Lausitzer Gebirge
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Sloupský hrad a poustevna
(Burg Bürgstein - Einsiedlerstein)

Gesamtansicht des Felsstockes mit der Einsiedelei von der Aussicht Na Stráži (Wachstein). Am Südrande von Sloup (Bürgstein) ragt aus dem Talgrunde des Dobranovský potok (Rodowitzer Bach, Kleisbach) ein etwa 35 m hoher Sandstein-Felsstock (318 m), der allgemein als Felsenburg bezeichnet wird. Die Burg Sloup (Bürgstein) wird zwar in einer Reihe historischer Quellen angeführt, aber ihre genaue Lage ist bis heute nicht bekannt. Wahrscheinlich stand sie am nordöstlichen Fusse des Felsens, wo sie ausser von ihrer eigenen Befestigungsanlagen auch von den umliegenden Teichen und Sümpfen geschützt lag und wo später der herrschaftliche Meierhof und das neuere Schlösschen entstanden. Einige mittelalterliche Bauten, deren Überreste sich auf dem Gipfel des Felsens erhalten haben, dienten wahrscheinlich nur als Verstecke in Kriegszeiten. Der Grossteil der in den Felsen eingehauenen Räumlichkeiten stammt erst aus dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhundert, als hier die Einsiedelei, nach der der Felsen Poustevnický kámen (Einsiedlerstein) hiess, gegründet worden ist. Die romantische Vorstellung einer Felsenburg haben die hiesigen Künstler und Heimatkunde-Forscher erst an der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts entwickelt.

Durch archäologische Funde ist nachgewiesen worden, dass die Umgebung der Felsklippe bereits für die Menschen der Jungsteinzeit einen Zufluchtsort darstellte. Am Ende des 3. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung war hier eine Siedlung der Leute mit der Kultur der kugelförmigen Amphoren, aus jüngeren Zeiten stammen Funde, die der Kultur von Únìtice und Lužice zugeschrieben werden. An Anfange des 1. Jahrhunderts v. u. Z. wurde Sloup von germanischen Stämmen der sog. Bodenbacher Gruppe besiedelt und eine unzusammenhängende germanische Besiedlung ist noch im 4. Jahrhundert u. Z. nachgewiesen. Dann kamen in unser Gebiet slavische Stämme, aber die Grenzwälder wurden systematischer erst zur Zeit der überwiegend deutschen Kolonisation in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts besiedelt
In dieser Zeit gehörte die ausgedehnte Landschaft zwischen Zittau und Èeská Lípa (Böhmisch Leipa) dem Geschlechte der Ronover, die offensichtlich am Ende des 13. Jahrhunderts in Sloup eine Wachburg errichteten. Ihre Besatzung sollte die Sicherheit der Händler auf der alten Leipaer Strasse, die von Litomìøice (Leitmeritz) und Èeská Lípa herkam und in der Richtung über Radvanec (Rodowitz) nach Cvikov (Zwickau) und weiter über Maøenice (Mergtal) und Krompach (Krombach) nach Zittau führte, gewährleisten.
Begründer der Burg konnte der im Jahre 1290 genannte Èenìk von Oybin oder sein Sohn gleichen Namens sein. Die Burg selbst wird zum ersten Male erst im Jahre 1324 genannt, als sich nach ihr Èenìk von Birkenstein nannte. Damals bestand wahrscheinlich in der Nähe der Burg auch schon das Dorf Sloup, das 1352 zum ersten Male erwähnt wird.

