Luftkurort Lückendorf

Ortsmitte mit Alter Schmiede und Dorfkirche.
Foto: Jiří Kühn.
Lückendorf ist ein Ortsteil der Kurortgemeinde Oybin im Landkreis Görlitz und gehört zu den schönsten Bergdörfern des Zittauer Gebirges. Der staatlich anerkannte Luftkurort liegt unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze, etwa 8,5 Kilometer südlich des Zittauer Stadtzentrums und 2 km nördlich von Petrovice. Das lang gestreckte Dorf mit knapp 400 Einwohnern erstreckt sich unterhalb eines Sattels am Südhang des Gebirges entlang der historischen Zittauer Straße, die auf sächsischer Seite Gabler Straße genannt wird und über den Lückendorfer Pass nach Jablonné v Podještědí (Deutsch Gabel) führt.
Diese Straße gehört zu den ältesten mitteleuropäischen Verkehrswegen und bildete bereits im Mittelalter einen Abschnitt der bedeutenden Handelsroute zwischen Ostsee und Mittelmeer. Über Jahrhunderte bestimmten Fuhrleute, Händler und Reisende das Leben des kleinen Bergdorfes, und die gesamte wirtschaftliche Entwicklung Lückendorfs war eng mit der Bedeutung dieser Landstraße verbunden.
Das Dorf liegt in einer von Sandsteinfelsen, Mischwäldern und Bergwiesen geprägten Landschaft. Im Westen steigt das Gelände zum Massiv des Hochwaldes an, während sich im Osten die Kämme des Zittauer Gebirges bis zum Straßberg und zu den markanten Sandsteinformationen im benachbarten Böhmen fortsetzen. Zahlreiche Wanderwege verbinden Lückendorf mit Oybin, Jonsdorf sowie den Naturschönheiten des Lausitzer Gebirges auf tschechischer Seite.
Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt der Ort dem Wandel von einem armen landwirtschaftlich geprägten Bergdorf zu einem beliebten Erholungsort. Historische Umgebindehäuser, ehemalige Bauernhöfe, Pensionen aus der Gründerzeit und großzügige Kuranlagen prägen das Ortsbild bis heute. Trotz zahlreicher Veränderungen blieb der ursprüngliche Charakter eines locker bebauten Waldhufendorfes weitgehend erhalten.
Seit dem 1. März 1994 gehört Lückendorf verwaltungsmäßig zur Kurortgemeinde Oybin. Während hier zu Beginn der 1990er Jahre noch mehr als 600 Einwohner lebten, sank ihre Zahl infolge des demografischen Wandels später, und am 15.5.2022 hatte Lückendorf etwa 365 Einwohner.
Die Nachbarorte Lückendorfs sind Hartau, Eichgraben, Oybin, Petrovice (Petersdorf) und Heřmanice (Hermsdorf).
Geschichte

Evangelische Kirche in der Ortsmitte.
Foto: Björn Ehrlich.
Archäologische Funde belegen, dass die Umgebung Lückendorfs bereits lange vor den ersten schriftlichen Nachrichten besiedelt war. Zu den ältesten Funden auf dem Gemeindegebiet gehört eine Steinaxt mit einer Rille für den Stiel aus der frühen Bronzezeit, die in den Zeitraum zwischen 1700 und 1500 v.Chr. datiert wurde. Aus dem Gebiet des Zigeunerbergs stammt außerdem die Scherbe eines spätslawischen Gefäßes aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Beide Funde deuten darauf hin, dass der hiesige Gebirgspass bereits in der Urgeschichte und im frühen Mittelalter genutzt wurde.
Die eigentliche Gründung des Dorfes erfolgte wahrscheinlich während des hochmittelalterlichen Landesausbaus im 13. Jahrhundert. Zunächst entstand vermutlich eine kleine landwirtschaftliche Siedlung entlang eines Gebirgsbaches. Für ihre Entwicklung war jedoch nicht allein die Landwirtschaft ausschlaggebend. Von Anfang an spielte der Verkehr über den Lückendorfer Pass eine bedeutende Rolle, durch den sich die Einwohner mit Vorspanndiensten für schwer beladene Wagen etwas hinzuverdienen konnten. An den steilen Anstiegen mussten häufig zusätzliche Pferde vorgespannt werden, deren Bereitstellung den Bauern einen willkommenen Nebenverdienst brachte.
Die wechselvolle Geschichte des Ortes beginnt bereits im 14. Jahrhundert. Im Jahr 1369 wurde Lückendorf erstmals als „villa desolata“, also als verlassene Siedlung, erwähnt. Vermutlich war es vorübergehend aufgegeben oder durch kriegerische Ereignisse schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Einige Jahrzehnte später, im Jahr 1391, wird Petir von Luckendorf als Abgabenpflichtiger des St.-Jakobs-Hospitals in Zittau erwähnt.
Die strategische Bedeutung des Passes führte dazu, dass Zittau das Dorf im Jahr 1404 aus dem Besitz der böhmischen Herren von Wartenberg erwarb. Damit sicherte sich die prosperierende Handelsstadt einen wichtigen Abschnitt der südlichen Verkehrsroute nach Böhmen. Für die Dorfbewohner bedeutete dies zwar eine stärkere wirtschaftliche Anbindung an das Zittauer Territorium, zugleich war der Ort aufgrund seiner Grenzlage jedoch den Folgen kriegerischer Konflikte besonders stark ausgesetzt.

