heutigen Tage. Am 21. Mai 1995 wurde Zdislava vom Papst Johann Paul II. in Olomouc (Olmütz) heilig gesprochen.

Nordteil des Schlosshofes mit dem Eingangstor und dem Turm. Die Markwartinger besassen die Burg bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, als Hašek z Lemberka mit Jan z Vartenberka (Johann von Wartenberg) in Konflikt geriet; Johann belagerte im Jahre 1398 Lemberk und hat sie auch offensichtlich erobert. Nach Haskos Tod kam die Burg in den Besitz der von Vartenberk, wurde aber 1427 von den Hussiten erstürmt und mit deiner hussitischen Besatzung unter Aleš ze Žeberka versehen. Auch nach der Schlacht bei Lipany kam es hier zu keiner Ruhe. Selbst die Wartenberger machten oft Ausfälle in die Lausitz und die Berka von Dubá, denen seit den 30er Jahren Lemberk gehörte, lebten in Fehde mit sächsischen Adeligen. In den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts kaufte Jan von Elsnitz die Burg Lemberk, aber er konnte diese Herrschaft auch nicht lange halten. Nach seinem Tode wechselten die Besitzer oft, da die Herrschaft verwüstet war. Als sie 1518 der Vogt der Oberlausitz Vilém z Ilburku (Wilhelm von Illburg) kaufte, waren von den sechs Dörfern der Herrschaft nur zwei bewohnt. Zu einer Belebung der Wirtschaft kam es erst nach 1550, als Wilhelms unternehmungslustiger Schwiegersohn Heinrich Kurzbach von Trachenberg Lemberk erbte. Dieser besetzte die wüsten Dörfer, belebte die wirtschaftlich die ganze Herrschaft und begann wahrscheinlich die Burg zu einen Adelssitz der Renaissancezeit herzurichten. Vom Jahre 1581 setzte den Umbau Jindøich Berka z Dubé (Heinrich Berka von Duba) fort und nach seinem Tode kaufte 1599 die Herrschaft Vratislav z Donína, dem der nahe Grabštejn (Grafenstein) gehörte. Die von Donín behielten diese Herrschaft bis zum 30jährigen Krieg, dann wurde sie ihnen konfisziert. Im Jahr 1623 kaufte Albrecht von Waldstein die verschuldete Herrschaft und nach seinem gewaltsamen Tode 1634 kam sie an Jan Rudolf Breda. Unter ihm und unter seinem Sohn Christoph wurden nach 1660 nach Plänen des italienischen Architekten Sebregondi weitgehende barocke Veränderungen am Schloss durchgeführt. Die Geldmittel zu diesen kostspieligen Bauten gewannen die Bredas oft durch unbarmherzige Unterdrückung der Untertanen, was in den Jahren 1679 und 1680 zu Bauernaufständen führte. Die Bauern sandten zuerst eine Deputation zu Kaiser Leopold I. und als diese auf Veranlassung des Christoph Breda in Prag festgenommen wurde, verweigerten die Bauern die Robot. Vor dem gegen sie entsandten Militär versteckten sie sich einige Zeit in den Wäldern, kehrten aber endlich auf ihre Wirtschaften zurück. Die Anführer der Revolte wurden eingesperrt, die übrigen mussten der Obrigkeit den Gehorsam schwören. Während der Rebellion starb Christoph Breda und die Herrschaft verwaltete dann seine Gemahlin Benedikta und ihr Sohn Hartwig Nikolaus. Im August 1726 kaufte die lemberger Herrschaft Graf Phillipp Josef Gallas, dem in Nordböhmen schon die Herrschaften Frýdlant (Friedland), Liberec (Reichenberg) und Grabštejn (Grafenstein) gehörten. Lemberg wurde so zu einem Landschloss, auf dem sich die Obrigkeit nur zeitweise aufhielt.
Schlosshof. Nach Philipps Tod im Jahre 1757 erbte das ganze Besitztum sein Neffe Christian Philipp von Clamm, der seinen Namen auf Clamm-Gallas änderte. Während des siebenjährigen Krieges wurde auf dem Schloss ein Lazarett für in der Schlacht bei Hochkirch unweit von Budyšín (Bautzen) am 14. Oktober 1758 verwundeten österreichischen und preussischen Soldaten eingerichtet. Infolge schlechter Versorgung und Mangel an Medikamenten starben hier etwa 1100 Soldaten, die unweit vom Schlosse im Wald an einer mit einem grossen Holzkreuz, dem sog. Totenkreuz bezeichneten Stelle begraben worden sind. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnerte daran auch eine unmittelbar im Schloss angebrachte, 1901 von Eduard Lehmann aus Chøibská (Kreibitz) gewidmete Gedenktafel. Nach dem Ende des Krieges war das Schloss praktisch unbewohnbar und seine Instandsetzung durch die von Clamm-Gallas dauerte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus wurde es 1775 von den aufständischen Bauern, gegen die das Militär einschreiten musste, beschädigt und ausgeplündert. Die von Clamm-Gallas besassen Lemberg bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, wo es an die von Auersberg überging. Die liessen in den Jahren 1904-1910 die Interieure neu herrichten und ihre Ausschmückung durch den Stuckateur Jan Dukát aus Jablonné (Deutsch-Gabel) renovieren. Das Schloss war dann bewohnt bis 1941, als es die. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Lemberg mit dem Grundbesitz konfisziert und ging in den Besitz des Staates über. Im Jahre 1951 richtete das Prager Kunsthistorische Museum im Schlosse eine Ausstellung der Geschichte des Wohnkultur des 15. bis 19. Jahrhunderts ein. Als aber im Jahre 1971 ein Teil des Gesimses am Westflügel des Schlosses abstürzte musste das lange Jahre nicht in Stand gehaltene Schloss geschlossen werden und eine gründliche Rekonstruktion durchmachen. Neu geöffnet wurde es erst im Juli 1992 und im Laufe der folgenden Jahre wurden schrittweise weitere Räumlichkeiten zugänglich gemacht.

