Kurort Jonsdorf

Der Kurort Jonsdorf liegt etwa 8,5 km südwestlich des Zentrums von Zittau in einem Tal zwischen den Bergen Jonsberg und Buchberg sowie den Sandsteinformationen der Jonsdorfer Felsenstadt. Im Westen und Süden reicht das Gemeindegebiet fast bis an die deutsch-tschechische Grenze. Nachbargemeinden sind Oybin, Bertsdorf-Hörnitz, Großschönau mit Waltersdorf und Olbersdorf, auf tschechischer Seite Krompach (Krombach), Valy (Schanzendorf) sowie Horní und Dolní Světlá (Ober- und Niederlichtenwalde). Die enge räumliche Verflechtung mit Böhmen gehört bereits seit Jahrhunderten zu den charakteristischen Merkmalen der hiesigen Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung.

Jonsdorf gehört neben Oybin zu den traditionsreichen Erholungsorten des Zittauer Gebirges. Die touristische Entwicklung begann hier im 19. Jahrhundert und wurde durch die Einrichtung einer Kaltwasserheilanstalt sowie später durch den Anschluss an die Eisenbahn erheblich gefördert. 1934 erhielt Jonsdorf offiziell die Bezeichnung „Kurort“, und seit 2001 ist es ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Die Einwohnerzahl entwickelte sich im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts relativ stabil. Bei der ersten amtlichen sächsischen Volkszählung im Jahr 1834 wurden in Jonsdorf bereits etwa 1.000 bis 1.100 Einwohner erfasst, und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lag ihre Zahl bei rund 1.300 Personen. Der Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg führte 1945/46 vorübergehend zu einem Anstieg auf etwa 2.000 Einwohner, doch in den folgenden Jahrzehnten stabilisierte sich die Einwohnerzahl wieder auf einem niedrigeren Niveau. Nach 1990 kam es wie in vielen anderen Dörfern der Oberlausitz zu einem demografischen Rückgang, und zum 31.12.2025 hatte Jonsdorf insgesamt 1408 Einwohner.

Das Erscheinungsbild des Ortes dokumentiert mehrere Phasen der wirtschaftlichen, siedlungs- und ortsgeschichtlichen Entwicklung. Neben Überresten der frühneuzeitlichen landwirtschaftlich-handwerklichen Siedlungsstruktur mit Umgebindehäusern stehen hier Gebäude, die mit der Hausweberei, der Textilindustrie, dem Kurwesen und dem Tourismus verbunden sind. Eine besondere Stellung nimmt die historische Mühlsteinherstellung ein. Die südlich des Ortes gelegenen Steinbrüche sind zugleich ein Denkmal der Bergbaugeschichte und ein geologisch bemerkenswertes Gebiet. Das heutige Bild Jonsdorfs wird daher sowohl von der Kulturlandschaft und der Baugeschichte als auch von den Sandsteinformationen des Zittauer Gebirges geprägt.

Geschichte

Blick von den Nonnenfelsen über die Ortslage von Jonsdorf.
Blick von den Nonnenfelsen über die Ortslage von Jonsdorf.

Die Entstehung Jonsdorfs ist mit dem Cölestinerkloster auf dem Berg Oybin verbunden. Einer örtlichen Sage zufolge soll sich an der Stelle des späteren Ortes um das Jahr 1500 ein Hirte, Gutsverwalter oder Mönch namens Jonas niedergelassen haben, der hier Schafe hielt. Nach ihm sollen die Menschen den neu gegründeten Ort Jonasdorf und später Jonsdorf genannt haben. Historisch ist dies jedoch nicht belegt. Am Westhang des Jonsbergs befand sich allerdings ein Klostergut, das in der überlieferten Form als „claine forwerg oder Mairhoff zw Yansdorff“ bezeichnet und von Oybin aus verwaltet wurde. Die erste schriftliche Erwähnung Jonsdorfs stammt aus dem Jahr 1539, als aus den Flächen des Klosterguts Parzellen an die ersten zehn Gärtner verkauft wurden. Dieser ältere Teil der Siedlung wurde später als Alt-Jonsdorf beziehungsweise Alt-Johnsdorf bezeichnet.