Reliefe in der Säulenhalle des Felsens. Etwa zwischen 1346 und 1374 kam das Besitztum Sloup an die Berken von Dauba, die sie aber nur bis zum Jahre 1412 behielten, als Hynek Hlavatsch von Dauba die Burg mit dem Meierhofe und den Dörfern Sloup und Radvanec (Rodowitz) dem nicht besonders wohlhabenden Oberlausitzer Adeligen Hans Welfl von Warnsdorf verkaufte. Nach 1427 erhielt die Burg Nikolaus Panzer von Smoyn, der in den hussitischen Kriegen auf der Seite der Lausitzer Städte stand und ihnen Nachrichten über die Bewegungen der bewaffneten Einheiten in der Umgebung zugehen liess. Gleichzeitig nutzte er aber gemeinsam mit den Wartenbergern die unruhige Zeit zu Raubzügen in die Lausitz. Im Frühling 1444 sandten deswegen die Lausitzer Sechsstädte eine Strafexpedition gegen die Wartenberger und Sloup aus. Es ist nicht klar, ob die Burg bereits in diesem Vergeltungszuge eingenommen worden ist, aber im folgenden Jahre war Sloup das Ziel einer zweiten Strafexpedition, in der sich gegen Panzer die Kampfmacht der Lausitzer Sechsstädte mit dem vom Hauptmann Jan ze Smiøic geleiteten Landesaufgebot des Bezirkes Litomìøice (Leitmeritz) vereinte. Die Besatzung von Sloup soll sich damals nach einer fünfwöchigen Belagerung ergeben haben und die Burg wurde auf Betreiben der Lausitzer geschleift. Nikolaus Panzer baute aber die Burg bald wieder auf und setzte auch seine Raubzüge in die Lausitz fort. Im Jahre 1455 übernahmen Nikolaus´ Söhne Jan und Friedmann die Burg, nach ihnen besass sie eine kurze Zeit Wilhelm von Illburg und am 4. Januar 1471 kauften Sloup wieder die Berken von Dauba. In ihrem Besitz blieb dann die Herrschaft bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, in dem aber die Burg bereits nicht mehr bewohnt war. Schon 1562 nennt man das sog. Neue Haus, das am Fusse des Felsens wahrscheinlich Siegmund Berka von Dauba erbaut hatte, und 1596 hat sich Adam Berka von Dauba im Raume des damaligen Meierhofes nördlich des Felsens ein neues, bequemers Schlösschen erbaut. Dieser Fachwerkbau stand bis zum 15. September 1880, an dem er Opfer eines Brandes wurde.
Nach dem Tode Adam Berkas am 13. Juni 1607 erbte den Besitz seine Witwe Anna, die zwei Jahre später Johann Abraham von Salhausen heiratete. Im Jahre 1617 übernahm die Herrschaft Wolf, der Bruder Johanns, der Besitz wurde ihm aber nach der Niederlage am Weissen Berge konfisziert. Im Mai 1623 kaufte Sloup Zdenìk Lev Libštejnský von Kolovrat; in seiner Regierungszeit wurde die Herrschaft von einigen Durchzügen österreichischer und fremder Armeen betroffen. Im Dreissigjährigen Kriege wurde auch die Burg Sloup mit einer kleinen Besatzung versehen, aber der schwedische General Banér belagerte sie 1639, eroberte sie und verbrannte sie vollständig. Die vernichtete Burg wurde später nicht mehr erneuert.
Im folgenden Jahre starb Zdenìk Lev Libštejnský und seinen Besitz übernahm sein Sohn Wenzel Franz, der als Mitglied des Jesuitenordens seine Erbschaft vor allem zur Unterstützung kirchlicher Interessen benützte und sich nicht besonders um dieVerwaltung der Herrschaft kümmerte. Im Jahre 1654 kaufte von ihm Sloup seine Stiefmutter Katharina Vrtba, die seit 1641 in zweiter Ehe mit Georg Peter Kokoøovec von Kokoøov verheiratet war.
Eingang in den Kreuzgang von Norden. Im Jahre 1679 übernahm die Herrschaft Sloup ihr Sohn Ferdinand Hroznata von Kokoøov, der auf eine imposante Weise in die Geschicke des Felsblockes eingriff, als er sich 1690 entschied, ihn zu einem Wallfahrtsort mit einer grossartigen Einsiedelei umzubauen. Bis 1782 haben sich hier im Ganzen 6 Einsiedler abgewechselt, die den Felsen verschiedenartig verwandelten. Der erste von ihnen war der Baumeister Konstantin, dem das architektonische Konzept und die Leitung des Baues zugeschrieben wird. Nach seinen Vorschlägen wurden im Sandsteinfelsen nacheinander die riesigen Räume der Felsenkapelle mit dem Kreuzgange und die daran anschliessenden Wohnräume gehauen. Nach dem Tode Konstantins lebte hier der Maler Wenzel Rincholin, der auch die Sonnenuhren an die Wand des Felsens malte. Der grosszügig entworfene Bau wurde aber niemals beendet. Nach dem Tode Ferdinands Hroznata von Kokoøov im Jahre 1708 wurden die Bauarbeiten eingestellt, der Einsiedler Wenzel zog von hier aus und die bereits angeschaffte Ausstattung der Kapelle wurde später in die neu erbaute Kirche der hl. Katharina im Dorfe übertragen. Der neue Besitzer Peter Franz von Kokoøov verkaufte 1710 die mit Schulden behaftete Herrschaft dem Wenzel Norbert Oktavian Kinsky, der sie bis zu seinem Tode im Jahre 1719 verwaltete. Dann wurde die Herrschaft Sloup seinem Sohn Josef Maximilian, der aber erst 14 Jahre alt war, bestimmt. Der Besitz wurde deshalb bis zu dessen Mündigkeit von seinem älteren Bruder Stephan Wilhelm Ulrich verwaltet, der zwar die Umbauten auf dem Felsen fortsetzte, aber bereits in einer anderen, romantischen Auffassung. Damals wurden auch die Umgänge an der Süd- und Ostseite des Felsens errichtet.
Josef Johann Maxmilian Kinsky übernahm 1726 die Verwaltung seiner Herrschaft und hob durch seine wirtschaftlichen Reformen das Niveau der ganzen Gegend wesentlich. Er löste die unrentablen herrschaftlichen Meierhöfe auf, gründete auf ihren Feldern einige neue Dörfer und unterstützte auf der ganzen Herrschaft die Entwicklung der handwerklichen Tätigkeiten, vor allem der Weberei und Glasherstellung. Weil das kleine Schlösschen unter dem Burgfelsen seinen Ansprüchen nicht mehr genügte, baute er in den Jahren 1730-1735 ein neues Schloss im Dorfe; ausserdem setzte er die Umbauten des Felsens fort.
Die Felswand mit den Eingängen in die künstlichen Höhlen. Schon im Jahre 1719 kehrten auch die Einsiedler auf den Felsen zurük. Zuerst siedelte sich hier der ehemalige Korporal Jakob Borovanský an und nicht lange nach ihm kam der Tischler Franz Hölzel aus Arnultovice (Arnsdorf). Nach dem Tode Jakobs 1735 übersiedelte der Ziergärtner und Brillenmacher Samuel Görner, der vorher 17 Jahre in der nahen Samuelova jeskynì (Samuelshöhle) lebte, auf den Felsen. Sieben Jahre später floh er aber von Sloup, angeblich aus Furcht vor den Preussen, die ihn höchstwahrscheilich als Soldaten angeworben hätten. Der letzte Einsiedler auf dem Felsen in Sloup war der Weber Anton Müller aus Reichstadt, für den im Jahre 1770 Graf Josef Maxmilian Kinsky ein neues Haus aus Ziegeln erbauen liess.
Im September 1779 besuchte Kaiser Josef II Sloup und nicht lange danach, im April 1780, starb Josef Johann Maxmilian Kinsky. Da er keine direkten Nachkommen hinterliess, übernahm die Herrschaft Sloup sein Neffe Graf Philipp aus der Chlumeker Linie der Familie Kinsky. Als dann 1782 Josef II alle Einsiedeleien auflöste, richtete der neue Besitzer des Felsen zu einem romantischen Ausflugsorte für seine Freunde und Gäste her. Der Haupteingang wurde 1794 auf die südöstliche Seite übertragen und in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Gipfel der Park mit Blumenschmuck erneuert. Das gemauerte Einsiedlerhäuschen wurde zur Unterkunft für die Besucher umgebaut. Unter den Besuchern waren zum Beispiel Erzherzog Franz Karl (1822), der sächsische König Friedrich August (1824 und 1845), Erzherzog Stefan von Habsburg (1841) und im Jahre 1847 der junge Franz Josef I., der spätere österreichische Kaiser mit seinen Brüdern Maximilian und Karl Ludwig.
Im Besitze der Familie Kinsky blieb Sloup bis zum Tode August Franz Kinskys im Jahre 1940. Sein Besitz fiel dann an der deutschen Adeligen Wilhelm Emanuel Preysing und 1945 wurde er konfisziert. Der Felsblock blieb dann einige Zeit verlassen und im Jahre 1953 wurde er als bemerkenswerter Herrensitz als Kulturdenkmal ausgewiesen. Der Felsen ist für die Touristen zugänglich und ist seit 1992 langfristig dem ehemaligen Kastellan Ivan Volman vermietet.

