Jelení kameny - Konopáč - Stožec
(Hirschensteine - Hanfkuchen - Schöber)

Als Jelení kameny werden in der Regel zwei markante Basaltfelsen bezeichnet, die sich auf einem etwa 2 km langen Sandsteinrücken zwischen dem Bahnhof Jedlová (Tannenberg) und dem Stožecké-Sattel erheben. Dieser Name wurde manchmal für den gesamten Gebirgskamm verwendet, aber in letzter Zeit wird er häufiger als Stožecký hřbet (Schöber-Kamm) bezeichnet.
Der höchste Gipfel des Bergrückens ist der Konopáč (Hanfkuchen, 676 m) am westlichen Ende mit einem zerklüfteten Gipfelfelsen, auch Jelení skála (Hirschenstein) genannt. Vom Gipfel des Felsens hat man einen schönen Blick auf die umliegenden Berge des Lausitzer Gebirges, von Tolštejn (Tollenstein) und Jedlová (Tannenberg) über Malý Stožec (Kleiner Schöber), Velká Tisová (Großer Eibenberg), Srní hora (Mittelberg), Malý Buk (Kleiner Buchberg) und Klíč (Kleis) bis Velký Buk (Großer Buchberg). Bei klarem Wetter kann man auch Ještěd (Jeschken) auf der anderen Seite sehen.

Der Name Jelení kámen bezog sich früher nur auf den kahlen Felsblock (658 m), auch Hendrychova skála genannt, der in der Mitte des Bergrückens nach Norden aus dem früher namenlosen Hügel (665 m) herausragt. Vom Gipfel des Felsblocks bietet sich ein schöner Blick auf den Míšeňský důl (Meisengrund) und die umliegenden Hügel, unter denen das Tolsteinmassiv und das ausgedehnte Bergmassiv des Pěnkavčí vrch (Finkenkoppe) mit dem Čertova pláň und dem Kozí-Kamm hervorstechen.

Am östlichen Rand des Bergrückens, etwa 1 km nördlich von Nová Huť (Neuhütte), befindet sich der gleichmäßige Basalthügel Stožec (Großer Schöber, 662 m), dessen Gipfel mit einem lichten Buchenwald bedeckt war. Nach dem Sturm vom 24. Mai 2010 blieb nur ein Teil davon übrig und aus der kahlen Stelle wurde später der Aussichtspunkt Sofie mit einer Holzbank. Auf dem Sandsteinplateau nordöstlich des Gipfels wurde 1778 eine österreichische Festung gegen die Preußen errichtet, von der heute jedoch keine Spuren mehr vorhanden sind.

Ein kleiner Hügel namens Stožec mit Resten eines Buchenwaldes, der am 24. Mai 2010 durch einen Sturm beschädigt wurde.
Ein kleiner Hügel namens Stožec mit Resten eines Buchenwaldes, der am 24. Mai 2010 durch einen Sturm beschädigt wurde.
Vom Aussichtspunkt Sofie auf dem Gipfel des Stožec kann man das Kamenice-Tal bis nach Kytlice sehen.
Vom Aussichtspunkt Sofie auf dem Gipfel des Stožec kann man das Kamenice-Tal bis nach Kytlice sehen.

Auf der östlichen Seite des Hügels befindet sich der Stožecké sedlo (605 m), der den Kamm des Jelení kameny vom Massiv des Pěnkavčí vrch trennt. Im Volksmund wird er oft Šébr genannt, nach dem ursprünglichen deutschen Namen Schöber. Die Hauptstraße von Česká Lípa nach Rumburk, die zwischen 1794 und 1797 gebaut wurde, führt über den Sattel. In deren Nähe gibt es eine Quelle. Da die Straße von Lesné aus deutlich ansteigt, wurden hier in den 1920er Jahren Autorennen veranstaltet. In den Jahren 2020-2021 wurde die Hauptstraße mit einem neuen Holzsteg für Fußgänger, Radfahrer und Skifahrer überbrückt.

Der früher dicht bewaldete Rücken der Jelení kameny gehört heute zu den von den Emissionen der Industrie am schwersten betroffenen Gegenden. Entlang des Kamnes verläuft die Europäische Wasserscheide zwischen der Nord- und der Ostsee. An seinem Südabhange stehen einige Betonbunker der tschechoslowakischen Grenzbefestigung aus dem Jahren 1937-1938.

