Koitsche

Die Koitsche vom Scheibeberg aus gesehen.
Foto: Björn Ehrlich.
Am südlichen Rand der Gemeinde Neuhörnitz, etwa 5 km westlich von Zittau, erhebt sich der bewaldete Gipfel der Koitsche oder Kautzsche (376 m). Sein Name wurde früher vom obersorbischen Wort „khójca“ = Kiefer abgeleitet, wird heute jedoch eher mit dem Wort „koijtsch“ in Verbindung gebracht, das einen geschützten Ort bezeichnet.
Der Phonolith, aus dem der Berg aufgebaut wird, liegt in 2 cm bis über 1 m starken Platten vor, die unter 30-50° Neigung einfallen. Die plattige Ausbildungsform beruht auf der Lage der kleinen Sanidintafeln und weist auf eine selbständige Kuppe hin. Am Osthang des Berges wurde seit mindestens der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Phonolith abgebaut, und noch um 1930 wurde es zur Uferbefestigung bei der Regulierung der Neiße verwendet. Heute ist der Steinbruch jedoch nicht mehr in Betrieb.

Ansicht der Koitsche von ihrem nördlichen Fuße aus.
Foto: Björn Ehrlich.
Die Kuppe trägt überwiegend einen Fichten-Kiefern-Forst, wie er für die meisten vulkanischen Erhebungen des Gebirgsvorlandes typisch ist. Die verhältnismäßig kleinen Bestände bleiben ertragsmäßig gering und enthalten im Unterwuchs bereits wieder die Arten der natürlichen Vegetation. In der Baumschicht kommen vor allem Birke, Stieleiche und Eberesche vor, in der Strauchschicht überwiegen die Hasel und die jungen Waldbäume. Die Bodenflora setzt sich vornehmlich aus Verhagerungszeigern und Rohhumuspflanzen zusammen, wie Heidelbeere, Drahtschmiele, Wiesen-Wachtelweizen und Silberhainsimse. Dazu gesellt sich das montane Hainkreuzkraut und auf Staublehminseln das Hainrispengras. An der Ostseite der Felsen erscheint als floristische Besonderheit die Weiße Fetthenne.

Der stillgelegte Phonolith-Steinbruch an der Koitsche.
Foto: Björn Ehrlich.
Von der Koitsche aus reicht der Blick bis zu den Kraftwerksanlagen in Turow. Ruhebänke in halber Höhe des Berges und auf der Kuppel lassen erkennen, dass sie auch heute noch ein beliebtes Nahausflugsziel für Zittau darstellt. Die Gaststätte oberhalb der Steinbruchwand trat 1882 an die Stelle einer Schutzhütte, nachdem bereits 1833 bis 1838 ein einfaches, hölzernes Schenkhaus bestanden hatte. Nach einer längeren Phase des Leerstands und Verfalls in den 1990er Jahren wurde das Gebäude durch die neuen Eigentümer grundlegend renoviert und wird als Pension und Gaststätte betrieben. Von der Terrasse des Berggasthauses hat man einen wunderschönen Panoramablick auf die malerische Landschaft des Zittauer Beckens, das von einem Hügelkranz umgeben ist. Die Südseite wird von den Hängen des Zittauer Gebirges dominiert; wunderschön ist der Blick auf Zittau mit seinen zahlreichen Kirchtürmen, hinter denen man besonders bei klarem Wetter die fernen Gipfel der polnischen und tschechischen Isergebirge sehen kann, an die sich der Jeschkenkamm anschließt.

Blick von der Terrasse der Gaststätte über Alt-Hörnitz und Zittau zum Isergebirge.
Foto: Björn Ehrlich.
Der südliche, nach Westen hinziehende Teil der Koitsche mit der höchsten Bergkuppe gehörte zum Althörnitzer Kretschamgrundstück, wo sich auch das sogenannte Galgenfleckchen befand. Dort wurden früher die Hinrichtungen der Missetäter vollzogen. So wurde hier am 17. Juli 1659 Marie Kammler, aus Eibau gebürtig, welche auf dem Hofe zu Alt-Hörniz als Kleinmagd diente, und dort ihr unehelich geborenes Kind umbrachte, mit dem Rade vom Leben zum Tode gebracht, nachdem Tags vorher die Grundherrschaft, Dr. Christian von Hartig, selbst das Schafott hatte aufbauen lassen. Die Kosten betrugen 48 Tlr. 1 Gr. 3 Pf. Ein solches Urteil, ein Mädchen zu rädern - hat Zittau unter nahezu 150 Urteilsbegründungen niemals verhängt, auch keine andere der Sechsstädte. Auch auf ihrem Besitz in Böhmen sollen die Hartigs strenge Richter gewesen sein.

Blick von der Terrasse der Gaststätte über Alt-Hörnitz und Zittau zum Iser- und Jeschkengebirge.
Foto: Björn Ehrlich.
An der Koitsche zogen auch 1467 die Hussiten vorüber, als sie von ihrem Raubzug aus der Zittauer Gegend mit großer Beute an Vieh und anderem nach Böhmen heimkehren wollten, aber von den versteckten Zittauern im Walde aufgelauert und überfallen wurden. Dieser Kampf ging in die Zittauer Annalen mit dem Namen „Der Schlacht am breiten Berge" ein. Im siebenjährigen Krieg errichtete man auf dem Berge Alarmstangen und stellte Feldwachposten auf.
Am 23. September 1882 wurde auf dem Gipfel des Berges die Theodor-Körner-Eiche gepflanzt, die an diesen bedeutenden deutschen Dichter und Dramatiker erinnert, der von 1791 bis 1813 lebte. Zugleich wurde eine Geburtstagsfeier für Theodor Körner abgehalten. Er wurde als „Sänger und Held“ der Befreiungskriege gegen Napoleon zur Legende.