Postřelná
(Postrum)

Postřelná (Postrum) ist eine Siedlung, gelegen am nördlichen Fuße des Tlustec (Tolzberg), etwa 1,5 km südöstlich von Velký Valtinov (Gross Walten) und 3,5 km südlich von Jablonné v Podještědí (Deutsch Gabel) an der Hauptverbindungsstraße nach Mimoň (Niemes). Das ursprünglich eigenständige Dorf gehört heute zu Jablonné (Deutsch Gabel) und im Jahr 2001 hatte es 43 Häuser, in denen 143 Menschen lebten. Der deutsche Name „Postrum“ ist offenbar eine Verballhornung der tschechischen Bezeichnung „Pod stromy“ (= Unter den Bäumen), für einen einstigen Rastplatz mit einem Brunnen zur Pferdetränke.

Das Dorf wurde 1391 erstmals schriftlich erwähnt, als es zur Mühlsteiner Herrschaft des Jindřich Berka von Dubá gehörte. Der nächste bekannte Eigentümer war 1408 Bartoš von Postřelná, Lehensmann auf der Burg Děvín bei Hamr na Jezeře (Hammer am See). Zu dieser Zeit hatte das Dorf 11 Häuser und eine Festung mit einem Wirtschaftshof. Im Jahre 1444 wurde es aber bei einem Vergeltungsfeldzug des Lausitzer Sechstädtebundes auf Vartenberk niedergebrannt und blieb anschließend wüst. Eine Neubesiedlung fand erst nach 1515 statt, als es die Blekta von Útěchovice erwarben und es der Waltener Herrschaft angliederten. Diese gelang zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den Besitz derer von Dohna. Ihr Besitztum wurde aber wegen ihrer Teilnahme am anti-habsburgischen Aufstand im Jahre 1623 beschlagnahmt und an Albrecht von Wallenstein vergeben. Im Jahre 1646 fiel Postřelná an das Prager Franziskanerkloster und wurde kurze Zeit später Teil der Lemberger Herrschaft von Kryštof Rudolf Breda. Nach 1667 gehörte das Dorf den Pachta von Rayhofen, die es 1718 an die Herrschaft Jablonné (Deutsch Gabel) angeschlossen.

Häuser im mittleren Teil des Dorfes. Im Hintergrund der Berg Tlustec (Tolzberg).
Häuser im mittleren Teil des Dorfes. Im Hintergrund der Berg Tlustec (Tolzberg).

Im Jahre 1654 sind in Postřelná (Postrum) 31 Landwirte belegt. In die Kirche gingen die hiesigen Gläubigen nach Jablonné (Deutsch Gabel) und 1731 wurde im Dorf eine kleine Kapelle erbaut, die gelegentlich für Gottesdienste genutzt wurde. Irgendwann nach 1720 gab es hier auch eine Schule, für die 1779 auch ein Schulgebäude errichtet wurde. Im Jahre 1775 brach in der Umgebung ein Bauernaufstand aus, bei dem die hiesigen Bauern zusammen mit Aufrührern aus den umliegenden Herrschaften in das Schloss in Zákupy (Reichstadt) eindrangen. Der Aufstand wurde aber mit äußerster Härte niedergeschlagen. Etwa drei Jahre später, während des sogenannten Kartoffelkrieges, wurde Postřelná (Postrum) von preußischen Soldaten geplündert.
Zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten im Dorf schon 59 Bauern, die hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem Obstbau lebten. Die Einwohner betrieben auch anderes Handwerk und weit verbreitet war ebenso die häusliche Produktion von Garnen und Tuchen. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Dorf von einem Schultheiß verwaltet. Nach den Verwaltungsreformen 1850 wurde Postřelná (Postrum) aber eine eigenständige Gemeinde mit einem gewählten Bürgermeister und zwei Räten. Während des preußisch-österreichischen Krieges im Jahre 1866, lagerten Soldaten des preußischen Generals Herbert von Bitterfeld in der Nähe des Dorfes. Am 24. Juli übernachteten im Ort circa 4000 Männer mit 400 Pferden, zu denen am Folgetag noch einmal 1200 Männer hinzukamen. Drei Jahre später hatte Postřelná 112 Häuser und 668 Einwohner. In den darauffolgenden Jahren nahm die Einwohnerzahl aber allmählich ab, da mit der Verbreitung der Textilfabriken die heimische Weberei zum Erliegen kam und die Menschen in die größeren Städte zur Arbeit gingen. Im Jahre 1878 wurde im Ort ein neues Schulgebäude mit zwei Klassen errichtet, das seinem Zweck noch bis 1965 diente. Irgendwann um 1820 wurde im oberen Teil des Dorfes unter dem Berg Tlustec (Tolzberg) eine hölzerne Wasserleitung angelegt, die zwischen 1892 und 1893 umgebaut wurde und bis 1908 noch ins Unterdorf erweitert wurde.