Zweites Schlosstor. Brunnen unter dem Schlossturm.

Blick aus dem Schlosshof auf das Eingangstor mit der Schlosskapelle. Die ursprüngliche mittelalterliche Burg aus dem 13. Jahrhundert wurde durch die späteren Umbauten völlig verändert und erhielt ihr heutiges Aussehen in der Mitte des 16. Jahrhunderts, als der Ostflügel des Schlosses erbaut und durch seinen Anschluss an den Westflügel der Block des Schlosses um den Schlosshof geschlossen wurde. Nach dem Antritt der von Breda in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde das Schloss einschliesslich des Inneneinrichtung im Barockstile neu hergerichtet; da später keine grösseren Umbauten stattfanden, hat sich Lemberg seine frühbarocke Gestalt bis in die Gegenwart erhalten.

Auf einem Bergvorsprung, der von drei Seiten durch Steilhänge geschützt ist, steht ein vierflügeliges Gebäude um einen Burghof, das über einen schmalen Felskamm mit drei Burgtoren und ursprünglich zwei Fallbrücken zugänglich ist. Das frühbarocke erste Tor ist in die Umfangsmauer eingebaut, hinter der der Zugangsweg an Torwärterhäuschen aus dem 16. Jahrhundert vorbei zum zweiten, im Renaissancestil erbauten Tor weiterführt. Ihr prismatischer Turm vom Anfang des 17. Jahrhunderts ist mit einer Sgrafitto-Rustik geschmückt, hat über dem Portal eine Nische, in der früher eine Sonnenuhr angebracht war; ihre zwiebelartige Kuppel ist mit Schindeln gedeckt. Hinter dem Tore befand sich ursprünglich eine Fallbrücke, über die man zum dritten Tor kam, das in die südöstliche Ecke des Schlossgebäudes eingebaut ist und unmittelbar in den Burghof mündet. Im Stockwerk über dem Durchgang des dritten Tores befindet sich die Kapelle der Herabsendung des Heiligen Geistes aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts mit reicher Stuckausschmückung und Deckenmalereien der Himmelfahrt Christi und Mariä Himmelfahrt. Auf dem Hauptaltar befindet sich ein Bild der Herabsendung des Heiligen Geistes und an seinen Seiten Statuen der hl. Katharina und der hl. Barbara. Den Nebenaltar schmückt ein Bild des hl. Johann von Nepomuk und über dem Eingange befindet sich eine funktionierende Standorgel aus dem Jahre 1723.

