Hörnitz
Das Dorf Hörnitz liegt etwa 3,5 km westlich des Zentrums von Zittau an der Straße nach Waltersdorf. Verwaltungstechnisch gehört es zur Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz, die im Zuge der Gebietsreform am 1. März 1994 durch den Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinden Bertsdorf und Hörnitz entstand. Zum 1. Januar 2026 zählte die gesamte Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz 1978 Einwohner, von denen etwa 1010 in Hörnitz lebten.
Geschichte

Blick von der Lehne des Scheibebergs auf die Dorfkirche von Hörnitz.
Foto: Björn Ehrlich.
Hörnitz besteht aus Alt- und Neu-Hörnitz. Althörnitz wurde als Waldhufendorf auf einer vorhandenen slawischen Siedlung mit Blockflur, Neuhörnitz als Waldstreifendorf angelegt. Die Ortsteile bilden erst seit 1912 eine politische Gemeinde.
Der Name Hörnitz stammt aus der slawischen Zeit: Hurnicz, Hornicz, volkstümlich Hirntz. Hörnitz ist eine slawische Ortsgründung, wann diese geschah, ist nicht nachweisbar. Im 13. Jahrhundert war Hörnitz im Besitz der Herren von Leipa, diese gehörten zu dem weitverzweigten, mächtigen böhmischen Dynastengeschlecht der Hronowice. Sie besaßen das gesamte Gebiet von Leipa bis Zittau und Rohnau. Hörnitz bildete einen Bestandteil der Herrschaft Zittau. Später ging es in landesherrlichen Besitz über. Im Jahre 1366 taucht der Name Hörnicz zum ersten Mal auf, wahrscheinlich von obersorbisch horni = obengelegen abgeleitet. Im Jahre 1366 „Freitags nach Himmelfahrt" verpachtete Kaiser Karl IV die Landvogtei Zittau nebst dem „Vorwerke zu Hurnicz" und anderen Gütern um 310 Schock Groschen Prager Münze auf zwei Jahre an die Stadt Zittau, eine Verpachtung, welche am 20. November 1369 auf drei Jahre erneuert wurde.

Ansicht der Ostseite des Schlosses mit Volutengiebeln.
Foto: Björn Ehrlich.
Im Jahre 1386 wird ein "Hörnitzer Rittersitz" erwähnt, der Hans Becherer und 1420 dem Burggrafen Wenzel von Dohna gehörte. Zu dieser Zeit zinsten auch 4 Rutenbesitzer an das Zittauer St. Jakob-Hospital. Als Besitzer des Rittergutes wird 1497 Georg von Döbschütz genannt; ihm folgten im Besitz von Hörnitz seine drei Söhne: Hans Georg, Bernhard und Christoph von Döbschütz. Jedenfalls hatten sie das väterliche Erbe unter sich geteilt. Die beiden ersten Brüder vereinigten ihre Anteile zu Alt-Hornitz. Christoph gründete um 1540 Neu-Hörnitz, das 1552 bereits durch 28 Häuslerstellen erweitert war und 1580 zu einem freien adeligen Gut erklärt wurde. Während Alt-Hörnitz bis 1945 im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter blieb, ging Neu-Hörnitz in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in die Hände der Zittauer Familie Hering über, da wenigstens Christoph den Teil, welcher später Neuhörnitz genannt wurde, bereits bald an Hans von Uechtritz verkauft hatte.
Die Flur von Alt-Hörnitz gibt einen Hinweis auf den ungefähren Umfang der slawischen Siedlung, die vor der deutschen Landnahme wahrscheinlich auf einer niederen südlichen Terrasse des Mandautales lag. Sie gruppierte sich um eine Wasserburg mit Wall und Graben zur Sicherung der Mandaufurt. Hier gabelte sich ein alter Handelsweg von Böhmen in die Mark Brandenburg und nach dem Gebiet um Halle. Der sogenannte Wall, ein viereckiger Platz von ca. 20 m Seitenlänge, der von einem auf drei Seiten trockenen Graben umgeben ist, erinnert heute noch an die Anlage, das Haus auf der Mitte der Insel aus dem 18. Jahrhundert an den wahrscheinlichen Standort des ältesten Hörnitzer Wasserschlosses, das 1520 abbrannte.
In der südlichen Gemarkung bis zu den Zschirnwiesen und dem Leitberg erhielten sich nach der Flurkarte von 1835 die Blockaufteilung und slawische Flurnamen. Kleinparzellierte Flurstücke zeigen den geringen Besitz der Gärtner und Häusler, die zur Dienstleistung auf dem Gut verpflichtet waren. An diese Blockflur lehnen sich im Westen mehrere langgestreckte Waldhufen bis über die Koitsche hin an. Sie wurden den wenigen Bauern, die sich im 13. Jahrhundert angesiedelt hatten - 1777 waren es 5 „besessene Mann" in Erbpacht gegeben.