Gesamtansicht des Felsmasives von Süden. Der riesige, etwa 100 m lange Felsblock ist durch unzugängliche, nur an einigen Stellen durch enge Spalten unterbrochene senkrechten Felswände geschützt. Seine Südostwand schmückt eine grosse Sonnenuhr, die der hiesige Einsiedler Wenzel Rincolin gemalt hat. Ursprünglich waren am Felsen zwei Sonnenuhren, aber bei der Renovierung 1752 wurde nur eine erneuert und die zweite an der Südwestwand verschwand allmählich.
Die Burg Sloup stand wahrscheinlich nicht direkt auf dem Felsen, sondern auf einem trockenen Platze an seinem Nordostfusse, wohin man nur über eine Holzkonstruktion mit einer Brücke Zugang hatte. Von den Burggebäuden hat sich nichts erhalten, die teilweise verschütteten Renaissancewölbungen in der Nachbarschaft des Parkplatzes gehören zum erst später erbauten Berkenschlösschen.
Die Burg benutzte möglicherweise auch den kleinen höherliegenden Felsenhof, der in einer ausgeweiteten Spalte an der Nordseite des Felsens entstand. Nach aussen ist dieser Hof mit einer Mauer abgeschlossen, die nach 1827 erbaut wurde, und der Zugang in den Hof war durch einen kurzen Gang, der im Spalt zwischen dem Felsmassiv und einem selbständigen kleineren Blocke ausgemeisselt worden ist.
In die senkrechten Wände des Hofes hat man einige Räumlichkeiten eingehauen. An der Westseite sind zwei miteinander verbundene Räume mit einem Eingangsportal aus Sandstein, in der gegenüberliegenden Wand befindet sich eine tiefe Einbuchtung mit einem kreisförmigen Brunnen, der später durch den Bau eines Kellers beschädigt wurde und dann bis in die Höhe des Kellerbodens verschüttet worden ist. Ein weiterer Raum wurde in die Südmauer des Hofes gemeisselt, in dessen Nachbarschaft früher eine Holzkonstruktion stand, die den Zutritt in eine höherliegende Felsspalte ermöglichte. In diese Spalte wurde eine zweiflügelige Treppe eingemeisselt, die romantisch als Rittertreppe bezeichnet wird. Auf ihrem östlichen Flügel kam man direkt in die Räume der Einsiedelei mit der Kapelle, während der Westflügel auf die Oberfläche des Felsens führte. Ursprünglich waren hier nur hölzerne, in die Wände der Spalte eingelassene Stufen, und erst beim Bau der Einsiedelei wurde die Spalte vertieft und die Stufen in den Felsen gehauen. Dieser Felsenhof und die Rittertreppe sind zur Zeit für die Besucher nicht zugänglich.