1548 wurden weiteren Siedlern Gärtnerparzellen aus dem Klosterbesitz zugeteilt, wodurch sich die Bebauung im Tal des Grundbachs verdichtete. Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Kloster auf dem Oybin jedoch aufgehoben, und 1574 kaufte die Stadt Zittau dessen Besitz. Jonsdorf ging damit in das Eigentum der Stadt über und gehörte fortan zu den Zittauer Ratsdörfern. Diese Rechts- und Eigentumsverhältnisse beeinflussten die weitere Entwicklung des Ortes. Ab 1667 entstand im Gebiet unterhalb des Buchbergs und im Tal des Pochebachs ein zweites Siedlungszentrum, in dem sich aus den zugeteilten Gärtner- und Häuslerparzellen Neu-Jonsdorf entwickelte.

Beide Siedlungen waren zunächst voneinander getrennt und wurden erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts miteinander verbunden, als auf der Heide zwischen den beiden Ortsteilen weitere Bauparzellen vermessen wurden. Die örtliche Überlieferung bringt diese Vermessung mit dem sächsischen Landvermesser Adam Friedrich Zürner in Verbindung, und die Ortsgeschichte datiert sie auf das Jahr 1732, während in einer älteren Handschrift das Jahr 1731 angegeben wird. Da mit dem Bau der Kirche 1730 begonnen und sie 1731 geweiht wurde, fällt die bauliche Vereinigung beider Ortsteile in eine Zeit deutlicher Siedlungsverdichtung. Aus den zuvor getrennten Siedlungszentren entwickelte sich allmählich ein zusammenhängendes lang gestrecktes Dorf, das die Grundstruktur des heutigen Kurortes bildet.

Die wirtschaftliche Grundlage des Ortes bildeten lange Zeit die Landwirtschaft, die Hausweberei und verschiedene Nebenerwerbstätigkeiten. Insbesondere die Leinenweberei erlangte im 18. Jahrhundert große Bedeutung. Christian Adolf Pescheck beschrieb gegen Ende des Jahrhunderts die Herstellung feiner Leinwand aus Rohgarn. Mit der Weberei war auch das Bleichen von Garnen und Geweben verbunden. Bleichwiesen und Bleichereien prägten einzelne Teile der Gemeindeflur, und bis heute erinnert der Name der Bleicherkolonie Hänischmühe an diesen Wirtschaftszweig, deren Entstehung die Ortschronik Johann Gottlieb Hänisch zuschreibt.

Die Arbeits- und Lebensbedingungen der vorindustriellen Bevölkerung waren hart. Die Hausweberei stützte sich in erheblichem Maße auf die Arbeit der gesamten Familie. Auch Frauen, Jugendliche, ältere Menschen und Kinder waren an der Produktion beteiligt. Missernten, Teuerung und Hungersnöte verschärften die wirtschaftliche Lage zusätzlich; für das Jahr 1772 ist eine schwere Hungersnot belegt. Neben Weberei und Landwirtschaft boten Forstwirtschaft, das Sammeln von Waldfrüchten und Pilzen sowie die Steingewinnung weitere Möglichkeiten zum Lebensunterhalt.

Die Herstellung von Mühlsteinen war für Jonsdorf besonders charakteristisch. Nach der heutigen Ortsgeschichte wurde 1560 die Eignung des Sandsteins am Rabenstein für diesen Zweck erkannt, und der planmäßige Abbau begann 1580. Die ältere örtliche Überlieferung nennt Mitglieder der Familie Richter als Hauptakteure. Mehr als drei Jahrhunderte lang wurden in den südlich des Ortes gelegenen Steinbrüchen Mühlsteine gebrochen und bearbeitet, die sehr gefragt waren und nicht nur in die weitere Umgebung, sondern auch ins Ausland geliefert wurden. Zu den besten Zeiten sollen dort bis zu 90 Arbeiter beschäftigt gewesen sein; der Abbau endete erst 1918. Die ehemaligen Steinbrüche legten geologische Strukturen frei, die heute einen wesentlichen Teil des naturkundlichen Wertes der Jonsdorfer Felsenstadt ausmachen.