Neugotischer Backsteinbau der evangelisch-lutherischen Kirche von Hörnitz.
Foto: Björn Ehrlich.
Die Gärtner, die sich und ihre Familien auf dem wenigen Ackerland nicht mehr ernähren konnten, nahmen im 17. und 18. Jahrhundert zahlenmäßig zu. Diese Menschen waren zusätzlich auf landwirtschaftliche Lohnarbeit oder auf handwerklich-gewerbliche Beschäftigung angewiesen. Die noch schlechter gestellten Häusler mussten ihre Existenz ausschließlich auf landwirtschaftliche Lohnarbeit oder Hausgewerbe gründen. In einem Verzeichnis von 1733 über Neu-Hörnitz sind von 28 männlichen Einwohnern im Alter von 18-32 Jahren allein 22 mit der „Profession" Leineweber geführt.
Auffällig waren in Hörnitz aufgrund der geschützten und günstigen Lage die vielen Gärten, in denen in Frühbeeten und auf Freiflächen Gemüse, vor allem Salat und Gurken, angebaut wurden. Schon im Schöppenbuch von 1791 ist der Gurkenacker von Neu-Hörnitz erwähnt. Auch die Kunstgärtnerei wurde in Hörnitz betrieben. War es doch Hörnitz, wo durch den Erbauer des Schlosses,Christian von Hartig, die Kunstgärtnerei in der Zittauer Gegend seinen Anfang nahm. Hier wurden bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts des erste Glashaus und Frühbeete angelegt. Hier sah man die erste Orangerie, die ersten Hyazinthen, Tulpen, Tuberrosen und anderes blühen.
Der größte Teil der erwerbstätigen Einwohner sucht heute seinen Verdienst in den Unternehmen der nahe gelegenen Stadt Zittau und der umliegenden Dörfer. Es existieren noch kleinere Handwerksbetriebe; daneben bieten Ferienwohnungen, die Pension auf der Koitsche und das Schlosshotel touristische Dienstleistungen an.
Bemerkenswert erscheint die Vielzahl von gastronomischen Einrichtungen um 1900 in Hörnitz. Es bot sich genügend Gelegenheit zur Einkehr. Zu erwähnen sind das Restaurant „Zum Schweizerhof" mit schöner Veranda und Garten, der Gasthof „Zur Hummel" mit schattigem Garten und Tanzsaal, der Gasthof „Zur Stadt Zittau" mit großen Veranden, Garten, Konzert- und Tanzsaal, ferner der „Albertsaal" mit Veranda, Konzert-und Tanzsaal. Heute besteht nur noch das Restaurant auf der Koitsche und das Restaurant im Schlosshotel.
Die Flur, die zwischen dem Kuxebach, der Mandau und der Bertse eingezwängt liegt, bewirtschafteten seit 1958 die LPG „Hand in Hand“ und seit 1960 weitere drei Genossenschaften. 1967 erfolgten hier Zusammenlegungen zu Kooperationsbereichen. Heute bewirtschaften die landwirtschaftlichen Flächen privat-bäuerliche Kleinbetriebe.
Denkmäler und Merkwürdigkeiten