In den Felsen gehauene Räume der ehemaligen Einsiedele. Der heutige Zugang auf den Felsen führt von der Ostseite über ein zum Teil hölzernes, zum Teil in den Felsen gehauenes Treppenhaus, das von den Einsiedlern nach 1690 hergestellt worden ist. Diese Treppe führt zuerst auf eine kleine Terrasse, auf der sich jetzt die Kassa befindet, und dann weiter hinauf in die in den Felsen gehauene Räume der ehemaligen Einsiedelei. Diese Räume dienten wahrscheinlich zum Wohnen und auch die ältere Wohnung des Einsiedlers mit einer kleinen schwarzen Küche wurde an sie angeschlossen.
An die Räume der Einsiedelei schliesst sich ein gewölbter Kreuzgang an, der unter Ausnutzung der natürlichen Spalten auf dem Grundriss eines unregelmässigen Quadrates mit verlängertem Nordflügel in den Felsen eingehauen wurde. An einer Stelle geht dieser Gang diagonal durch einen älteren, in den Felsen gehauenen mittelalterlichen Raum, dessen Decke in der Mitte von einer Steinsäule gestützt war. Die Öffnungen um den Pfeiler wurden später zugemauert.
An der Nordseite lehnt sich eine geräumige, 18 m lange und 4 m breite, 1693 gemeisselte barocke Felsenkapelle an den Kreuzgang an. Im höchsten Punkte ihrer Wölbung ist eine ovale Öffnung zur Oberfläche des Felsens durchbrochen, über der zwei Jahre später eine achtseitige Laterne mit Rundfenstern gebaut wurde. Zu einer Einweihung der Kapelle ist es wahrscheinlich niemals gekommen und die bereits gegossene Glocke aus dem Jahre 1692 und die Statue der Schmerzhaften Mutter Gottes vom Bildhauer Oswald Wenda in Žlutice wurden 1716-1719 in die Kirche der hl Katharina im Dorfe überführt. In der Kapelle blieb bis heute nur der steinerne Altarsockel an der Ostseite und ein erhöhter Chor erhalten, zu dem der Zugang über eine selbstständige Treppe vom Westflügel der Rittertreppe aus möglich ist. Die Kapelle wird gelegentlich zu Kammerkonzerten und anderen künstlerischen Aufführungen benutzt.