Im 19. Jahrhundert begann sich die Wirtschaftsstruktur des Ortes grundlegend zu verändern. Der landschaftliche Reiz des Zittauer Gebirges zog Touristen, Naturfreunde und Erholungssuchende aus Zittau und anderen Städten an. Einen wichtigen Impuls gab der Arzt Dr. Karl Linke, der nach der heutigen Ortschronik 1841 im unteren, als Vorderdorf bezeichneten Ortsteil eine Kaltwasserheilanstalt gründete. Die ursprüngliche Handschrift gibt als Eröffnungstermin jedoch erst den 15. Mai 1842 an. Sicher ist allerdings der enge Zusammenhang zwischen der Heilanstalt und der frühen Entwicklung Jonsdorfs zu einem Kur- und Erholungsort.

Ab den 1870er-Jahren intensivierte sich der Fremdenverkehr weiter. Sommergäste aus den Reihen städtischer Beamter, Kaufleute und des Bürgertums mieteten hier Unterkünfte für längere Aufenthalte; Wohnhäuser und Gasthäuser wurden um Gästezimmer erweitert. 1880 entstand der Jonsdorfer Gebirgsverein, der sich der touristischen Erschließung der Umgebung widmete. Den entscheidenden Impuls für die Entwicklung der Infrastruktur brachte jedoch 1890 die Inbetriebnahme der Schmalspurbahn von Zittau. Diese Verbindung erleichterte die Anreise der Erholungsgäste erheblich und band Jonsdorf dauerhaft in den Ausflugsverkehr des Zittauer Gebirges ein.

Parallel dazu vollzog sich der Übergang von der Hausweberei zur mechanisierten Textilproduktion. Die ursprüngliche Handschrift nennt für das Jahr 1905 die erste mechanische Weberei am Standort einer ehemaligen Bleicherei, doch die Ortschronik erwähnt bereits 1873 die Gründung einer Weberei mit mechanischen Webstühlen. Die unterschiedlichen Angaben deuten darauf hin, dass zwischen der Einführung mechanischer Webstühle und der späteren Gründung oder Erweiterung einer Fabrik unterschieden werden muss. Das Jonsdorfer Textilunternehmen wurde Teil des Unternehmensverbunds von Julius Lange und später der Julius Langes Leinen-Industrie AG (JULAG). In der DDR wurde die Textilproduktion unter veränderten Eigentums- und Betriebsstrukturen fortgeführt. Hergestellt wurden unter anderem Jacquardmuster, Damast sowie Bett- und Tischwäsche.

Die Entwicklung des Kurwesens setzte sich Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts fort. Neben der Kaltwasserheilanstalt entstanden Erholungsheime, Kurunterkünfte, Villen, Hotels und Gaststätten. Für das Jahr 1929 nennt die ursprüngliche Handschrift vierzehn Hotels und Gaststätten, und 1934 wurde Jonsdorf offiziell die Bezeichnung „Kurort“ verliehen. In den folgenden Jahren entstanden weitere touristische Einrichtungen, und 1938 wurde ein Gebirgsbad errichtet. Damit hatte sich das frühneuzeitliche Dorf der Gärtner, Weber und Steinbrecher endgültig in einen Fremdenverkehrsort mit entwickelter Kurinfrastruktur verwandelt.