Ansicht der Nordseite des Schlosses Alt-Hörnitz, seitlich die Berg-Ulme.
Foto: Björn Ehrlich.
Das jetzige Alt-Hörnitzer Schloss entstand in der Nähe des Wallhauses. Der Bürgermeister von Zittau, Christian von Hartig, ließ es sich in den Jahren 1651-1654 durch Meister Valentin „im damaligen italienischen Geschmack" erbauen. Es ist ein dreigeschossiges, auf länglich-rechteckigem Grundriss errichtetes Gebäude, bei dem der Giebel als Schmuckelement im Sinne der deutschen Spätrenaissance benutzt wird. Je zwei mehrgeschossige, vasengekrönte Volutengiebel zieren die beiden Längsseiten; ein breit angelegter Schaugiebel schließt die südliche, ein kleinerer die nördliche Schmalseite ab. Der Eingang mit dem schon frühbarocken Türgewände und der geschnitzten alten Eichentür liegt in der Mitte der Nordseite. Ihn flankieren zwei achteckige Türme mit welschen Hauben. Alt ist nur der dickere von beiden, dessen unterstes Geschoss von einem Kreuzgewölbe abgedeckt wird. In diesem Raum sollen Ehrenfried Walther von Tschirnhaus († 1708) und Johann Jakob von Hartig († 1718) alchimistische Experimente durchgeführt haben, die die ganze Umgebung in Schrecken versetzten. Es hilt als sicher, dass wichtige Gespräche über die Entwicklung des Meissener Porzellans in Hörnitz stattgefunden haben. Der schmalere Turm wurde erst 1853 angefügt, als man die Wendeltreppe aus dem Inneren hierher verlegte. Das Innere ist mehrfach verändert worden, zuletzt beim Ausbau als Ferienheim, welches bis zur politischen Wende als solches betrieben wurde. In den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss in eine Hotelanlage gehobeneren Standards verwandelt und mit einem modernen Anbau versehen. Das Anwesen ist von einer 30.000 m2 großen Parkanlage mit eigenem Teich umgeben.
An der Hauptstraße, etwa 300 m vom Schloss entfernt, steht eine neugotische Backsteinkirche mit einem markanten, 50 m hohen, spitzen Turm, die erst zwischen 1900 und 1901 nach einem Entwurf von Theodor Quentin aus Pirna erbaut wurde. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 30. September 1901. Zuvor gehörte Hörnitz kirchlich zu Zittau. Der Altar der Kirche mit einer Kreuzigungsgruppe ist ein Werk des Meißener Bildhauers Konrad Hentschel, die hölzerne Kanzel schuf der Bildhauer Wilhelm Engelmann aus Pirna. Die Kosten des Baues, außer Geschenken, Glocken und Bauplatz beliefen sich auf 98.400 Mark.

Vorderansicht der Hörnitzer Dorfkirche.
Foto: Björn Ehrlich.

Kirchenschiff der Hörnitzer Kirche.
Foto: Björn Ehrlich.
Vor der Kirche steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Etwa 450 m westlich der Kirche steht das Schloss in Neu-Hörnitz, das erst seit 1751 existiert. Den schmalen, zweigeschossigen Barockbau schließt ein Mansardendach ab. Die risalitartige Mittelteil durchbricht als Dachhäuschen die Trauflinie. Dadurch erfährt die Fassade eine vertikale Betonung. Bauen ließ sich das Schlößchen der Zittauer Kaufmann Gottfried Hering, der 1745-1752 Besitzer von Neu-Hörnitz war. 1820 gelangte es in den Besitz der Stadt Zittau. Diese ließ die Gutsflur parzellieren und das Herrenhaus von Zittauer Bürgern nutzen. 1867 wurde eine Brauerei eingerichtet, der auch eine Gastwirtschaft angeschlossen war. Durch Umbauten hat das Innere viel von seiner Schönheit verloren. Der gegenwärtige Eigentümer führt umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an dem Gebäude durch. Über die geplante Nutzung ist derzeit nichts bekannt.
In Neu-Hörnitz gibt es bis heute eine Reihe gut erhaltener Fachwerkhäuser mit Fachwerkgeschoss und kunstvoll gestalteten Türportalen. An einem Fachwerkhaus in der Straße der Jugend Nr. 23 hängt ein kleines, bunt bemaltes Wachtelhaus, das der arbeitslose Zimmermann Wagner aus Hörnitz im Winter 1931/1932 nach einer Beschreibung aus dem Jahr 1833 angefertigt hat. Das Häuschen erinnert an die Zeit vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg, als hier sehr häufig Wachteln gezüchtet wurden.