Neben dem Tor steht ein grosser runder Turm, dessen Unterteil mit einem gotischen Fenster offensichtlich den einzigen erhalten gebliebenen Überrest der ursprünglich mittelalterlichen Burg aus dem 13. Jahrhundert darstellt. Der Oberteil mit dem Umgang und dem Zwiebeldach stammt erst aus dem 17. Jahrhundert und auch der Brunnen am Fusse des Turmes ist barock.
Der Renaissance-Palast an der Westseite des Schlosses stammt offensichtlich aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, wurde aber am Anfang des 17. Jahrhunderts um das zweite Stockwerk erhöht und nachträglich wurde an ihn ein kleinerer Turm mit einem Treppenaufgang angebaut. Der interessanteste Raum in diesem Palast ist der sog. Fabelsaal, dessen hölzerne Kassettendecke aus den Jahren um 1610 aus 77 gemalten, von Aesops Fabeln und dem Buche Theatrum mori des niederländischen Graveurs Aegidius Sadeler inspirierten Szenen und moralischen Belehrungen besteht. Im Erdgeschoss ist in einigen Räumen ein Museum der hl Zdislava eingerichtet.

Blick zum Schloss vom ehemaligen Brauereiteich. Im Nordflügel des Schlosses entstand zwischen 1660 und 1680 ein grosser gewölbter Rittersaal mit reicher Stuckausschmückung, Deckenmalereien und Fresken mit Szenen aus dem dreissigjährigen Krieg. Über dem Kamin ist darin das Allianzwappen des Christoph Rudolf Breda und seiner Gemahlin Benedikta von Ahlenfeld abgebildet.
Von den anderen Räumlichkeiten des Schlosses verdient z.B. die herrschaftliche Amtskanzlei aus dem 19. Jahrhundert, die Waffenkammer oder die Liebieg-Zimmer die Aufmerksamkeit der Besucher. Im Erdgeschoss unter dem Turm hat sich bis heute die schwarze Küche mit ihrer aus dem 17. Jahrhundert stammenden Einrichtung erhalten und im Souterrain des Ostflügels ist der Pferdestall, der heute als Ausstellungssaal dient.

Das Schloss befindet sich im Mittelpunkt der Denkmalschutzgebiet Lembersko, die den ehemaligen Schlosspark und die unmittelbare Umgebung in sich einschliesst. Vor dem Schloss stehen einige als Baudenkmäler geschützte Fachwerkhäuser und der Bredovský letohrádek (Breda-Lusthaus) mit Garten, von dem aus eine Lindenallee zu einem kleinen Friedhof mit der Zdislava-Kapelle führt. Am Nordwestfusse des Burgberges befindet sich die Zdislavina studánka (Zdislava-Brunnen) und einige in den Felsen gegrabene Keller und Stollen, auf die sich wahrscheinlich die Sagen über geheime unterirdische Gänge und Verstecke gegründet haben. Unterhalb des Schlosses stand auch ein Meierhof und eine Bierbrauerei mit grossen Kellern, in deren Nähe heute noch zwei Teiche bestehen. Nahe am Schloss steht im Wald das hölzerne sog. Totenkreuz zur Erinnerung an die im Schlosslazarett gestorbenen Krieger von Hochkirch und die nächste Umgebung schmücken frei im Gelände aufgestellte Plastiken moderner Bildhauer aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts.

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