Die Felsenkapelle mit dem Altarsockel. Felsenraum mit Säulen, im Hintergrund Kalvarie.

Umgang mit den Nischen der Kreuzwegstationen an der Südseite des Felsens. Die Südwestecke des Kreuzganges mündet in einen kleinen Raum mit einer Denktafel, die an den Besuch des jungen Franz Josef I. und seiner Brüder, Ferdinand Maximilian und Karl Ludwig, am 24. September 1847 erinnert. Früher soll hier auch eine angeblich 300 Jahre alte Buche gestanden haben, in deren Rinde der Holzschnitzer Josef Max der Ältere die Namen der höhergestellten Besucher des Felsens eingeschnitten hat. An der Ostseite diese Raumes ist eine kleine, nicht fertiggestelte Kammer mit der eingeritzten Jahreszahl 1699, in ihre Aussenwand wurde der Raum für einen Backofen mit einem Rauchfang eingehauen. Ihm gegenüber befinden sich zwei interessante, in den Felsen gehauene Räumlichkeiten, deren Wände früher mit Holz getäfelt waren. In der ersten, die durch sechs steinerne Säulen gegliedert ist, sind neben dem Fenster zwei Reliefe mit Löwen in die Wand gemeisselt. Im zweiten Raum stehen die Reste einer Kalvariengruppe, die ursprünglich mit Bruchstücken von Steinen und Glas geschmückt war; leider wurde sie nach dem Zweiten Weltkriege vollständig vernichtet.
Das Innere einer der künstlichen Höhlen. Rund um die Aussenmauern der beiden Räume führt ein Umgang zu den Terrassen auf der Südseite des Felsens, die in den Jahren 1719-1726 in den Sandstein gemeisselt worden sind. Die tieferliegenden Terrassen dienten als Weinberge und in der höchsten führt ein Umgang, in dessen Wand sich flache Nischen für die Bilder der Kreuzwegstationen befinden. Zwischen zwei diesen Nischen wurde 1696 ein Eingang in einen 7 m tiefen mittelalterlichen, krugförmigen Raum geöffnet, der früher nur durch eine kleine kreisförmige Öffnung in seiner Decke zugänglich war. Er wurde früher allgemein als Hungerturm bezeichnet, viel wahrscheinlicher ist aber, dass er als Vorratskammer für Getreide gedient hat. In seinen Wänden sind verschiedene Szenen und Bilder eingegraben. Die letzte Nische am Ostende des Umganges hat etwas grössere Abmessungen und wahrscheinlich sollte in ihr die Kreuzigungsszene aufgestellt werden. Hinter dieser Nische ist im Felsen eine unregelmässige Kammer, die wahrscheinlich erst aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts stammt.
Der Umgang mündet in eine künstlich geebnete Fläche, die am Westrande durch eine Felsenmauer, unter deren Oberkante bis heute noch die ziemlich schlecht leserliche Jahreszahl 1695 zu sehen ist, abgeschlossen wird. In die Mauer sind drei künstliche Höhlen (Grotten) eingehauen worden, von denen die zwei grösseren ursprünglich vielleicht für die letzten Stationen des Kreuzweges - das Grab Gottes und die Auferstehung - bestimmt waren. In den Jahren 1719 - 1726 wurden in ihnen die Statuen des knienden hl. Franz Seraph. und der liegenden hl. Rosalia aufgestellt, später liess Karl Kinsky in ihnen Szenen mit Einsiedlerfiguren einrichten. In der ersten befand sich ein betender Einsiedler, in der zweiten ein gestorbener Einsiedler auf einem Moosbette und in der dritten eine symbolische hölzerne Grabtafel, auf der ein romantisches Gedicht vom Tode als dem besten Freunde des Menschen stand.