Nach 1945 veränderten sich erneut die Zusammensetzung der Bevölkerung, die Eigentumsverhältnisse und die Wirtschaftsstruktur. Im Ort wurden Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen, private und gewerbliche Betriebe wurden in das sozialistische Wirtschaftssystem überführt oder neu organisiert. Der „Jonashof“ diente ab 1949 als Erholungsheim des FDGB, und weitere Erholungs- und Jugendzentren wurden eingerichtet. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden beziehungsweise entwickelten sich die Waldbühne, das Eisstadion, Sportanlagen und die Sternwarte. Die Volkssternwarte wurde später in die Tätigkeit des Jonsdorfer Gebirgsvereins 1880 e.V. einbezogen und wird bis heute von Ehrenamtlichen betreut.

Zu den bedeutendsten Industriebetrieben der Nachkriegszeit gehörte die Jonsdorfer Maschinenfabrik (MAJO), deren Gründung die ursprüngliche Handschrift auf das Jahr 1947 datiert, während die Ortschronik bereits das Jahr 1945 nennt. Die Fabrik, die in der ehemaligen Bleicherei der Firma Kunze und Söhne untergebracht war, produzierte am Ende des Zweiten Weltkriegs Teile für die Rüstungsindustrie und wurde in den Nachkriegsjahrzehnten zum größten industriellen Arbeitgeber des Ortes. Sie bildete Facharbeiter aus, stellte Maschinen her und übernahm Exportaufträge. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Betrieb privatisiert und unter dem Namen Jonsdorf Maschinenbau GmbH weitergeführt. In seiner letzten Phase gehörte das Werk zur WEEKE/HOMAG-Gruppe und produzierte unter anderem Bohr- und Bearbeitungstechnik für die holzverarbeitende Industrie und die Möbelindustrie. 1997 wurde der Betrieb eingestellt, und 1998 wurden die Produktionsgebäude abgerissen. Auf dem Gelände des ehemaligen Werks entstanden später ein Sportplatz und eine Rettungswache.

Auch die Textilindustrie überstand die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen nach 1990 nicht. Die Produktionsanlagen wurden stillgelegt, die Betriebsflächen anderen Nutzungen zugeführt oder rekultiviert. Damit verschwanden praktisch zwei Industriezweige aus dem Ort, die über Jahrzehnte zahlreiche Arbeitsplätze geboten hatten. Die wirtschaftliche Funktion Jonsdorfs verlagerte sich noch stärker auf Tourismus, Erholung und Dienstleistungen. 2001 erhielt Jonsdorf die staatliche Anerkennung als Luftkurort.

Denkmäler und Merkwürdigkeiten

Das bauliche Erscheinungsbild Jonsdorfs spiegelt die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Ortes wider. Insbesondere in Alt-Jonsdorf und in einigen Teilen von Neu-Jonsdorf sind Umgebindehäuser erhalten geblieben. Bei diesem für die Oberlausitz charakteristischen Bautyp wird das Obergeschoss beziehungsweise das Dach von einer hölzernen Tragkonstruktion getragen, die den aus Blockstuben bestehenden Erdgeschossbereich umschließt. Fachwerkkonstruktionen, Holzverkleidungen und örtlicher Sandstein bestimmen das Aussehen vieler Häuser. Die Gebäude sind daher nicht nur Einzeldenkmäler oder Bestandteile des Ortsbildes, sondern auch Quellen zur Siedlungs-, Bau- und Sozialgeschichte.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die aus Sandstein gefertigten Türgewände und Portale, deren Material unter anderem aus den Steinbrüchen bei dem nahe gelegenen Waltersdorf stammt. Inschriften, Initialen, florale Ornamente und Fruchtgirlanden dokumentieren kunsthandwerkliche Traditionen, die insbesondere im 18. Jahrhundert ein hohes Niveau erreichten. Die baulichen Veränderungen der Häuser spiegeln zugleich die Entwicklung des Fremdenverkehrs wider: Mit der Ankunft von Sommerfrischlern und Kurgästen wurden zahlreiche Gebäude erweitert, aufgestockt oder durch Anbauten ergänzt. Im Gebiet „Auf der Heide“ entstanden später auch villenartige Wohnhäuser und Pensionen, die teilweise im sogenannten Schweizerstil errichtet wurden.