Saniertes Fachwerkhaus mit Umgebinde an der Niederaue.
Foto: Björn Ehrlich.
Während der Hussitenkriege wurde Lückendorf im Jahr 1424 erneut zerstört und noch 1509 als „wüstes und menschenleeres Dorf“ bezeichnet. Eine dauerhafte Wiederbesiedlung, bei der sich das Dorf sowohl im Talbereich als auch auf den höher gelegenen Flächen entwickelte, begann erst im Laufe des 16. Jahrhunderts. Im Jahr 1547 wurden in Lückendorf bereits 20 Bauern genannt. Die günstige Lage an der Zittauer Straße (Gabler Straße) trug zum erneuten Aufschwung des Dorfes bei, dessen Einwohner ihren Lebensunterhalt weiterhin durch eine Kombination aus Landwirtschaft, Viehzucht und Dienstleistungen für den Fernhandel bestritten. Die kargen Böden des Zittauer Gebirges brachten jedoch nur geringe Erträge, sodass viele Familien gezwungen waren, weitere Erwerbsquellen zu suchen.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gewann die Leinenweberei zunehmend an Bedeutung. Von Zittau aus verbreitete sich diese Heimarbeit in zahlreichen Bergdörfern und wurde neben der Landwirtschaft zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. In bescheidenen Webstuben entstanden Leinenstoffe, die von Faktoren aufgekauft und auch außerhalb der Region verkauft wurden. Obwohl diese Tätigkeit zu einer gewissen Verbesserung der Lebensbedingungen führte, blieben die Einkünfte der meisten Familien bescheiden. Landwirtschaft, Viehzucht und häusliche Weberei bildeten über Generationen hinweg eine wirtschaftliche Einheit.

Gasthof Alte Schmiede.
Foto: Jiří Kühn.
Einen grundlegenden Wandel brachte erst das 19. Jahrhundert. Mit der Eröffnung der Eisenbahnverbindung zwischen Zittau und Liberec im Jahr 1859 verlagerte sich der Fernverkehr zunehmend auf die Schiene. Die Straße nach Jablonné verlor ihre jahrhundertealte Bedeutung als Handelsroute, wodurch die Einnahmen aus den Vorspanndiensten nahezu vollständig wegfielen. Gleichzeitig geriet auch die häusliche Weberei unter Druck, da die fortschreitende Industrialisierung die handwerkliche Leinenherstellung verdrängte und viele Weber dadurch ihre Lebensgrundlage verloren.
Die wirtschaftlichen Folgen waren beträchtlich. Viele Einwohner verließen das Dorf, um Arbeit in den Zittauer Fabriken oder in den wachsenden Industriezentren Nordböhmens zu suchen. Mehrere Häuser wurden aufgegeben und später abgerissen. Zuvor bewirtschaftete Felder verwilderten und wurden wieder zu Wald. Dadurch veränderten sich sowohl das Landschaftsbild als auch die Sozialstruktur des Ortes. Neben der Weberei wurde das Drechslerhandwerk zu einer wichtigen zusätzlichen Erwerbsquelle. Aus Birken- und Lindenholz wurden auf einfachen Drehbänken Spulen, Spindeln, Pfeifenrohre, Werkzeuggriffe, Kaffeemühlen und zahlreiche Gegenstände des täglichen Bedarfs hergestellt. Händler vertrieben diese Erzeugnisse weit über die Grenzen der Oberlausitz hinaus bis in die Heidegebiete Nordwestsachsens.

Umgebindehaus mit Fachwerkobergeschoss.
Foto: Jiří Kühn.
Eine weitere Einnahmequelle waren die ausgedehnten Wälder. Das Sammeln von Pilzen, Heidelbeeren und Preiselbeeren gehörte über Generationen zum gewöhnlichen Alltag und trug vielerorts erheblich zum Lebensunterhalt bei. Daraus entstand ein im gesamten Zittauer Gebirge bekannter Spruch: „Vom Spillen, von Pilzen und Beeren, da muß sich ganz Lückendorf ernähren.“
Aus den ehemaligen Drechslerwerkstätten entwickelte sich später die „Lückendorfer Holzwerkstätte“, die bis heute die Tradition der Holzverarbeitung fortführt und moderne Möbel sowie kunsthandwerkliche Erzeugnisse herstellt.
Während die traditionellen Wirtschaftszweige an Bedeutung verloren, entdeckten Naturliebhaber und Erholungssuchende gegen Ende des 19. Jahrhunderts die landschaftlichen Vorzüge des Zittauer Gebirges. Lückendorf profitierte dabei von seiner außergewöhnlich reizvollen Lage zwischen ausgedehnten Wäldern, markanten Sandsteinfelsen und aussichtsreichen Gebirgskämmen. Eine wichtige Rolle spielten Dresdner Lehrer, die ab 1893 während der Sommerferien leer stehende Häuser als Sommerwohnungen nutzten. Aus diesen zunächst bescheidenen Sommeraufenthalten entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein neuer Wirtschaftszweig. Bereits 1897 entstand im Ort das erste Kurhaus, das den Beginn des organisierten Fremdenverkehrs markierte.

