Lausitzer Gebirge
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Städte und Gemeinden

Krásná Lípa
(Schönlinde)

Der nordwestliche Teil des Marktplatzes mit der Kirche der hl. Maria Magdalena. Krásná Lípa (Schönlinde) ist eine Stadt mit etwa 3500 Einwohnern, die in einem weiten Kessel am Oberlauf der Køinice (Kirnitzsch), etwa 6 km nordwestlich von Rumburk liegt.
Zum ersten Male wird 1361 sie als Pfarrdorf in der Herrschaft Tollenstein nachgewiesen und war wahrscheinlich eine lange Zeit die einzige Siedlung in der weiten Umgebung. Schon lange vorher stand unweit von hier die Burg Krásný Buk (Schönbüchel), die aber 1339 vernichtet wurde und manche ihrer Rechte sind angeblich auf die Besitzer des sog. Alten Gerichtes, das bis 1731 an der Wegkreuzung ungefähr an der Stelle des heutigen Marktplatzes stand, übergetragen worden. Das Nachbardorf Krásný Buk, das erst 1485 erwähnt wird, entstand wahrscheinlich erst nach den Hussitenkriegen.
Noch um die Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte Krásná Lípa zur Herrschaft Tollenstein, aber am 7. März 1573 verkaufte Christof von Schleinitz sie den Brüdern Abraham und Heinrich von Wartenberg, die sie der Herrschaft Kamnitz anschlossen. 1614 kam die Herrschaft Kamnitz an die Familie Kinsky, deren Mitglieder die Entfaltung des Handwerkes förderten. Im Jahre 1654 standen in der Gemeinde neben 36 Bauernwirtschaften bereits 60 Handwerkerhäuser, deren Bewohner sich überwiegend der Leinweberei widmeten. 1731 gelang es Grafen Philip Kinsky, den englischen Textilfachmann John Barnes in seine Dienste zu verpflichten, der hier eine Garnmanufaktur gründete. Im selben Jahre am 3. August bekam Krásná Lípa vom Kaiser Karl VI. das Marktrecht und 1733 wurden dem neuen Städtchen Märkte bewilligt. Bald nach dieser Beförderung wurde inmitten des Städtchens der quadratische Marktplatz ausgemessen, und am Hange über ihm in den Jahren 1754-58 eine neue Kirche gebaut.
1766 wurde in Krásná Lípa die Strumpfwirkerinnung gegründet, später entstanden Bleichen und andere Handwerkswerkstätten, die den Grund zur industriellen Entwicklung des Städtchens legten. Dadurch wurde Krásná Lípa in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Zentrum der Textilindustrie und des Handels; der Aufschwung der Stadt wurde auch durch den Bau der Eisenbahn im Jahre 1869 unterstützt. Ein Jahr später, am 5. Januar 1870, wurde Krásná Lípa zur Stadt erhoben. Ihre höchste Einwohnerzahl 6930 erreichte sie im Jahre 1910, dann fiel die Einwohnerzahl allmählich ab. Zu einem wesentlichen Niedergang kam es nach der Aussiedlung der ursprünglichen deutschen Einwohner in den Jahren 1945-46, infolgedessen sich die Einwohnerzahl auf etwa die Hälfte verringerte und über 300 unbewohnte Häuser abgerissen wurden. Trotzdem dabei das ganze südwestliche Viertel des Marktplatzes vernichtet wurde und auch eine Reihe bemerkenswürdiger Häuser in den anderen Teilen der Stadt verschwand, erhielt sich Krásná Lípa bis heute ihre Bedeutung als Baudenkmal.

Das Neurenaissance-Gebäude der Stadtverwaltung.

Das Innere der Kirche der hl. Maria Magdalena. Oberhalb des Marktplatzes steht die barocke Kirche der hl. Maria Magdalena, erbaut in den Jahren 1754-1758 an der Stelle einer älteren Kirche aus den Jahren 1332 - 1368. Die Pläne entwarf der Architekt Jakob Schwarz, der Bau wurde vom Baumeister P. Hoffmann aus Lipová (Hanspach) geleitet. Im Jahre 1777 wurde der Turm angebaut und 1816-1818 die grosse Freitreppe mit den Statuen vor der Kirche errichtet. Der einschiffige Bau mit Seitenkapellen und einem dreieckig abgeschlossenen Altarraum ist wissentlich nach Norden ausgerichtet, damit seine Vorderfront zum tiefer gelegenen Marktplatz gerichtet ist. Die Inneneinrichtung stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der klassiziste Hochaltar von 1818 enthält ein Altarbild von Dominik Kindermann von 1817, neben ihm stehen Statuen des hl. Petrus und Paulus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. An den Seiten des Schiffes steht ein Altar der Jungfrau Maria vom Jahre 1815 mit einem Bild der Madonna in der Höhle (1856) von J. Führich und der Altar des hl. Josef aus dem Jahre 1821 mit dem Altarbild des hl. Josef mit dem Jesuskind von F. Tkadlík (1823). Die Rokokokanzel stammt aus dem Jahre 1765 und ist reich geschmückt mit Statuen der Kirchenväter und einem Relief des Letzten Abendmahles, das Taufbecken mit einer Statuengruppe der Taufe Christi stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auf den Emporen steht ein Kruzifix von 1733 und zwei Bilder der Jungfrau Maria und eines Erzengels aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die zusammen die Verkündigungs-Szene darstellen. Die Votivstatue eines schlafenden Knaben aus Marmor von Ferdinand Pettrich stammt aus dem Jahre 1822, die farbigen Fenster wurden nach Entwürfen des Malers August Frind gearbeitet.
Neben der Kirche steht die spätbarocke Pfarre mit einem Mansardendach, im Pfarrgarten befindet sich eine in das Jahr 1812 datierte steinerne Statue der hl. Barbara. Nordöstlich von der Kirche wurde von 1857 bis 1859 der Kreuzberg als Wallfahrtsort mit gemalten Kreuzwegstationen und einer Kapelle, in der seit 1894 das Altarbild mit der Grablegung Christi von August Frind seinen Platz hatte, errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aber die Ausstattung dieses Wallfahrtsortes zum grössten Teil vernichtet.

