Lausitzer Gebirge
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Städte und Gemeinden

Rynoltice
(Ringelshain)

Kirche zur hl. Barbara und die ehemalige Pfarre. Rynoltice (Ringelshain) liegt am Südfusse des Lausitzer Gebirges, etwa 5 km nordöstlich von Jablonné v Podještìdí (Deutsch-Gabel) an der Haupstrasse nach Liberec (Reichenberg). Zur Ortschaft gehören auch die Orte Jítrava (Deutsch Pankratz) und Polesí (Finkendorf). Die erste Erwähnung der Pfarre von Rynoltice stammt von 1369; damals hiess die Gemeinde nach ihrem Gründer Rinoldi villa. In den Husittenkriegen wurde die Gemeinde verwüstet und wird noch im Jahre 1518 als wüst bezeichnet. Erst nach 1550 besiedelte der neue Besitzer der Herrschaft Lemberk (Lämberg) das Dorf wieder, wie es von einer Eintragung im Grundbuch von Rynoltice aus dem Jahre 1563 bestätigt wird. Die Gemeinde wurde auch im Dreissigjährigen Krieg stark verwüstet.
Die Einwohner beschäftgiten sich mit Landwirtschaft oder Fuhrmannsdiensten, um das Jahr 1800 verbreitete sich ausserordentlich das Paschen. Es wurden im Grossen hauptsächlich Tabak, Zigarren, Zucker, Kaffee, Gewürz, Garn, Baumwollgewebe, Seide und sogar Schiesspulver über die Grenze gepascht. Nach der Gründung der Finanzwache im Jahre 1843 orientierten sich die Einwohner auf den Hausierhandel mit Kurzware um, aber noch lange nachher kam es in den Grenzwäldern zu Zusammenstössen mit Paschern.

Im Ortszentrum steht auf einer mässigen Anhöhe die barocke Kirche der hl. Barbara, der in den Jahren 1745-48 durch Umbau der älteren Kapelle von 1669 entstand. Dieser rechteckige, halbkreisförmig abgeschlossene Bau hat an seiner Westseite einen prismatischen Turm, im Innenraum einen dreiarmigen hölzernen Chor und auf der Wölbung des Schiffes eine Wandmalerei der Apotheose der hl. Barbara aus dem 18. Jahrhundert. Die gemalten Kirchenfenster wurden im Jahre 1921 in Hrádek nad Nisou (Grottau) gemacht.
Das einstöckige Blockbau-Haus No. 3 mit der an den Aufenthalt des Generals Laudon erinnernden Gedenktafel. Bemerkenswert war die Ausschmückung des Hochaltares und der Kanzel aus dem Jahre 1746. Das Altarbild der hl. Barbara malte 1829-1834 der Prager Maler Josef Quaisser, der Altar war auch von Statuen der hl. Margaretha, Katharina und der sitzenden Evangelisten geschmückt, die leider vernichtet worden sind. Das gleiche Geschick traf auch das Sandstein-Taufbecken aus dem Jahre 1678. Auf den Nebenaltären der Jungfrau Maria und des hl. Johann von Nepomuk sich Kopien von Bildern des Malers J. J. Heinsch.
Neben der Kirche steht das spätbarocke einstöckige Haus der ehemaligen Pfarre aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert und am Fusse des Hanges steht eine quadratische barocke Kapelle vom Jahre 1732, mit einem Kreuzgewölbe und einem steinernen Portale. An der Strasse nach Janovice (Jonsdorf) befinden sich einige schöne ebenerdige Blockbau-Häuser aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
In dem als Park hergerichteten Dorfplatze steht eine interessante Statue vom Jahre 1735. Die selbe Gestalt stellt auf der einen Seite den hl. Wenzel, auf der anderen den hl. Johann von Nepomuk dar. Auf dem Sockel der Statue sind Reliefe aus dem Leben der beiden Heiligen.
Im Tale westlich der Gemeinde wurde 1879 ein Friedhof gegründet, in dessen hinterem Teile der Sandsteinfelsen mit der gotischen Kapelle der Ehegatten Prokop vom Jahre 1881 steht.

Aus Rynoltice stammt Georg Schicht, der 1848 im Keller seines Hauses Seife und Kerzen herzustellen begann. Im Jahre 1878 übergab er diesen Betrieb seinen Söhnen, von denen Johann der tüchtigste war. Nach der Lehre in Liberec (Reichenberg) und in Wien gründete er 1883 in Ústí nad Labem (Aussig) eine grosse Fabrik zur Seifeherstellung, aus dem später der Betrieb Severoèeské tukové závody entstand.
Im März 1757 verbrachte der bekannte Heerführer Ernst Gideon Laudon (1717-1790), der im Siebenjährigen Kriege den Befehl der österreichischen Armee hatte und oft in Nordböhmen operierte, drei Tage in Rynoltice. An seinen Besuch hier erinnert die Denktafel am denkmalsgeschützten Hause No. 3 an der Südfront des Marktplatzes. Eine Sage behauptet, dass gerade hier das populäre tschechische Lied über General Laudon und seine weisse Mütze entstand.

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