Altes Kurhaus.
Foto: Jiří Kühn.
Der Heimatforscher und Pfarrer Oskar Sauppe stellte bereits 1904 fest, dass sich Lückendorf als Sommerfrische wachsender Beliebtheit erfreute. Seine Beobachtung bestätigte sich in den folgenden Jahrzehnten in vollem Umfang. Immer mehr Pensionen, Gaststätten und Privathäuser nahmen Erholungsgäste auf. Die Besucher schätzten insbesondere die Nähe zum Hochwald, zum Töpfer, zu Oybin und zu den zahlreichen Aussichtsfelsen auf deutscher wie auf böhmischer Seite. Einen weiteren Impuls für die Entwicklung brachte 1925 die Einrichtung einer regelmäßigen Busverbindung nach Zittau. Das Bergdorf war erstmals auch ohne Pferdewagen oder Eisenbahn bequem erreichbar, wodurch die Zahl der Erholungsgäste stetig zunahm.
Die Anerkennung des Ortes als Luftkurort erfolgte 1934 gleichzeitig mit dem benachbarten Jonsdorf. Ausschlaggebend waren das gesunde Gebirgsklima, die ausgedehnten Wälder und die geringe industrielle Luftverschmutzung. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Lückendorf zu einem der bedeutendsten Erholungsorte des Zittauer Gebirges. Insbesondere zur Zeit der DDR erreichten die Besucherzahlen ihren Höhepunkt. Dank mehrerer Ferienheime, betrieblicher Kinderferienlager und Kureinrichtungen hielten sich während der Sommermonate täglich mehrere Hundert Erholungsgäste im Ort auf.
Mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs veränderte sich auch das Erscheinungsbild des Ortes grundlegend. Neben den historischen Höfen entstanden neue Hotels, Pensionen und Kurhäuser, die vielerorts ältere Wirtschaftsgebäude ergänzten oder ersetzten. Dennoch blieb insbesondere im historischen Ortskern rund um die Kirche ein bemerkenswertes Ensemble aus Umgebindehäusern und traditionellen Bauernhöfen erhalten, das bis heute den unverwechselbaren Charakter Lückendorfs prägt.
Denkmäler und Merkwürdigkeiten

Der ehemalige Eschenhof am südwestlichen Ortsrand.
Foto: Björn Ehrlich.
Der historische Ortskern Lückendorfs erstreckt sich entlang der alten Landstraße im Umfeld der Kirche und des ehemaligen Kretschams. Gerade hier ist der Charakter eines oberlausitzischen Dorfes bis heute am deutlichsten erhalten geblieben. Zwischen neueren Pensionen und Wohnhäusern befinden sich zahlreiche Umgebindehäuser, ehemalige Häusleranwesen und mehrere stattliche Dreiseithöfe, die von der langen landwirtschaftlichen Tradition des Ortes zeugen. Insbesondere auf der Hochfläche sind Teile der ursprünglichen Waldhufenflur erhalten geblieben, deren lang gestreckte Grundstücke bis heute die mittelalterliche Gliederung der Landschaft widerspiegeln.
Zu den ältesten Wirtschaftshöfen gehört der Eschenhof am südwestlichen Ortsrand, dessen Geschichte bis in die Zeit um 1600 zurückreicht. Er gehört zu den wenigen Anwesen, die über mehrere Jahrhunderte nahezu ununterbrochen landwirtschaftlich genutzt wurden. Daneben erinnern zahlreiche ehemalige Weberhäuser an die Zeit, als die Leinenweberei eine wichtige zusätzliche Erwerbsquelle der Einwohner darstellte. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurden viele Fachwerkfassaden mit Holz verkleidet oder verputzt, doch an zahlreichen Häusern sind die für das Gebiet des Zittauer Gebirges typischen Umgebindekonstruktionen noch immer gut zu erkennen.
An den Häusern haben sich zudem mehrere kunstvoll gearbeitete Sandsteintürgewände aus dem 18. Jahrhundert erhalten. Besonders bemerkenswert sind die Portale an der ehemaligen Dorfschmiede und an der alten Mühle in der Gabler Straße Nr.7.

