Bertsdorf

Bertsdorf liegt etwa 4,5 km westlich des Zentrums von Zittau an der Straße nach Waltersdorf. Verwaltungstechnisch gehört es zur Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz, die im Zuge der Gebietsreform am 1. März 1994 durch den Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinden Bertsdorf und Hörnitz entstand. Zum 1. Januar 2026 zählte die gesamte Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz 1978 Einwohner, von denen etwa 1010 in Hörnitz lebten.
Den Aufzeichnungen des Chronisten Morawek zufolge stieg die Einwohnerzahl von Bertsdorf von 1394 im Jahr 1772 auf 2087 im Jahr 1864. Im Jahr der Gemeindezusammenlegung (1994) lebten hier insgesamt 2678 Einwohner, davon entfielen etwa 1430 auf Bertsdorf selbst und etwa 1250 auf Hörnitz. Bertsdorf verzeichnete somit einen dramatischen Bevölkerungsrückgang.

Geschichte

Blick über Bertsdorf mit der Dorfkirche vor den Bergen des Zittauer Gebirges.
Blick über Bertsdorf mit der Dorfkirche vor den Bergen des Zittauer Gebirges.

Im Tal der Bertse zieht sich auf eine Länge von 3,5 km das Waldhufendorf Bertsdorf hin, Wie die meisten Hufendörfer ist es im 13. Jahrhundert entstanden, hier unter der Anleitung seines Locators Bertram. 1352 wurde es als „Betramy villa" bezeichnet und In einem Kirchenzinsregister vom Jahre 1384, in dessen Besitz die Erzbischöfliche Bibliothek zu Prag ist, wird es unter dem Namen „Bertrandi villa" aufgeführt. 1391 wird es im Urbarium des Zittauer St. Jakob-Hospitals als Bertrampsdorf tituliert. 1599 schrieb man es: Berthelsdorf, später: Berthilsdorf, 1613 Bärthelsdorf, 1629 Berthramsdorf,1662 Bertelsdorf, 1770 Bärzdorf, 1790 Bertzdorf.

Die Gemeinde gliederte sich in den unteren, mittleren und oberen Teil. Ein fast 1 km langer Abschnitt namens Viebig (= Viehtrieb) an der Straße nach Waltersdorf, der bis dahin nicht als Bauland genutzt worden war, wurde erst später bebaut. Zu Zeiten der Herren von Nostitz stand hier ein Galgen, früher wurden hier auch Selbstmörder begraben. Bis zum Jahr 1788 lag dieses Grundstück völlig brach und brachte der Gemeinde lediglich 4 Taler jährlich an Pacht ein, die ein Gutsbesitzer zahlte, um dort sein Vieh weiden zu lassen. In jenem Jahr jedoch baten Johann Heber, Christian Heber, David Fröhlich, Traugott Rothe, Johann Renger und andere den Stadtrat, ihnen das Grundstück für 12 bis 15 Jahre gegen die genannte Pacht zu überlassen; sie verpflichteten sich dabei, es in dieser Zeit urbar zu machen und mit Obstbäumen zu bepflanzen, obwohl der Boden aufgrund seiner Beschaffenheit sehr steinig war. Auch wollten sie Baumschulen darauf anlegen und ganz besonders ihr Augenmerk auf Maulbeerbäume zu richten. Es scheint also, dass in Bertsdorf auch Seidenraupenzucht betrieben wurde.
Das erste Haus wurde 1796 erbaut, Jedoch fand eine gerichtliche Verschreibung dieser Baustelle erst 1816 statt, wo es im Schöppenbuche heißt: „mit einem Hause 15 Ellen lang und 9 Ellen breit versehen. 1867 standen dort bereits 16 Anwesen.

Zu Bertsdorf gehörte auch die Bleicherkolonie Hähnischmühe nahe am Sandbusche, sonst die Bertsdorfer Bleiche genannt, welche an Alt-Johnsdorf grenzten und daher vom Volk die Jonsdorfer Bleichen genannt wurden. Begründet wurden sie 1777 von Johann Gottlieb Hänisch. 1956 wurde dieser Ortsteil Jonsdorf angeschlossen.