Das bedeutendste kirchliche Baudenkmal ist die barocke Jonsdorfer Kirche in Alt-Jonsdorf an der alten Dorfstraße unweit des heutigen Bahnhofs. Mehr als zwei Jahrhunderte lang gehörte der Ort kirchlich zu Bertsdorf, bevor er 1729 die Genehmigung zum Bau einer eigenen Kirche erhielt. Nach der Ortschronik wurde am 13. April 1730 mit dem Bau begonnen, und am 1. Mai 1731 wurde die Kirche geweiht. Das Hauptschiff wird durch hohe, regelmäßig angeordnete Fenster gegliedert. Der dreigeschossige Westturm mit quadratischem Grundriss ist teilweise in die Giebelwand eingelassen und wird oben von einer barocken Haube mit achteckiger Laterne abgeschlossen. Der Innenraum ist als schlichter Saal mit dreiteiligem Chorabschluss gestaltet und von zweigeschossigen hölzernen Emporen umgeben. Der Altar aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammt der örtlichen Überlieferung zufolge aus der Zittauer Johanniskirche. Ihn schmückt ein Gemälde der Kreuzabnahme Jesu mit seitlichen Figuren des heiligen Johannes des Täufers und des heiligen Johannes des Evangelisten. Die Kanzel und die Bänke mit abschließbaren Fächern für Gesangbücher sind bemerkenswerte Beispiele barocker Tischlerkunst. Ein interessantes künstlerisches Element sind die modernen Holzschnitte, die Hellmuth Muntschick für die Brüstungen der Emporen schuf und die als „Jonsdorfer Passion“ bekannt wurden. Früher waren die Brüstungsfelder mit Grisaillemalereien verziert.

Am Bach unterhalb der Kirche befindet sich ein schön angelegter, weitläufiger Kurpark mit Teich, Springbrunnen, Kneippbecken und zahlreichen Sitzmöglichkeiten in angenehmer Umgebung. Dort gibt es außerdem eine Voliere, eine Minigolfanlage beziehungsweise einen Abenteuerspielplatz sowie ein idyllisch gelegenes Café. Hinter der Straße an der Südseite des Parks steht das 1926–1927 errichtete Gemeindeamt, über dessen Eingang sich ein Relief mit den Figuren eines Steinbrechers, des Mönchs und Hirten Jonas sowie eines Leinenwebers befindet. An den Seiten des Eingangs sind steinerne Kränze angebracht, die Gesellenstücke früherer Steinmetze waren. In einem Beet am Gemeindeamt sind mehrere Mühlsteine ausgestellt.

Erinnerungsstücke an die Mühlsteinbrecherei beim Gemeindeamt Jonsorf.
Erinnerungsstücke an die Mühlsteinbrecherei beim Gemeindeamt Jonsorf.

Die Mühlsteinbrüche befinden sich in den Felsen an der Südseite des Ortes. Durch den historischen Abbau entstand hier eine Kulturlandschaft, in der technische, wirtschaftsgeschichtliche und geologische Denkmale eng miteinander verbunden sind. Nach dem Ende der Mühlsteinherstellung im Jahr 1918 wurden Teile dieses Gebiets seit den 1950er Jahren dank engagierter Natur- und Heimatfreunde durch einen Denkmal- und Naturlehrpfad erschlossen. Im Jahr 2000 fanden Sanierungs- und Sicherungsarbeiten statt, und seit 2002 dient der Bruch „Schwarzes Loch“ als Schaubergwerk, das zusammen mit der rekonstruierten Steinbruchschmiede vom Jonsdorfer Gebirgsverein betreut wird.