Die Bergkirche Lückendorf.
Foto: Jiří Kühn.
Den architektonischen Mittelpunkt Lückendorfs bildet die kleine evangelische Bergkirche, deren schlichte Gestalt sich harmonisch in den bewaldeten Hang einfügt. Sie entstand in den Jahren 1690 - 1691 und gehört zu den schönsten Dorfkirchen des Zittauer Gebirges. Für ihren Bau wurden teilweise Sandsteinquader aus der verlassenen Burg Karlsfried verwendet, deren Ruinen nur wenige Kilometer entfernt im Wald liegen. Bis zum Bau der Oybiner Kirche im Jahr 1734 diente die Lückendorfer Kirche auch den Einwohnern von Oybin und Hain. Von außen erscheint die Kirche als schlichter Saalbau mit dreiseitigem Chorabschluss und charakteristischem hölzernem Dachreiter. Die schindelgedeckte Haube trägt eine filigrane Laterne und beherbergt sowohl die Glockenstube als auch die Turmuhr.
Der Innenraum überrascht durch seine ungewöhnlich reiche Ausstattung. Zwei umlaufende Emporen verleihen dem vergleichsweise kleinen Kirchenraum einen luftigen und großzügigen Charakter. Auf den Brüstungsfeldern ist ein umfangreicher Passionszyklus dargestellt, den der Zittauer Maler Nikolaus Prescher im Jahr 1703 in Grisailletechnik schuf. Diese Szenen in Grautönen gehören zu den bemerkenswertesten Beispielen protestantischer Kirchenmalerei in der Oberlausitz. Besonders eindrucksvoll ist der barocke Kanzelaltar. Ursprünglich waren Kanzel und Altar eigenständige Ausstattungsstücke aus der Erbauungszeit der Kirche und wurden erst im Jahr 1776 zu einer Einheit verbunden. Der schlichte frühbarocke Taufstein sowie die kostbare Zinntaufschale aus dem Jahr 1691 sind bis heute erhalten und werden weiterhin bei Taufgottesdiensten verwendet. Ergänzt wird die historische Ausstattung durch ein barockes Kruzifix an der Chorwand. Der ursprüngliche leinene Damastbezug des Altars aus dem Jahr 1709 befindet sich heute im Deutschen Damast- und Frottiermuseum in Großschönau und gehört zu den bedeutenden Textilarbeiten der Region.

Innenraum der Lückendorfer Kirche.
Foto: Björn Ehrlich.

Beispiel für Grisaillemalerei an einem Brüstungsfeld der Kirche.
Foto: Björn Ehrlich.
In die Mauer bei der Kirche ist ein Stein mit der Inschrift „CONS: NI: DORS: 1575“ eingelassen, der an den Zittauer Bürgermeister Nikolaus Dornspach (1516-1580) erinnert. Ursprünglich war er Bestandteil einer Steinbrücke an der alten Zittauer Straße (Gabler Straße) und wurde nach deren Abriss in die Friedhofsmauer eingesetzt.
Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zentrum des Dorfes bildete jahrhundertelang der südwestlich der Kirche gelegene Lückendorfer Kretscham. Reisende auf der Zittauer Handelsstraße (Gabler Straße) fanden dort Unterkunft, die Möglichkeit zum Pferdewechsel und Verpflegung, während die Einwohner hier zu Versammlungen, Märkten und Festen zusammenkamen. Als der ältere Gasthof im 19. Jahrhundert den Anforderungen des zunehmenden Verkehrs nicht mehr genügte, wurde an seiner Stelle im Jahr 1850 ein größerer zweigeschossiger Neubau mit Krüppelwalmdach errichtet. Besondere Aufmerksamkeit verdient das reich verzierte barocke Sandsteinportal, das aus dem älteren Kretscham übernommen und in den Neubau eingesetzt wurde. Bis heute zählt es zu den schönsten steinernen Architekturdetails des Dorfes.
Noch in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war der Kretscham ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Erholungsgäste. Nach den politischen Veränderungen wandelten sich jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend, und der Restaurantbetrieb wurde schließlich eingestellt. Seitdem steht das Gebäude leer und verfällt zunehmend. Trotz seiner außergewöhnlichen historischen Bedeutung ist es bislang nicht gelungen, eine neue dauerhafte Nutzung dafür zu finden. Die weithin sichtbare Bauruine bildet heute einen schmerzlichen Kontrast zu den sorgfältig restaurierten Wohnhäusern in der unmittelbaren Umgebung, und ihr Zustand gehört zu den größten Herausforderungen der Denkmalpflege in Lückendorf.

Gasthof Alte Schmiede.
Foto: Björn Ehrlich.

Altes Zollhaus an der Straße nach Petrovice (Petersdorf).
Foto: Jiří Kühn.
Zwischen dem Kretscham und der Kirche steht die Alte Schmiede aus dem 18. Jahrhundert, die bis 1954 ihrem ursprünglichen Zweck diente. In den 1990er-Jahren wurde sie restauriert und in ein stilvolles Restaurant umgewandelt, das heute zu den beliebtesten Ausflugsgaststätten im Zittauer Gebirge zählt.
An der Straße zur Grenze steht auch das Alte Zollhaus Nr. 10, dessen älteste Teile aus dem Jahr 1690 stammen. Um 1810 wohnte darin der Zolleinnehmer Feurich, der zur Vereinfachung der Erhebung von Zollgebühren und Geldstrafen sämtliche Vorschriften und Gebühren auf die hölzernen Tore seiner Scheune schrieb. Auf Initiative des Vereins der Lückendorfer Patrioten wurden die Tore 2003 restauriert und in einem Glasschaukasten an der Straße aufgestellt.

