   









|
|
Interessantes
Lausche / Luž
Ein sehr auffälliger Phonolithgipfel (793 m), der etwa 1,5 km nördlich von Horní
Svìtlá (Oberlichtenwalde) liegt. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahre
1538 (unter dem Namen Spitzberg), im Volksmunde der Bewohner des deutschen Gebietes
nördlich vom Berge hiess er auch Mittagsberg, da in Waltersdorf die Sonne zu
Mittag gerade über seinem Gipfel steht. Die deutsche Bezeichung Lausche soll
urkundlich im Jahre 1631 nachgewiesen sein, der tschechische Namen Luž wurde
zum ersten Male in Kafka´s Touristenführer aus dem Jahre 1909 verwendet.
Bereits seit undenkbaren Zeiten verlief die Landesgrenze zwischen Böhmen und
der Lausitz über den Lauschegipfel, was auch durch die Jahreszahlen (z. B. 1521
und 1694) auf den erhaltenen Grenzsteinen in der nächsten Umgebung nachgewiesen
wird. Die heutige Staatsgrenze zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik
führt über die Gipfelplattform, die Bürgern beider Staaten frei zugänglich ist.
Auf deutschem Gebiet befindet sich das unzugängliche Gerüst einer Antennenanlage.
Von der ehemaligen Bergrestauration blieben nur Überreste der Grundmauern und
einige Stufen übrig; auf der tschechischen Seite bilden die Mauern zwei niedrige
Terrassen. Am Westabhange des Berges führt ein schmaler Steg auf einen durch
einen flachen Sattel getrennter Vorgipfel mit einer guten Aussicht nach Westen.
Bereits im Jahre 1823 hat auf dem Lauschegipfel der Waltersdorfer
Bürger Karl Friedrich Matthäus ein anspruchsloses hölzernes Restaurant aufgebaut.
Anfangs waren unter den häufigsten Besuchern neben Touristen auch Wilddiebe
und Pascher, aber seit 1848 diente dieses Restaurant schon überwiegend der sich
ausbreitenden Touristik. Der Inhaber verbesserte das Gebäude fortwährend und
erweiterte es im Jahre 1833 auch durch einen kleinen Aussichtsturm. Der Lohn
war für ihn die stetig steigende Zahl der Besucher, die diesen Gipfel wegen
seiner einzigartigen Rundsicht, die oft mit der Aussicht von der Schneekoppe
verglichen wird, besuchten.
Die hohe Besucherzahl auf dem Gipfel machte bald den Bau einer grösseren Baude
erforderlich, deren Bau 1882 fertig wurde. Um den Bau der neuen "Lausche-Baude"
haben sich die Vereine und Bewohner des benachbarten Sachsens verdient gemacht
und sie selber wurde zu einer weitbekannten Kuriosität. Die stattliche Baude
stand auf dem Gebiete beider Staaten und die Grenzlinie teilte sie in eine deutsche
und österreichische (böhmische) Hälfte. Genau in der Mitte wuchs aus dem Dache
ein 10 m hoher Aussichtsturm. Die Touristen konnten je nach Wunsch ihren Platz
in beiden Hälften der Baude, die mit hölzernen Tischen und Bänken und einem
grossen Kachelofen ausgestattet war, auswählen. Zur Behaglichkeit der Räumlichkeiten
trugen die hölzernen, mit ausgestopften Vögeln gezierten Wände bei. Nach Verabredung
konnten die Besucher im Restaurant und dem Aussichtsturm in beiden Währungen
zahlen, nur wenn sie Postkarten senden wollten, mussten sie Acht geben und den
richtigen Postkasten wählen.
Die Lauschebaude war auch in der Zeit der Ersten Republik (1918-1939) viel besucht.
Der letzte Inhaber stammte aus Varnsdorf und erhielt trotz der bewegten Zeiten
das Restaurant bis Ende des Zweiten Weltkrieges im Betrieb. Danach verschwand
der Touristenverkehr, weil beide Seiten durch Stacheldrahtzäune getrennt wurden
und zu Beginn des Jahres 1946 brannte die Baude bis auf die Grundmauern aus.