Der frühere Friedhof an der Strasse nach Doubice (Daubitz) ist im Jahre 1882 aufgelassen und nach und nach in einen Park verwandelt worden, in dessen Areal sich eine klassiziste Friedhofskapelle von 1844-46 und zwei reich ausgeschmückte steinerne Rokokograbsteine aus den Jahren 1792 und 1794 befinden. Ausserdem gibt es hier auch noch weitere klassiziste Grabsteine von Ende des 18. und Anfange des 19. Jahrhunderts. Auf dem neuen Friedhof wurde 1888-89 nach den Plänen des Berliner Professors Raschdorf das Renaissance-Mausoleum der Familie Dittrich erbaut, dessen Wände mit Gemälden von August Frind geschmückt sind. Gegenüber dem Friedhofe stand die altkatholische Erlöser-Kirche mit einem Altarbild "Kristus als Lehrer" des gleichen Malers.

Reste des Kreuzweges auf dem Køížový vrch (Kreuzberg). Gruft der Familie Dittrich.

Haus 'Beim Frind' auf der Südseite des Markplatzes. In der Stadt befinden sich viele hölzerne und steinerne barocke und klassiziste Häuser mit reich geschmückten Portalen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und jüngere Renaissance-Stadthäuser aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. An der Südseite des Marktplatzes steht das bemerkenswerte Haus "Beim Frind" mit Umgebinde und Fachwerkobergeschoss, das im Jahre 1729 erbaut wurde. Dieses Haus, benannt nach dem hiesigen Maler August Frind, ist das älteste erhalten gebliebene Haus in Krásná Lípa. Seit 1785 wohnte in ihm die bedeutende Ärztefamilie Zillich. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkam das Haus allmählich, nach 1991 wurde es renoviert und seit 1995 ist in ihm das Regionalmusem der Böhmischen Schweiz und der Umgebung von Krásná Lípa eröffnet worden mit Expositionen zur Geschichte der Turistik und mit zeitgenössischen Fotografien der Stadt und ihrer Umgebung.
Eine zusammenhängende Reihe einstöckiger Häuser, überwiegend mit Umgebinde und Häusern mit Holzverschalung hat sich in der nach Rybništì führenden Strasse erhalten, einzelne ebenerdige und einstöckige Umgebindehäuser stehen auch noch an anderen Stellen. Am nordwestlichen Stadtrande steht das grosse Haus No. 363 mit einer Blockstube und Umgebinde, mit Fachwerkobergeschoss und einem Fachwerkgiebel mit Walmdach. Schön ist auch des einstöckige Haus No. 233 aus dem Jahre 1812 mit Mansardendach, Volutengiebel und einem schmucken Eingangsprotal. Einige der hiesigen Häuser stehen unter Denkmalschutz.

An der Strasse nach Rybništì (Teichstatt) steht das ehemalige Palais der Elisabeth Hielle-Dittrich, erbaut in den Jahren 1885-1887 im Renaissacestil. Das Haus hat eine reiche figurale Ausstattung, die von den Gebrüdern Schwarz aus Spittelgrund nach Modellen des Dresdner Professors Rentsch ausgeführt worden ist. Ein Stückchen weiter steht das ehemalige Erholungsheim, in dem seit dem 1. Januar 2000 die Verwaltung des Nationalparkes Böhmische Schweiz untergebracht ist.

In Krásná Lípa wurde der Maler August Frind, der manchmal als "Brožík des Schluckenauer Landes" bezeichnet wird, und Karl Dittrich (1853-1918), der Chef der Firma Hielle-Dittrich, der sich hervorragend um das Aufblühen der Stadt verdient gemacht hat, geboren.

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