Historische Tariftafel beim Alten Zollhaus.
Foto: Jiří Kühn.

Historische Tariftafel beim Alten Zollhaus.
Foto: Jiří Kühn.
Beim Haus Nr. 9, etwa 100 m östlich der Kirche, wächst eine mächtige Eibe, die bereits seit vielen Jahrzehnten als Naturdenkmal geschützt ist und zu den markantesten Solitärbäumen des Dorfes gehört. Ihr Alter wird auf 300-350 Jahre geschätzt. Ein weiterer geschützter Baum ist eine etwa 150 Jahre alte Winterlinde, die gegenüber dem Alten Zollhaus wächst.
Mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs entstand 1897 im oberen Teil des Ortes das erste Kurhaus, das den Beginn eines organisierten Kurbetriebs markierte und sich rasch zum gesellschaftlichen Zentrum des aufblühenden Erholungsortes entwickelte. Errichtet wurde es vom Zittauer Baumeister Fritsche und feierlich im Jahr 1898 eröffnet. Ab 1946 diente das Gebäude als Predigerseminar der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, in dem angehende Geistliche ihre praktische Ausbildung erhielten. Diese Nutzung prägte über viele Jahrzehnte das kulturelle Leben Lückendorfs. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten erstrahlt das historische Gebäude heute wieder in neuem Glanz. Das ehemalige Predigerseminar dient nun als privates Wellness- und Veranstaltungszentrum. Dadurch ist es gelungen, eines der bedeutendsten Bauwerke des Ortes zu erhalten und einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen. Die behutsame Sanierung gilt als gelungenes Beispiel dafür, wie historische Bausubstanz mit modernen Anforderungen in Einklang gebracht werden kann.