Bis 1900 war die Einwohnerzahl auf 436 gesunken und drei Jahre später wurde hier eine Molkereigenossenschaft gegründet, die im westlichen Teil des Ortes, genannt Scheibendorf, eine Molkerei gründete, zu der auch die Milch aus den umliegenden Dörfern gebracht wurde. In den Jahren 1914 bis 1915 wurde am Weg nach Jablonné (Deutsch Gabel) der Friedhof mit einer Kapelle angelegt, für die auch eine Glocke angeschafft wurde. Diese wurde aber schon 1916 zusammen mit der Glocke aus der Gemeindekapelle für Kriegszwecke beschlagnahmt. Nach dem 1. Weltkrieg wurde für die Gemeindekapelle eine neue Glocke gekauft, die am 26. Juni 1921 geweiht wurde. Ein Jahr später wurde das Dorf an das elektrische Netz angeschlossen. Im Jahre 1927 wurde in der Nähe der Kapelle ein Denkmal für die hiesigen 16 Opfer des 1. Weltkrieges errichtet und im selben Jahr gründete die Gemeinde ein Armenhaus im Haus Nr. 22 für sieben Menschen.

Noch im Jahre 1930 standen in Postřelná (Postrum) 108 Häuser, in denen 456 Bewohner lebten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aber die einheimische deutsche Bevölkerung vertrieben und der Ort war entvölkert. Schrittweise kamen neue Siedler hierher. Von ihnen gab es aber nur wenige, so dass viele Häuser leer standen. Etwa 50 von ihnen wurden später abgerissen. Nach dem Krieg gelang es im Dorf wieder eine Schmiede, eine Schusterwerkstatt, einen Friseursalon, einen Lebensmittelladen, eine Gastwirtschaft, einen Bäcker, eine Tischlerei, eine Wagnerei und eine Trafik zu eröffnen. Nach 1948 wurde aber sämtliche Privatwirtschaft liquidiert und in Betrieb blieben nur der Lebensmittelladen und eine Gastwirtschaft. Im Jahre 1949 wurde hier eine Agrargenossenschaft gegründet, die aber wegen Problemen mit den Bauern und Mangels Arbeitskräften 1961 mit der Genossenschaft in Velký Valtinov (Gross Walten) vereinigt wurde. Aber auch dies verbesserte die Situation nicht, woraufhin sie 1965 zum staatlichen Agrarbetrieb in Jablonné (Deutsch Gabel) kam. 1965 wurde wegen der gesunkenen Kinderzahl die Schule geschlossen und in den 70er Jahren ebenso der Friedhof. Im Jahre 1980 hatte Postřelná (Postrum) nur noch 41 Häuser und 185 Einwohner. Zum 1. Januar 1981 wurde es deshalb zusammen mit weiteren Orten in der Gegend nach Jablonné v Podještědí (Deutsch Gabel) eingemeindet.

Auf dem Dorfplatz im Niederdorf steht die Barockkapelle der Krönung Mariens, errichtet im Jahre 1731. Der quadratische Ziegelbau, der von einem Presbyterium mit abgestumpften Ecken abgeschlossen wird, hat auf dem Dach einen kleinen Dachreiter. Etwa 60 m südlich von ihr befindet sich ein erst kürzlich erneuertes steinernes Denkmal der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Etwa 800 m hinter dem Dorf steht am Waldrand rechts der Straße nach Velký Valtinov (Gross Walten) eine Nischenkapelle, die nach dem 2. Weltkrieg zerstört und 2006 wieder aufgebaut wurde.

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