Vom Breiteberg im Nordwesten bis zum Grundbachtal im Südosten erstreckt sich die 1432 ha große Flur auf überwiegend mit Lößlehm bedecktem, hängigem Gelände. Im Oberdorf ist die radiale Flurgliederung dem Gelände angepasst und zieht sich bis zur waldlosen Wasserscheide zwischen Pochebach und Bertse.

Als Ratsdorf von Zittau, das nur in der Zeit von 1547 bis 1586 einer adligen Grundherrschaft unterstand, weist Bertsdorf eine dichte Bebauung der Dorfaue mit Weberhäusern auf. 1767 lesen wir in Steuerlisten unter anderem von 151 Leinewebern und 150 Leinewebergesellen, Wirkmägden und erwachsenen Kindern sowie von 216 Häuslern, die je 1 Groschen Steuern zahlten. Da keine Verleger sesshaft wurden und keine Veredlungsanlagen im Ort bestanden, mussten die Weber für Großschönauer Verleger und nach Errichtung der Pochefabrik 1861 für Großschönauer Fabrikanten arbeiten. Der Chronist MORAWEK zählte in Bertsdorf 1867 unter anderem 9 selbständige Weber, 6 Faktorweber, 3 Beinkleid-Stoff-Fabrikanten, 3 Färber, 1 Strumpfwirker und 1 Twister. Das Gewerbe ist im Ort im Zuge der Industrialisierung ausgestorben. Die meisten Arbeiter und Angestellten verdienten ihren Unterhalt in der späteren Kreisstadt Zittau. Bis zur Ablösung der Fronen und Dienste im 19. Jahrhundert mussten die Bauern umfangreiche Hand-und Spanndienste verrichten, zu denen auch Fuhren aus den Steinbrüchen des Zittauer Gebirges gehörten. An das alte dörfliche Gewerbe erinnern Obere, Mittel- und Niedermühle, die sich bis nach 1800 im Besitz des Zittauer Rates befanden.

Die günstigen Linienbusverbindungen nach Zittau seit 1925 und in das nahe Gebirge förderten die Erschließung als Urlauberort. Seit 1955 vermieten Einwohner, besonders im Oberdorf Zimmer an Urlauber. Damit wurden die stark überbelegten Gebirgskurorte Jonsdorf und Oybin etwas entlastet.
Die landwirtschaftlichen Nutzflächen, welche den Ort umgeben, bewirtschafteten seit 1958 verschiedene Produktionsgenossenschaften „Vorwärts“, Breiteberg, Taubenberg und Eintracht, die im Zuge der Kollektivierung weiter vereinheitlicht wurden. Nach der politischen Wende erfolgte eine Neuordnung der landwirtschaftlichen Produktion. Es gibt heute mehrere aktive Landwirtschaftsbetriebe, die von einer großen Genossenschaft bis hin zu spezialisierten Familienhöfen reichen.

Denkmäler und Merkwürdigkeiten

Sein dörfliches Aussehen hat der Ort bis auf den heutigen Tag bewahrt. Die Bauerngüter und Häusleranwesen sind entweder im Fachwerkständerbau ausgeführt, oder es ruht ein Fachwerkobergeschoß auf massivem Bruchsteinmauerwerk. Teilweise verbirgt sich das Lehmfachwerk hinter Bretterverschalung oder Schieferverschlag. An den Umgebindehäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert lässt sich die Entwicklung des Blockbaus gut verfolgen. Viele Häuser weisen reich ornamentierte Sandsteintürstöcke aus dem 18. und beginnenden 19. Jahrhundert auf.
Ein charakteristisches Beispiel für die frühere bäuerliche Baukunst ist das große Gehöft in der Hinteren Dorfstraße 2 am Osthang des Bertse-Tals. Sein Wohnhaus mit massivem Erdgeschoss und einem Obergeschoss in Lehmfachwerk erhielt die heutige Gestalt 1807, wie auf dem schönen Korbbogenportal mit den Initialen des damaligen Besitzers Gustav Friedrich Kahlert vermerkt ist. Wahrscheinlich aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammten die strohgedeckte Scheune und ein noch erhaltenes Gebäude mit Galerie, beide in Lehmfachwerkbau errichtet.