Das Alte Kurhaus im modernen Gewand.
Foto: Björn Ehrlich.
Mit dem stetig wachsenden Fremdenverkehr zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte das erste Kurhaus seine Kapazitätsgrenze, und die zunehmende Zahl der Sommergäste machte die Errichtung einer weiteren Beherbergungseinrichtung erforderlich. Ein markantes Zeugnis dieser Entwicklung ist das heutige Neue Kurhaus, das zu den architektonisch auffälligsten Gebäuden Lückendorfs gehört. Es wurde 1909 von der Leipziger Beleuchtungs- und Elektrotechnikfirma „Körting & Mathiesen AG“ erbaut, die damals zu den bedeutendsten Herstellern elektrischer Beleuchtung in Deutschland zählte und für ihre Zeit ein außergewöhnlich modernes System betrieblicher Sozialfürsorge unterhielt. Im Rahmen dieser Unternehmenskultur entstand in Lückendorf ein exklusives Erholungsheim für Beschäftigte und ihre Familien. Die Wahl des Standorts war kein Zufall, denn das gesunde Gebirgsklima, die ausgedehnten Wälder und die reizvolle Berglandschaft galten schon damals als ideale Voraussetzungen für Erholung und Regeneration.
Architektonisch unterschied sich das Gebäude deutlich von den älteren Pensionen des Ortes. Seine großzügigen Fassaden mit charakteristischen Rundbogenfenstern, weit auskragenden Dächern und repräsentativen Gesellschaftsräumen spiegelten die hohen Ansprüche wider, die das Unternehmen an seine Sozialeinrichtungen stellte.
Im Jahr 1928 kaufte die Gemeinde das Gebäude von der Firma Körting & Mathiesen und eröffnete es nach einem Umbau als „Zweites Kurhaus“, womit sie das bereits bestehende erste Haus ergänzte. Damit verfügte die Gemeinde über zwei größere Beherbergungseinrichtungen, die in der Lage waren, die stetig wachsende Zahl der Besucher aufzunehmen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs änderten sich die Eigentumsverhältnisse grundlegend. Im Zuge der Verstaatlichung ging das Kurhaus in Volkseigentum über und wurde Bestandteil des staatlich organisierten Fremdenverkehrs der DDR. Gemeinsam mit dem Gasthof „Kretscham“ wurde es vom Feriendienst des FDGB und vom Reisebüro der DDR genutzt. Während der touristischen Hauptsaison herrschte hier reger Betrieb, und in den besucherstärksten Zeiten wurden täglich bis zu 300 Erholungsgäste versorgt.
In den 1970er-Jahren wurde unmittelbar neben dem Kurhaus ein Park angelegt, der bis heute erhalten ist. Wege, Bänke und gärtnerisch gestaltete Grünflächen verliehen dem Ortszentrum einen parkartigen Charakter und schufen zusätzliche Erholungsmöglichkeiten für Kurgäste und Touristen. Der Kurpark ist bis heute eine der wenigen bewusst gestalteten Grünanlagen im Zittauer Gebirge.
Mit dem Ende der DDR und der Auflösung des FDGB-Systems verlor das Objekt seine Funktion. Es folgte ein Jahrzehnt des Leerstands, in dem dieses historische Kleinod stark verfiel und zu einem der bekanntesten „verlorenen Orte“ der Region wurde. Die Sanierungspläne zweier Investoren gerieten in den vergangenen Jahren ins Stocken. Da auf der Baustelle über lange Zeit nahezu keine Fortschritte erzielt wurden und das Gebäude weiter verfiel, entschloss sich die Gemeinde Oybin, Bemühungen um einen Rückkauf des Kurhauses einzuleiten, um wieder Kontrolle über das historische Ortsbild zu erlangen.
Ein weiteres wichtiges Element der touristischen Entwicklung ist das ehemalige „Haus Burmester“. An einem besonders malerischen Aussichtspunkt entstand Ende des 19. Jahrhunderts eine geräumige Pension, die sich an wohlhabende Sommergäste richtete. Von ihren Terrassen bot sich ein weiter Blick über das Zittauer Gebirge bis in das Böhmische Becken. Die ruhige Lage abseits der Straße entsprach den Ansprüchen der damaligen Kurgäste, die fern der Großstädte Erholung suchten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch dieses Gebäude verstaatlicht und der Verwaltung des Feriendienstes des FDGB unterstellt. Unter dem Namen „Ferienheim Karl Lukas“ wurde die ehemalige Pension zu einer bedeutenden Erholungseinrichtung des staatlichen Fremdenverkehrs. Wie viele andere Erholungsstätten im Zittauer Gebirge diente sie vor allem der Erholung von Werktätigen aus großen Industriebetrieben der DDR. Aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage nach Ferienplätzen wurde das Gelände Ende der 1980er-Jahre erheblich erweitert. Hinter dem historischen Hauptgebäude entstand schrittweise ein mehrgeschossiges Beherbergungsgebäude, das die Kapazität deutlich erhöhte. Dadurch wurde der Komplex zum flächenmäßig größten Hotelkomplex Lückendorfs. Zugleich war er mit einer Höhenlage von rund 515 Metern das höchstgelegene Hotel des Ortes.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der gesamte Komplex privatisiert. In den folgenden Jahren etablierte sich das Haus als Drei-Sterne-Hotel mit Restaurant und wurde zu einem festen Bestandteil des Fremdenverkehrs im Zittauer Gebirge. Zahlreiche Wanderer, Radfahrer und Erholungsgäste nutzten seine günstige Lage als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Oberlausitz und in das benachbarte Böhmen. Wie viele Beherbergungsbetriebe in ländlichen Gebirgsregionen geriet jedoch auch dieses Hotel im Laufe der Zeit unter immer stärkeren wirtschaftlichen Druck. Veränderungen im Reiseverhalten, steigende Betriebskosten und ein wachsender Investitionsbedarf erschwerten einen rentablen Betrieb. Im Herbst 2020 wurde das Hotel „Hochwaldblick“ schließlich geschlossen, und seitdem steht der weitläufige Gebäudekomplex leer.
Seine Zukunft ist bislang unklar. Aufgrund seiner Größe und markanten Lage gehört das ehemalige Haus Burmester zu den auffälligsten, zugleich aber auch anspruchsvollsten Revitalisierungsprojekten im Zittauer Gebirge. Gemeinsam mit dem leer stehenden Gasthof Kretscham veranschaulicht es eindrücklich die Herausforderungen, vor denen viele traditionsreiche Fremdenverkehrsorte nach den tiefgreifenden strukturellen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte stehen.

Ehemalige Villa Lubisch.
Foto: Jiří Kühn.
Am Fuß des Hanges unterhalb des Kamms der Brandhöhe steht die repräsentative Lubisch-Villa mit Garten, in dessen nordöstlicher Ecke sich die Familiengruft befindet. Als sommerlichen Familiensitz ließ sie 1901 der Dresdner Unternehmer Hugo Lubisch (1845-1904) errichten, der sich auf Bohrtechnik spezialisiert hatte. Die Villa wurde mit zahlreichen Buntglasfenstern und Holzschnitzereien mit Motiven von Blumen, Vögeln und anderen Tieren ausgeschmückt. Im Jahr 1910 ließ Hugo Lubisch hoch über der Villa auf dem Kamm der Brandhöhe den Aussichtspunkt Lubisch-Höhe anlegen; aus seinen Mitteln wurde auch die Erschließung des Popova skála (Pfaffenstein) finanziert. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte die Familie jedoch nur noch mühsam ihren Lebensunterhalt bestreiten und musste die Villa schließlich verkaufen.
Westlich des Dorfes erreicht die historische Gabler Straße den Lückendorfer Pass, der bereits seit Jahrhunderten den wichtigsten Übergang zwischen der Oberlausitz und Nordböhmen bildete. Dort befindet sich das ehemalige Forsthaus, dessen Lage schon in früheren Jahrhunderten von besonderer Bedeutung war. Der Platz vor dem Gebäude wurde einst „Ausspanne“ genannt, und Fuhrleute konnten hier die Pferde wechseln oder zusätzliche Zugtiere vorspannen, bevor sie ihre weitere Fahrt über den Gebirgskamm antraten. Für viele Einwohner Lückendorfs stellten diese Vorspanndienste über Jahrhunderte eine wichtige Einnahmequelle dar.