Am Südwestabhange des Rückens entlang führt die alte Prager Strasse, die eine der ältesten Handelsstrassen, die das innere Böhmens mit der Lausitz verbanden. Sie ist bereits in einer Karte aus dem Jahre 1571 eingezeichnet und wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts befahren, ehe sie durch die heutige Strasse übe den Pass Stožecké sedlo ersetzt wurde. Sie führte von Görlitz über Löbau und Rumburg nach Jiřetín (St. Georgental), von wo sie unter den Tolštejn hinaufstieg. Weiter führte sie durch den Wald auf die Wegekreuzung im Abschluss des Míšeňský důl und stieg durch den stellenweise tiefen Hohlweg des Čertův příkop (Teufelgraben) bis zur Wegabzweigung am Südwestabhang des Konopáč, wo sie sich nach Südost drehte und über Nová Huť und den Kobyla-Berg (Hengstberg) zum Milštejn (Mühlstein) weiterzog. Hier verband sie sich mit der Leipaer Strasse, die aus Česká Lípa über Sloup (Bürgstein), Cvikov (Zwickau), Krompach (Krombach) und Oybin nach Zittau führte. Die Reste der Prager Strasse sind bis heute noch in der Umgebung der Konopáč, wo sie durch den heute feuchten Čertův příkop führte, gut sichtbar.
An der Kreuzung am südwestlichen Hang des Konopáč stehen drei interessante Steinsäulen. Genau an der Kreuzung, wo sich die Grenzen der Herrschaften Kamenice (Kamnitz), Tolštejn-Rumburg und Zákupy (Reichstadt) trafen, stand die Třípanský sloup (Dreiherrensäule). Sie ist bereits auf einer Karte von 1745 eingezeichnet und soll am 29. Juli 1705 an der Stelle einer älteren, so genannten Roten Säule errichtet worden sein. Die dreieckige Säule mit abgerundeten Kanten wurde aus dem harten Milštejn-Quarzit gehauen, der seit vielen Jahrhunderten für Mühlsteine verwendet wurde. Auf der Spitze der Säule waren die Wappen der Eigentümer der jeweiligen Ländereien eingemeißelt, aber später wurde das Oberteil beschädigt und von der Säule blieb nur ein Torso übrig, der im Herbst 1999 gestohlen wurde. Lange Zeit gab es nur einen leeren Sockel. Auf diesem ließ der Forstbetrieb im Juli 2016 eine neue Säule errichten, die eine kleinere Kopie des ursprünglichen Wahrzeichens ist. Sie wurde von Jan Pokorný aus Děčín (Tetschen) aus Sandstein gehauen.

Vor dem Ende des 20. Jahrhunderts konnten die Grenzen aller drei Herrschaften anhand von Grenzsteinen zurückverfolgt werden, die mit den Anfangsbuchstaben der Herrschaftsnamen und der Jahreszahl versehen waren. Auf dem Kamm stehen Grenzsteine, die auf die Jahre 1750 und 1765 datiert sind, und in Richtung Hraniční rybník (Waldsteinteich) stehen Grenzsteine aus dem Jahr 1803. Ein Großteil davon wurde jedoch in den letzten Jahren gestohlen.
Dicht neben der Dreiherrensäule steht ein etwa 2 Meter hohes schräges Steingebilde aus dem 19. Jahrhundert, in das die Nummern der Forstbezirke IX und X eingemeißelt sind. Ein weiterer Grenzstein, der die Waldabteilungen VIII und IX abgrenzte, stand etwa 1 km nördlich von hier am Ende des Míšeňský důl (Meisengrundes). Obwohl er 2010 gestohlen wurde, wurde es 5 Jahre später gefunden und am 21. September 2016 fast an denselben Ort zurückgebracht.
Etwa 20 m von der Weggabelung unterhalb der Konopáč steht am Rande des Hohlweges der alten Prager Strasse die St. Jakobussäule, die manchmal auch als Jelení sloup (Hirschensäule) bezeichnet wird. Es ist das eine auf einem vierkantigen Sockel stehende schlanke Sandsteinsäule mit dem Relief eines Hirsches, der sich zu einer männlichen, in ein herabwallendes Gewand gekleideten und mit einem Schwert bewaffneten Figur aufbäumt. Dieses heute bereits stark verwischte Relief stellt wahrscheinlich den Beschützer der Waldeinsamkeit, den hl. Ägidius dar, unter dessen Schutz sich ein von einem Jäger verfolgter Hirsch flüchtet. Auf der Spitze der Säule stand früher wahrscheinlich eine Statue des hl. Jakobs, des Schutzheiligen der Pilger. Diese Säule liess wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein Fuhrmann oder Kaufmann, dem hier ein Überfall oder ein anderes Unglück gedroht hat, aufstellen. Im Jahre 1924 wurde sie renoviert, nach dem Zweiten Weltkriege blieb sie ihrem Schicksal überlassen. Erst 2002 wurde sie neu hergestellt und auf ihrer Spitze wurde ein neues Kopfstück mit dem vom Steinmetzer Jan Pokorný aus Děčín (Tetschen) verfertigten Bilde des Hl. Jakobs angebracht.

Unterhalb des Nordhangs des Kammes der Jeleních kameny befindet sich der Míšeňský důl mit zwei kleinen Wasserfällen, ein weiterer Wasserfall befindet sich auf der Südwestseite des Kammes in den Bukové skály (Buchenfelsen) knapp unterhalb der Bahnlinie nach Česká Lípa.

Weitere Informationen

Text: Jiří Kühn; Übersetzung: Petr Kühn und Björn Ehrlich, März 2022.