Terrasse mit der Statue des Samuel Görner. Auf der Plattform steht auch die achteckige Laterne der Felsenkapelle und das Ziegelhäuschen aus dem Jahre 1770, das Josef Johann Kinsky statt eines älteren hölzernen Wohnhäuschens des letzten Einseidlers Anton Müller erbauen liess. In den 20. Jahren des 19. Jahrhunderte wurde das Häuschen renoviert und als kleines Museum und Zufluchtsort für die adeligen Ausflüglergäste hergerichtet.
In der Nachbarschaft des Häuschens ist eine künstlich zugerichtete Aussichtsterrasse auf der sich die Statue des Einsiedlers Samuel Görner mit seinem Fernrohr befindet. Die ursprünglich hölzerne Statue soll im Jahre 1866 von den Preussen, die sie für einen lebenden Spion hielten, zerschossen worden sein, eine neue Replik liess erst im Jahre 1881 die Gräfin Franziska Kinsky, geborene Hartig, hier aufstellen.
Eine Aussichtsplattform ist auch auf einem Felsvorsprung eingerichtet, der von dem Häuschen weit nach Osten vorspringt. Von hier hat man eine schöne Aussicht auf den südlichen Teil von Sloup und auf die bewaldeten Berge seiner Umgebung mit der gegenüberliegenden Aussicht Na Stráži (Wachstein) und auf die Felsen um die Samuelova jeskynì (Samuelshöhle).
An der Nordostseite des Felsens steht auch ein interessantes, in den Felsen gehauenes Häuschen, das seit 1728 als Wohnung der Einsiedler diente. Anton Franz Hölzel lebte in ihm sieben Jahre und am 27. April 1735 übersiedelte Sauel Görner hierher.

Die Laterne über der Felsenkapelle. Das in den Felsen eingehauene Einsiedlerhäuschen.

Reste des mittelalterlichen Kellers oberhalb des Felsenhofes. Der westliche Teil des Felsens war früher als Park eingerichtet und ist heute mit einigen Bäumen bewachsen. An den Rändern haben sich Reste von vier in den Felsen eingehauenen mittelalterlichen Räumlichkeiten erhalten, über denen wahrscheilich früher hölzerne Bauten standen. Die interessanteste von ihnen ist die Wachstube auf dem Westrande des Felsblockes, deren Fenster in die sogenannte Schwedenspalte, eine breite Felsspalte, die früher durch eine hölzerne Befestigung geschützt war, hinunterschauen. Ein weiterer Raum mit zwei niedrigen Fenstern befindet sich direkt über dem Hofe auf der Nordseite des Felsens; westlich von ihm befand sich ein dritter Keller, von dem sich aber nur ein kleiner Teil seiner Ost- und Südwand erhalten hat. Auch vom letzten in den Sandstein gegrabenen Raum an der Südwestseite des Felsens ist nur ein kleiner Winkel mit einer Nische übrig geblieben.
Von den Rändern des Gipfelplateaus gibt es schöne Aussichten auf Janov (Johannesdorf) und Sloup im Tale des Dobranovský potok-Baches, auf Nový Bor (Haida) mit dem Chotovický vrch (Kottowitzer Berg) und dem weiter entfernten Gipfel des Èeská skála (Tscheschkenstein) bei Prácheò (Parchen). Im Norden ragen die Gipfel der Lausitzer Berge mit der markanten Dominante des Klíè (Kleis), dem weiter entfernten Luž (Lausche) und dem langgestreckten Hvozd (Hochwald) am nordöstlichen Horizont aus den Wäldern. Im Vordergrunde befindet sich der Strážný vrch (Hutberg) bei Radvanec (Rodowitz), der Ortel (Urteilsberg) und der Šišák (Schieferberg), im Südosten sieht man das waldbestandene Massiv des Slavíèek (Slabitschken) mit den Felsen um die Samuelova jeskynì (Samuelshöhle). Am östlichen Horizont kann man in der Ferne - selten - auch den Ještìd (Jeschken) erblicken.

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