Lückendorfer Forsthaus.
Foto: Jiří Kühn.
Unmittelbar neben dem Forsthaus sind bis heute lang gestreckte Erdwälle erhalten, die im Volksmund „Napoleonswälle“ genannt werden. Tatsächlich entstanden diese etwa 150 Meter langen Schanzen bereits während der Koalitionskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie dienten der militärischen Sicherung des strategisch wichtigen Passes und belegen die große militärische Bedeutung dieser Verbindung zwischen Sachsen und Böhmen.
Während des Herbstfeldzugs von 1813 zogen innerhalb weniger Tage Zehntausende Soldaten über den Pass. Allein im August jenes Jahres sollen rund 18 000 französische und polnische Soldaten die Zittauer Straße (Gabler Straße) passiert haben. Der ununterbrochene Durchzug der Truppen belastete die Einwohner erheblich und führte zur Einquartierung von Soldaten in den Häusern, zu Beschlagnahmungen und zu Versorgungsengpässen.
Auch während des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866 blieb der Pass von militärischen Ereignissen nicht verschont. Beim Durchzug preußischer Truppen wurde das damalige Gebäude auf der Passhöhe zerstört und brannte vollständig nieder. Das heutige Forsthaus entstand später als Ersatzbau und dient bis heute als markanter Orientierungspunkt am Übergang zwischen Sachsen und Böhmen. Von dort führen zahlreiche Wanderwege in die umliegenden Wälder des Zittauer Gebirges. Besonders beliebt sind Ausflüge in das Tal des Weißbachs, auf den Hochwald und auf die böhmische Seite des Lausitzer Gebirges.
Lückendorf gehört nicht nur landschaftlich, sondern auch geologisch zu den interessantesten Gebieten des Zittauer Gebirges. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurden im oberen Teil des Dorfes (Oberdorf) Kalksteinlinsen in den Sandsteinablagerungen entdeckt. Ihr Kalziumgehalt weckte Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Nutzung, und mehrfach wurde versucht, diese Vorkommen abzubauen und technisch zu verwerten. Wegen ihres geringen Umfangs erwiesen sich diese Bemühungen jedoch als unwirtschaftlich.
Eine wesentlich größere wissenschaftliche Bedeutung hatten die geologischen Untersuchungen im 20. Jahrhundert. Im Jahr 1959 wurde in der Nähe des Forsthauses eine Tiefbohrung durchgeführt, deren Ergebnisse grundlegende Erkenntnisse über den geologischen Aufbau des östlichen Teils des Zittauer Gebirges lieferten. Gemeinsam mit weiteren Bohrungen ermöglichten sie eine deutlich genauere Gliederung der oberkreidezeitlichen Sandsteinablagerungen und verbesserten das Verständnis der Entstehungsgeschichte des gesamten Gebirges. Für die Umgebung Lückendorfs sind mächtige Sandsteinformationen der Oberkreide charakteristisch, deren Mächtigkeit westlich des Ortes bis zu 30 Meter erreicht. Verwitterung und Erosion formten daraus markante Felsgebilde, die heute den Landschaftscharakter des Zittauer und des Lausitzer Gebirges prägen. Viele der bekannten Aussichtsfelsen, Schluchten und Felsengassen verdanken ihre Entstehung genau diesen geologischen Prozessen.

Szene vom Lückendorfer Bergrennen.
Foto: Björn Ehrlich.