Die Umstände des Brandes sind bis heute nicht geklärt. Meistens wird angeführt,
dass die Baude am Neujahrstage ausbrannte, manchmal wird der 8. Januar angegeben.
Deutsche Zeitungen behaupten, dass die Ursache des Brandes bis heute nicht geklärt
ist, im Gegenteil behaupteten ehemalige tschechische Soldaten, dass die Baude
von den Deutschen angezündet wurde, damit sie nicht in tschechische Hände komme,
und dass sie erst am 3. Juli 1946 ausbrannte.
Auf den Lauschegipfel führen zwei Wege. Der ursprüngliche, 1823 von Matthäus
aus Waltersdord gebaute steile Fussweg, der aus dem Sattel über den Ostabhang
direkt auf den Gipfel führte, wurde 1892 durch den auf dem Nordabhange in Serpentinen
hinaufführenden sogenannten Lausitzer Weg (Wendeweg) ersetzt. Der vom Süden
führende sog. Böhmische Weg wurde erst 1851 für den österreichischen Kaiser
Ferdinand den Gütigen gebaut, der während seines Aufenthaltes im Schloss Zákupy
(Reichstadt) Ausflüge in die Umgebung unternahm. Heute führt auf diesem Wege
eine Abzweigung des rot markierten Kammweges hinauf; etwas über der Abzweigung
befindet sich die in Beton gefasste sog. Lausitzer Quelle.
Nach den Gipfelbüchern erreicht die jährliche Besucherzahl etwa 10 Tausend Personen,
zum grössten Teil aus Deutschland. Am 4. 9. 1826 besuchte der achtzehnjährige
J. K. Tyl, der spätere tschechische Dramatiker, den Gipfel. Von anderen bemerkenswerten
Personen sei hier nur der Besuch des sächsischen Königs Friedrich August im
Jahre 1850 erwähnt.
Vom Gipfel der Lausche war immer eine einzigartige Rundsicht
von den Krušné hory (Erzgebirge) und dem Dìèínský Snìžník (Grosser Schneeberg)
über das Èeské støedohoøí (Böhmisches Mittelgebirge), den Vlhoš (Wilhost),
Ralsko (Roll), Bezdìz (Bösig) und Trosky bis zum Ještìd (Jeschken), dem Jizerské
hory (Isergebirge) und die Gipfel des Krkonoše (Riesengebirge); nach Norden
sieht man dann die Berge und Ortschaften des Šluknovský výbìžek (Schluckenauer
Zipfel) und bis in die Oberlausitz in Deutschland. Heute ist allerdings die
Aussicht nach Osten durch hochgewachsene Bäume beeinträchtigt.
Zu Zeiten des beliebten Zahlenlottos war auf dem Luž-Gipfel die Hauptstation
eines optischen Telegraphen, der die gezogenen Zahlen aus Zittau über den Töpfer,
Hvozd (Hochwald), Luž (Lausche), Jezevèí vrch
(Limberg), Ralsko und Bezdìz nach Prag weitergab. Diese unerwünschte Aktivität
musste der Baudeninhaber mit einem Gefängnisaufenthalt büssen.
Über den Sattel östlich des Luž-Gipfels führte im Mittelalter die sog. Plunderstrasse
aus Böhmen nach Bautzen. Die tschechischen Könige, die damals in der Lausitz
regierten, verboten sie den Geschäftsleuten, sodass die Fuhrleute gezwungen
waren, nach Zittau über Oybin zu fahren, aber im September 1600 musste sogar
der Kaiser Matthias II diesen Weg benutzen, um dem von der Pest betroffenen
Zittau auszuweichen.
Am südwestlichen Fusse des Berges befindet sich das Dorf Myslivny
(Jägerdörfel) mit einem Skisportareal. Skiliften, ein Skihang und eine Sprungschanze
befindet sich auch auf den deutschen Seite der Lausche bei Waltersdorf.
Weitere Informationen
|