Südwestlich von Neu-Jonsdorf erhebt sich die Felsengruppe Nonnenfelsen, für die ältere Quellen auch die Bezeichnung Nonnenklunzen verwenden. Diese Felsengruppe ist ein interessantes Naturdenkmal und ein attraktives Ausflugsziel, das bereits seit dem 19. Jahrhundert erschlossen ist. Schon für das Jahr 1860 ist der Gemeindechronik zufolge eine kleine Gaststätte auf den Nonnenfelsen belegt. Aussichtspunkte, Wege und spätere touristische Anlagen zeugen von der frühen touristischen Erschließung der Jonsdorfer Felsenwelt. Bis heute befindet sich hier eine beliebte Ausflugsgaststätte, und ein ausgebauter Klettersteig lockt Bergsteiger an.

Am Teich unterhalb der Felsen steht die beliebte Gaststätte Gondelfahrt. Bereits 1880 richtete der Weber Wilhelm Goldberg hier einen gut besuchten Sommerausschank ein, der sechs Jahre später begann, auch im Winter Bewirtung anzubieten. Sein Sohn Oswald Goldberg baute ihn in den Jahren 1890–1893 vollständig um, wodurch das heutige Gasthaus aus Holz und unverputztem Ziegelmauerwerk entstand. Weitere Umbauten erfolgten 1921 und in den Jahren 1990–1996. An der Nordseite des Gasthauses erinnert ein Gedenkstein an den Gründer Friedrich Wilhelm Goldberg.

Im Ort gibt es außerdem einen gepflegten kleinen Oberlausitzer Bauerngarten mit Obstbäumen, Sträuchern, Blumen und Heilkräutern, der 2001 eröffnet wurde. Weiterhin befinden sich hier das Webereimuseum Oberlausitzer Weberstube und die Sternwarte, die am 11. August 1962 von Amateurastronomen eröffnet wurde und seit dem 1. Januar 2002 vom Jonsdorfer Gebirgsverein betreut wird.

Interessant ist auch der Aussichtspunkt auf den Lindnersteinen am südlichen Ortsrand, der um 1850 mit einem Geländer versehen und durch in den Sandstein gehauene Stufen erschlossen wurde. Dank seiner leichten Erreichbarkeit entwickelte er sich zu einem beliebten Spazierziel für Kurgäste und Einwohner. Eine Inschrift am Felsen erinnert an den örtlichen Weber und Volksdichter Gottlieb Lindner (1782–1861), der sich mit großer Begeisterung für Jonsdorf einsetzte.

Ein weiterer markanter Felsen- und Gedenkort ist der Hieronymusstein mit Aussichtspunkt, in dessen Nähe ein etwa drei Meter hohes Steinkreuz auf einem massiven, grob bearbeiteten Sockel steht. Das 1926 nach Plänen des Dresdner Architekten Karl Julius Schurig errichtete Denkmal trägt auf der Vorderseite die Inschrift „DENKT AN UNS!“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf seiner Rückseite eine Gedenktafel für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ergänzt. Das Denkmal dokumentiert somit mehrere historische Erinnerungsschichten.

Auf einem Platz in der Ortsmitte steht ein Denkmal für Hermann R. Tempel (1923–2018), der nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg lebte, wo er 1973 ein eigenes Bauunternehmen gründete. Er hielt jedoch weiterhin Kontakt zu seinem Heimatort Jonsdorf und unterstützte ihn großzügig. Im Jahr 2007 gründete er eine eigene Stiftung, die gemeinnützige und kirchliche Projekte in Jonsdorf fördert. 2009 wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.

An die lokale Heimatforschung erinnern kleinere Denkmale im Gebiet des Mühlsteinabbaus. Eine Sandsteinplatte aus dem Jahr 1937 in der Nähe des Bruchs Schwarzes Loch ist dem Kantor und Heimatforscher Reinhold Bauer († 1937) sowie dem Schulgeografen und Geologen Dr. Curt Heinke gewidmet. Bauer veröffentlichte die Ergebnisse seiner regionalhistorischen Forschungen in den Oberlausitzer Heimatschriften.