Szene vom Lückendorfer Bergrennen.
Foto: Björn Ehrlich.
Lückendorf wurde weit über die Grenzen der Oberlausitz hinaus durch seine traditionellen Motorrad-Bergrennen (Lückendorfer Bergrennen) bekannt, die zu den ältesten Motorsportveranstaltungen Deutschlands gehören. Die Rennstrecke verläuft über die historische Gebirgsstraße zwischen Eichgraben und Lückendorf und zählt zu den klassischen Naturrennstrecken des deutschen Motorsports.
Das erste offizielle Rennen fand am 3. Juni 1923 im Rahmen der ADAC-Sachsenfahrt statt, und bereits in den ersten Jahren entwickelte sich die Veranstaltung zu einem sportlichen Höhepunkt. Zahlreiche bekannte Rennfahrer der Vorkriegszeit gingen hier an den Start, darunter Rudolf Caracciola, Hans von Stuck und weitere Größen des deutschen Motorsports. Die Strecke stellt auch heute noch hohe Anforderungen an das fahrerische Können. Auf einer vergleichsweise kurzen Distanz wechseln sich scharfe Kurven, steile Anstiege und unterschiedlichste Lichtverhältnisse im dichten Wald ab. Gerade diese Kombination aus anspruchsvoller Linienwahl und ständig wechselnden Fahrbahnbedingungen macht den besonderen Reiz der Lückendorfer Bergrennen aus.
Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung und einer längeren Pause in der Nachkriegszeit wurde die Veranstaltung in veränderter Form wieder aufgenommen. Heute zählt das Bergrennen erneut zu den bedeutendsten Motorsportveranstaltungen der Region. Es verfügt über eine offizielle Lizenz für Rennen im Rahmen des Internationalen Deutschen Bergpreises und lockt jedes Jahr zahlreiche Fahrer sowie mehrere Tausend Zuschauer ins Zittauer Gebirge. Für Lückendorf besitzt die Veranstaltung eine weit über den Sport hinausgehende Bedeutung. Sie zählt zu den wichtigsten touristischen Ereignissen des Jahres und trägt erheblich zur Bekanntheit des Ortes bei.
Bedeutende Landsleute und Persönlichkeiten
Obwohl Lückendorf stets nur ein kleines Bergdorf war, wurde das kulturelle und geistige Leben des Ortes dauerhaft von mehreren bedeutenden Persönlichkeiten geprägt. Zu den ältesten bekannten Persönlichkeiten gehört der lutherische Geistliche, Theologe, Lehrer und Kirchenlieddichter Martin Grünwald (1664–1716). Im Jahr 1699 übernahm er das Amt des Katecheten in Zittau, das zugleich mit dem Pfarramt in Lückendorf verbunden war. Hier wirkte er als Geistlicher und Pädagoge und wurde darüber hinaus als Verfasser geistlicher Lieder bekannt, die auch über die Grenzen der Oberlausitz hinaus Verbreitung fanden.
Zu den bekanntesten Künstlern, die mit dem Ort verbunden sind, gehört der Landschaftsmaler Willy Müller-Lückendorf (1905–1969), der bereits als Kind hierherkam und den größten Teil seines Lebens hier verbrachte. Seine Gemälde und Pastelle zeigen vor allem die charakteristischen Landschaften des Zittauer Gebirges und des Lausitzer Gebirges. Stilistisch orientierte er sich an der deutschen Romantik, insbesondere an Caspar David Friedrich, ohne dessen Bildsprache jedoch lediglich zu kopieren. Um sich von anderen Künstlern gleichen Namens zu unterscheiden, fügte er seinem Nachnamen den Ortsnamen „Lückendorf“ hinzu. Seine Werke prägen bis heute das Bild der sächsisch-böhmischen Gebirgslandschaft in der regionalen Kunstgeschichte.
Von außerordentlicher Bedeutung für die Bewahrung der Ortsgeschichte ist der Heimatforscher und Chronist Christian Rudolf. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs dokumentierte er über Jahrzehnte hinweg das Leben im Ort, sammelte historische Dokumente, Fotografien und Zeitzeugenberichte und bewahrte so einen bedeutenden Teil des lokalen kulturellen Gedächtnisses. Dank seines umfangreichen Wirkens wurde er zum „Gedächtnis Lückendorfs“ und für seine Verdienste um die Ortsgeschichte mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bürgerpreis.
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Lückendorf gehört zu den am besten geeigneten Ausgangspunkten für Wanderungen im Zittauer Gebirge und im unmittelbar angrenzenden Lausitzer Gebirge auf tschechischer Seite. In kurzer Entfernung sind zahlreiche markante Aussichtspunkte, Felsformationen und kulturhistorische Ziele erreichbar.
Zu den beliebtesten Ausflugszielen gehört der Hochwald, dessen Aussichtsturm einen weiten Rundblick über die Oberlausitz, das Isergebirge, das Riesengebirge und das Böhmische Mittelgebirge ermöglicht. Ebenfalls leicht erreichbar sind die Gipfel Töpfer, Brandhöhe, Straßberg und Scharfenstein sowie die eindrucksvolle Große Felsengasse, deren enge Sandsteinschlucht zu den markantesten Naturerscheinungen des Zittauer Gebirges zählt. Unmittelbar hinter der Staatsgrenze schließt sich die Landschaft des Lausitzer Gebirges an. Besonders beliebt sind Wanderungen auf den Sokol (Falkenberg), zum markanten Sandsteingipfel der Popova skála (Pfaffenstein), zu den Vraní skály (Rabensteine) und zu den weithin bekannten Bílé kameny (Elefantensteine) bei Jítrava (Deutsch Pankraz). Diese bizarren hellen Sandsteinformationen zählen zu den eindrucksvollsten Naturdenkmälern Nordböhmens.
Auch aus kulturhistorischer Sicht bietet die Umgebung zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören die Burgruine Oybin mit ihrer Klosteranlage, die Ruine Karlsfried, die Schlösser Lemberk (Lämberg) und Grabštejn (Grafenstein), die Basilika in Jablonné v Podještědí (Deutsch Gabel), der ukrainische Friedhof in Lada (Laaden) sowie die historische Altstadt von Zittau. Nur wenige Kilometer entfernt liegen zudem die beliebten Erholungsgebiete Olbersdorfer See und Kristýna bei Hrádek nad Nisou (Grottau), die besonders in den Sommermonaten zahlreiche Besucher anziehen.