Die im unteren Drittel des Dorfes über der rechten Talseite liegende Kirche gewinnt insofern besondere Bedeutung, als sie Vorbild für eine größere Zahl barocker Dorfkirchen in der übrigen südlichen Oberlausitz wurde, z. B. in Spitzkunnersdorf, Niederoderwitz und Hainewalde. Ihre Vorgängerin war eine spätgotische Kapelle, die 1672 durch Blitzschlag zerstört wurde. An sie erinnert nur noch ein Spitzbogenportal an der Nordwand der heutigen Kirche mit der Jahreszahl 1518 im Scheitel. Von ihrer Ausstattung erhielten sich 3 stark beschädigte gotische Altarfiguren, die im Stadtmuseum von Zittau aufbewahrt werden. Den Riss für den Neubau schuf Andreas KLENGEL aus Dresden, der von 1672-1675 auch den Bau leitete. Er knüpfte in seinem Entwurf an die spätgotischen Hallenkirchen Obersachsens und Nordböhmens an. Das Deckengewölbe des saalartigen, im Osten polygon abgeschlossenen Raumes ruht auf nach innen gezogenen Strebepfeilern mit vorgelegten Pilastern, die von der Wand abgerückt sind und die auch hinter dem Altar herumgeführte doppelte hölzerne Emporen tragen. Das Innere wird durch hohe, gotisierende Maßwerkfenster erhellt. Noch aus der alten Kirche stammt die Sandsteintaufe in Kelchform. Sie war von 1574-1698 in Gebrauch und stand seitdem im Pfarrgarten, bis sie 1961 nach der Renovierung des Innenraumes durch das Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden, wieder in die Kirche versetzt wurde. Der Altaraufsatz mit einer volkstümlichen Darstellung des Abendmahles von 1689 und die 1699 durch den Zittauer Tischler Christian BERGER und den Zittauer Bildhauer Konrad EDELWEHR geschaffene Kanzel sind ebenso wie die Frauenstühle von 1685 frühbarocke Werke. Hochbarocke Formen finden sich am Orgelgehäuse von 1751.
Das Mauerwerk des Kirchenschiffes, auf dem ein durch wenige regelmäßig angeordnete Gaupen belebtes Satteldach ruht, ist nur durch schmale, hohe Spitzbogenfenster gegliedert. Eine stärkere architektonische Durchbildung erfährt die westliche Giebelseite durch den Turm, der in seinem quadratischen Untergeschoss zur Hälfte in das Langhaus einbezogen ist, in Firsthöhe in ein achteckiges Obergeschoss übergeht und in einer barocken Turmhaube mit zierlicher Laterne endet. Seitlich ist ihm je ein Treppenturm mit Wendeltreppe als Zugang zu den Emporen angefügt.

Vor der Turmseite der Kirche steht das geräumige zweigeschossige Pfarrhaus aus dem Jahre 1700. Es trägt ein hohes Walmdach, das durch Gaupen und ein Dachhäuschen belebt ist. Ein heute als Gemeindesaal benutzter Raum weist noch eine bemalte Holzbalkendecke aus der Entstehungszeit auf. Die Bertsdorfer Pfarre gilt als eine der schönsten in der Oberlausitz.
Der die Kirche umgebende Friedhof wird durch eine sehr alte Steinmauer begrenzt. Ein schlichtes rundbogiges Renaissancetor mit derb kanneliertem Gewände, „erbauet Ao 1574" (GURLITT 1906), vermittelt den Zugang vom Pfarrhaus und von der Straße her.

