Steinberg

Der Steinberg vom Pocheberg aus gesehen, dahinter der Breiteberg.
Der Steinberg vom Pocheberg aus gesehen, dahinter der Breiteberg.

Der bewaldete Phonolithkegel des Steinberges (Höhe 442 m NN) liegt etwa 1,5 km westlich des Bertsdorfer Oberdorfes zwischen den Tälern des Pochebaches und des Bertsdorfer Wassers. Er bildet zusammen mit dem Breiteberg (510 m) und dem Seidelsberg (433 m) eine charakteristische Dreiergruppe von Phonolithkuppen. Auf historischen Karten (Meilenblatt von 1805) wurde der Berg als Steinberg bezeichnet, die nördlich anschließende Hochfläche als Katzenheyde.

Der Gipfel des Berges war früher unbewaldet und gehörte zu dem Gut Nr. 237 des Herrn Christian Gottfried Israel. Er besteht aus mehreren wundervoll schön gebildeten fünfkantigen, gewaltigen, hornartigen Phonolithsäulen (früher als Porphyr bezeichnet) und hat schon Manchen, welcher diese Säulen für Basalt hielt, zu der Vermutung veranlasst, es müsse hier ehemals der Krater eines Vulkans gewesen sein. Das Aussehen der mit vielem Gestein besäten Anhöhe verlieh der Felsenstirn die Bezeichnung „Katzenkopf“.

Er besteht aus lauter einzelnen, neben und oft vierfach übereinander emporstrebenden, 5 bis 6-seitigen, etwa eine Elle im Durchmesser haltenden, sämtlich unter einem Winkel von etwa 30 Grad gegen den Horizont gestellten, (schief nach südwest sich lagernden) Säulen. Um die Hauptlagerung herum, gibt es besonders gegen Westen zu noch sehr viele kleinere, ebenfalls einzig in ihrer Art dastehende und für jeden Mineralogen höchst merkwürdige Partien. Den Königlich-Sächsischen Leibarzt und Maler Herrn Dr. Carus sprach dieser Fels so an, dass er ein historisch bedeutsames Ölgemälde davon fertigte („Geognostische Landschaft – Katzenköpfe bei Zittau"), das heute in der Staatsgalerie in Stuttgart ausgestellt ist. Die Namen „Katzenhaide“ und „Katzenkopf" erklären sich dadurch, dass sich 1667 hier noch wilde Katzen aufhielten, wo aber die Katzenhaide nicht wie heute Feld, sondern wohl dichter Wald war.

Im Jahre der Not und Teuerung 1847 ließ der damalige Besitzer dieses Berges, Herr Stübler, diesen kahlen Berg kultivieren und mit Laub- und Nadelholz bepflanzen, wodurch er zugleich (durch Arbeitgebung) Wohltäter der an Not leidenden Armen wurde. Von den bei der Urbarmachung gewonnenen Steinen ließ er eine Einfassungsmauer um das ganze Waldstück und, in einer höchst romantisch zwischen Laub- und Nadelholzdickicht sich befindlichen Steingruppe, ein verschließbares Kirrhäuschen anlegen sowie die Katzenkopfhöhe besteigbar machen. Am 2. Juni 1854 ließ er einen Denkstein von Granit 1 Elle 20 Zoll lang, 1 Elle 8 Zoll hoch und 1 Elle 2 Zoll stark, auf einen Stein dieser Mauer an der Ostseite des Steinbergs aufstellen. Er zeigt gegen das Dorf gekehrt folgende Inschrift: Dieser Berg wurde von dem Besitzer F. T. Stübler bepflanzt im Jahre MDCCCXLVII).

Die Felsen sind heute im Wald verborgen und mit Vorsicht zu begehen.
Die Felsen sind heute im Wald verborgen und mit Vorsicht zu begehen.

Die Kuppe ist heute bewaldet und nur mit Vorsicht begehbar. Sie weist naturnahe Waldabschnitte auf. An den trockenen, warmen Waldrändern des Ost- und Südhanges wachsen Besenginster (Cytisus scoparius) und Hainwachtelweizen (Melampyrum nemorosum). Teile der felsigen Gipfelregion sind als Naturdenkmal geschützt.
Der Gipfel selbst bietet wegen des dichten Waldes keinen Rundblick. Von den Hängen unterhalb des Gipfels hat man jedoch nach Osten/Südosten den Blick über das Zittauer Becken zum Iser- und Jeschkengebirge; nach Süden/Südwesten Sicht auf das westliche Zittauer Gebirge mit Jonsberg, Buchberg, Lausche und Weberberg.
1856 gründete Christian Friedrich Fabian am Westfuß des Berges die Pochefabrik, die erste Großschönauer Fabrik (Ruine in den 2000ern abgebrochen).

Neben dem Gedenkstein am Nordhang (1854) an den Abschluss der 1847 begonnenen Bewaldung ist noch der Mordstein auf der Katzenhöhe bedeutsam, der etwa 600 m nördlich des Steinbergs auf der Katzenhöhe an der Straße von Bertsdorf nach Großschönau steht. Er gedenkt der 22-jährigen Marie Rosine Wagner, die durch ihren Bräutigam, Christian Friedrich Helle, am 26. Mai 1825 ermordet wurde. Das Zittauer Hofgericht verurteilte Helle zum Tode, Er wurde am 4. August 1826 auf dem Zittauer Rabenstein unter den Augen von 30.000 Schaulustigen enthauptet. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Zittau.

Blühender Ginster an der Südlehne des Steinbergs, im Hintergrund der Jedlová (Tannenberg) und der Weberberg.
Blühender Ginster an der Südlehne des Steinbergs, im Hintergrund der Jedlová (Tannenberg) und der Weberberg.
Text: Björn Ehrlich, Mai 2026.