Zum touristischen Angebot Jonsdorfs gehören außerdem das Gebirgsbad an der Straße nach Hain, die 1953 im Wald zwischen den Felsen am Fuß des Gebiets der Mühlsteinbrüche eröffnete Waldbühne, das Eisstadion im unteren Ortsteil und das benachbarte, 2004 gegründete Exotenhaus, in dem sich heute Terrarien mit Reptilien und Spinnen sowie ein Aquarium befinden. Dazu gehörte auch eine Ausstellung tropischer Schmetterlinge, die jedoch aufgrund baulicher Mängel geschlossen werden musste. An der Hauptstraße unweit des Bahnhaltepunkts wächst eine etwa 23 m hohe, geschützte Silberpappel mit einem Stammumfang von rund 4,5 Metern, deren Alter auf 150 Jahre geschätzt wird.

Bedeutende Landsleute und Persönlichkeiten

In Jonsdorf wurde der evangelische Theologe, Historiker und Schriftsteller Christian Adolf Pescheck (1787–1859) geboren, dessen Veröffentlichungen zur Geschichte der Oberlausitz und zur Reformationsgeschichte zu den bedeutenden regionalhistorischen Werken des 19. Jahrhunderts gehören. Für die Geschichte Jonsdorfs sind insbesondere seine Beschreibungen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse von Interesse.

Mit der Entstehung des Kurbetriebs in Jonsdorf ist Dr. Karl Linke eng verbunden, der hier 1841 oder 1842 die erste Kaltwasserheilanstalt gründete. Ihre Eröffnung markiert den entscheidenden Übergang von der traditionellen dörflichen Wirtschaftsstruktur zum organisierten Kur- und Fremdenverkehr.

Die örtliche Überlieferung verbindet die Anfänge des Mühlsteinabbaus mit der Familie Richter. Die Gemeindechronik nennt für das Jahr 1560 den Dorfrichter Hans Richter und seine Söhne Georg und David als Entdecker der Eignung des örtlichen Sandsteins zur Herstellung von Mühlsteinen; auch die ursprüngliche Handschrift nennt Hans Richter, während in der touristischen Beschreibung der Brüche Hieronymus Richter und seine Söhne erwähnt werden. Für eine eindeutige Zuordnung der Personen wird es daher notwendig sein, historische Archivquellen zu prüfen.

Eine bedeutende Gestalt der örtlichen Überlieferung über die Gründung Jonsdorfs ist der Schäfer Jonas, der als Hirte, Schaffer oder in manchen Fassungen als Mönch des Klosters Oybin beschrieben wird. Aus historischer Sicht muss jedoch zwischen dieser Legende und der schriftlich belegten Gründung der Siedlung im Jahr 1539 unterschieden werden, sodass Jonas nicht als historisch nachgewiesener „erster Siedler“ bezeichnet werden kann.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Jonsdorf liegt in einem der landschaftlich vielfältigsten Teile des Zittauer Gebirges. Der Ort wird von den Bergen Jonsberg und Buchberg eingerahmt; im Süden und Südwesten schließen sich die Sandsteinformationen der Jonsdorfer Felsenstadt und der Nonnenfelsen an. Das Relief der Landschaft ist das Ergebnis des gemeinsamen Vorkommens sedimentärer Sandsteine und vulkanischer Gesteine sowie ihrer Formung durch tektonische Prozesse und langfristige Verwitterung. In den historischen Mühlsteinbrüchen wurden durch den Abbau geologische Strukturen freigelegt, die heute besonders gut zu beobachten sind.

Die Jonsdorfer Felsenstadt und die Mühlsteinbrüche bilden ein zusammenhängendes Wandergebiet. Ein etwa vier Kilometer langer Denkmal- und Naturlehrpfad erschließt unter anderem die Felsengasse, den Bruch Schwarzes Loch, die Steinbruchschmiede und mehrere Aussichtspunkte. Die hiesige Landschaft kann daher nicht nur als Naturraum verstanden werden, denn ihre heutige Gestalt wurde gemeinsam durch die Geschichte des Abbaus, den Wegebau, die touristische Nutzung und den Naturschutz geprägt.