Hörnitzer Wachtelhaus.
Foto: Björn Ehrlich.
In Hörnitz wachsen drei mächtige, unter Naturschutz stehende Großblättrige Linden. Eine davon steht an einem Feldweg, der vom Ortszentrum zur Koitsche führt, eine weitere, etwa 150 Jahre alte Linde befindet sich in der Nähe einer Straßenkreuzung am nordöstlichen Fuß der Koitsche und eine 120 Jahre alte Linde (gepflanzt 1895) wächst ebenfalls in der Straße der Jugend in der Nähe der Turnhalle. Die „Schillereiche“ wurde am 9. Mai 1905 vom Verein für wissenschaftliche Unterhaltung in eine frühere Parkanlage, heute an der Straßenkreuzung Straße der Jugend – Goethe Straße befindlich, gepflanzt. Vor dem Schloss Alt Hörnitz steht eine schätzungsweise 170 Jahre alte Berg-Ulme mit einer Höhe von 29 m und einem einen beachtlichen Umfang von rund 5,50 Metern.
Bedeutende Landsleute und Persönlichkeiten
In Hörnitz wurde Erich Georg Hirte geboren. (* 17. Mai 1904 in Hörnitz, † 24. Mai 1996). Seine Eltern zogen mit ihm aus beruflichen Gründen nach Böhmen. Nach dem Schulbesuch schlug Hirte eine Ausbildung zum Ingenieur ein. 1928 machte er sich als Elektroingenieur in der Stadt Cvikov (Zwickau) in der Tschechoslowakei selbstständig. war ein tschechoslowakischer Politiker (SdP/NSDAP) deutscher Nationalität. Von 1935 bis 1938 war er Abgeordneter des Tschechoslowakischen Abgeordnetenhauses.
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Hörnitz liegt vor den Toren der Sechsstadt Zittau, die in ihrer Blütezeit auch den Beinamen „Die Reiche“ trug. Von deren ehemaligem Glanz zeugen noch zahlreiche Bürgerhäuser in der Innenstadt, das Rathaus, der Marstall, die Kirchen und das Stadtmuseum, welches die bekannten Fastentücher beherbergt. Ein beliebtes Naherholungsgebiet ist der Olbersdorfer See, der aus einem stillgelegten, rekultivierten Braunkohletagebau entstanden ist. Er liegt malerisch vor der Silhouette des Zittauer Gebirges, zu dessen Erkundung sich Hörnitz als ein guter Ausgangsort anbietet. In der näheren Umgebung des Dorfes liegen die Koitsche, das Schülertal und der Schülerberg, an dem 600 Jahre Phonolith abgebaut wurde. Besonders markant sind die bis zu 35 Meter hohen Phonolith-Säulen im ehemaligen "Unteren Steinbruch". Jenseits des Schülertales erhebt sich der Scheibeberg, der bis heute als Steinbruch genutzt wird. Der sich nördlich anschließende Scheiber Spitzberg gewährt schöne Aussichten zu den Hügelkuppen der Oberlausitz sowie dem Höhenzug des Lausitzer Gebirges, desgleichen von der West- und Südseite des Scheibeberges. Zwischen der Koitsche und dem Breiteberg erhebt sich das Flächennaturdenkmal Jachelberg mit einer Halbtrockenrasenvegetation und schönen Aussichten zum Lausitzer Gebirge, dem Jeschkenkamm und dem Isergebirge.