Bedeutende Landsleute und Persönlichkeiten

Der Bekannteste Sohn Bertsdorfs ist Siegfried Schreiber (1928-1988). Der Künstler gehört zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er durch seine meisterhaften lebensgroßen Bronzegüsse und seine Sportplastiken. Daneben schuf er Zeichnungen und Aquarelle, die vor allem Landschaften der Oberlausitz, aber auch seinen Heimatort zeigen. Ein weiterer Künstler war der Maler Wilhelm Fröhlich (1849-1923). Ohne seine Kunst wären zahlreiche Häuser der Oberlausitz längst in Vergessenheit geraten. Durch die Akkuratesse und Detailtreue seines Malstiles blieben viele frühere Dorfansichten in Erinnerung. Friedrich Renger (1918-2015) war ein anerkannter Spezialist für Hepatologie und Gastroenterologie. Er war maßgeblich an der Forschung zu Hepatitis C beteiligt und unterstützte 1978 die erste erfolgreiche Lebertransplantation. Gitta Kettner (geborene Fröhlich; 1928-2011) war eine Grafikerin und Illustratorin, die vor allem durch ihre filigranen Federzeichnungen und Buchillustrationen in der DDR bekannt wurde.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Bertsdorf ist ein idealer Ausgangsort für Unternehmungen in das Zittauer Gebirge mit den bekannten Gipfeln der Lausche, des Hochwalds, des Töpfer oder dem Oybin mit seiner Kloster- und Burgruine. In der näheren Umgebung befinden sich die Koitsche, der Breiteberg, der Seidelsberg, Steinberg, Tauben- und Pocheberg. Von dort aus eröffnet sich ein weiter Blick auf das Oberlausitzer Gebirge, das Isergebirge und im Winter bis zu den schneebedeckten Gipfeln des Riesengebirges. Attraktive Ausflugsziele sind der Olbersdorfer See, am Fuße des Zittauer Gebirges gelegen, und das Allwetterbad „Trixi-Bad“ in Großschönau.

Der Bahnhof Bertsdorf ist ein Knotenpunkt der Zittauer Schmalspurbahn und liegt in der Gemeinde Olbersdorf, etwa zwei Kilometer südöstlich vom namensgebenden Ort Bertsdorf entfernt. Er ist vor allem für seine Doppelausfahrten bekannt, bei denen zwei Dampfzüge gleichzeitig den Bahnhof in Richtung Kurort Oybin und Kurort Jonsdorf verlassen. Am Bahnhof Bertsdorf gabelt sich die schmalspurige Eisenbahnstrecke von Zittau in eine Linie nach dem Kurort Oybin und eine nach dem Kurort Jonsdorf. Der 9 km lange Abschnitt vom Zittauer Bahnhof bis Bertsdorf quert innerhalb des Stadtgebietes die regulierte Mandau und führt dann am Rande von Olbersdorf entlang. Im weiteren Verlauf benutzen die Linien die Talhänge des Grundbaches bzw. des Goldbaches. In der Nähe des Haltepunktes Oberolbersdorf und des Bertsdorfer Bahnhofes waren früher 6 m mächtige pleistozäne lehmige Sande aufgeschlossen, ohne das Liegende zu erreichen. Im Brunnenschacht beim Bahnhof Bertsdorf stieß man sogar auf 17 m mächtige Sande.

Als mehrere Projekte fehlgeschlagen waren, eine Eisenbahnlinie von Zittau bis nach Böhmen zu bauen, genehmigte der sächsische König am 28. 3. 1889 die Gründung der Zittau-Oybin-Jonsdorfer Eisenbahngesellschaft (Z.O.J.E.). Nach einer Bauzeit von 1 1/2 Jahren erfolgte 1890 die Eröffnung. Auf den Wagen und Lokomotiven standen die Buchstaben Z.O.J.E., die der Volksmund als „Zug ohne jede Eile" deutete. 1906 übernahm der sächsische Staat die Bahn, die von 1913-1945 von Zittau-Vorstadt bis Oybin zweigleisig befahren werden konnte, eine für Schmalspurbahnen seltene Erscheinung. Das zweite Gleis wurde während des Zweiten Weltkriegs wieder abgebaut. Benutzten früher vor allem Arbeiter die Schmalspurbahn, um in das Industriegebiet von Zittau zu gelangen, so befördern heute die Züge besonders an Wochenenden viele Urlauber und Wanderer in das Zittauer Gebirge. Die Strecke ist nach wie vor in Betrieb und eine beliebte Touristenattraktion.

Übersichtskarte der Umgebung von Bertsdorf-Hörnitz.

Weitere Informationen

Text: Björn Ehrlich, Mai 2026.
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