Im Südwesten erhebt sich der Berg Lausche, der mit einer Höhe von 793 m der höchste Berg des Lausitzer und des Zittauer Gebirges ist. Weitere bedeutende Ausflugsziele sind der Hochwald an der deutsch-tschechischen Grenze sowie die Höhen um Bertsdorf – Pocheberg und Breiteberg. Die Lage des Ortes an der Staatsgrenze ermöglicht zahlreiche grenzüberschreitende Ausflüge in den tschechischen Teil des Gebirges.

Von außerordentlicher kulturhistorischer Bedeutung ist der benachbarte Berg Oybin. Auf dem mächtigen Sandsteinfelsen befinden sich die Ruinen der Burg und des Cölestinerklosters, deren Geschichte eng mit der frühen Entwicklung Jonsdorfs verbunden ist. Unterhalb des Felsens liegt der Kurort Oybin mit seiner schönen Bergkirche. Die Verbindung zwischen Zittau, Oybin und Jonsdorf wird durch die historische Schmalspurbahn gewährleistet, deren Eröffnung im Jahr 1890 dem hiesigen Fremdenverkehr einen entscheidenden Impuls gab..

In Großschönau und Waltersdorf ergänzen Museen zur Geschichte der Textilindustrie, der Volkskultur und der Mühlen das kulturelle und historische Angebot, beispielsweise das Motorradveteran- und Technikmuseum, das Deutsche Damast- und Frottiermuseum, das Besucherzentrum des Naturparks Naturparkhaus und die Freizeitanlage mit Schwimmbad Trixi-Park. Bertsdorf, Spitzkunnersdorf und Lückendorf zeichnen sich durch bemerkenswerte Dorfkirchen und historische Bebauung aus. Der Olbersdorfer See stellt ein neueres Element der Erholungslandschaft im nördlichen Vorgebirge dar. Zum unmittelbaren Umfeld Jonsdorfs gehören aus historischer und landschaftlicher Sicht auch die benachbarten tschechischen Orte Krompach (Krombach), Valy (Schanzendorf) und Dolní Světlá (Niederlichtenwalde).

Übersichtskarte der Umgebung von Jonsdorf.

Weitere Informationen

Text: Björn Ehrlich, October 2026.
Neuschönau Großschönau Breiteberg Breiteberg Seidelsberg Seidelsberg Steinberg Steinberg Bertsdorf Olbersdorfer See Grundbachsee Olbersdorf Kieferberg Kieferberg Hänischmühe Kurort Jonsdorf Kurort Jonsdorf Pocheberg Pocheberg Saalendorf Waldstrandbad Herrenwalde Waltersdorf Butterberg Butterberg Neu Sorge Buchberg Buchberg Sonnenberg Sonnenberg Luž / Lausche Myslivny Čihadlo Čihadlo Horní Světlá Dolní Světlá Brazilka Krkavčí kameny Krkavčí kameny Nonnenfelsen Nonnenfelsen Jonsdorfer Felsenstadt Jonsdorfer Felsenstadt Mühlsteinbrüche Mühlsteinbrüche Orgel Orgel Plešivec Plešivec Valy Krompach Juliovka Soví vrch Kulich Kulich Krompašské tisy Janské kameny Krompašské tisy Háječek Hvozd / Hochwald Hvozd / Hochwald Hain Jonsberg Jonsberg Weißer Stein Weißer Stein Weißer Stein Luther Eiche Luther Eiche Ameisenberg Ameisenberg Pferdeberg Pferdeberg Burg Oybin Kurort Oybin Töpfer Töpfer Böhmische Aussicht Böhmische Aussicht Zigeunerberg Zigeunerberg Scharfenstein Scharfenstein Brandhöhe Brandhöhe Luftkurort Lückendorf Sommerberg Sommerberg vrch